Ex-Partnerin niedergestochen

12. Dezember 2019 11:22; Akt: 12.12.2019 11:41 Print

Bieler Messerstecher muss acht Jahre hinter Gitter

Ein 36-jähriger Mann verletzte im Juli 2016 seine Ex-Partnerin mit einem Messer schwer. Nun hat ihn das Gericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt.

Der Täter musste sich wegen vorsätzlicher tötung vor Gericht verantworten und bekam acht Jahre dafür. (Video: km)
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Acht lebensgefährliche Schnittverletzungen in Brust, Bauch, Oberschenkel, Oberarm und Hand trug G.* (46) bei der brutalen Messerattacke durch ihren Ex-Freund Y.* davon. Vor dem Mehrfamilienhaus in der Nähe von Biel, in dem G. (36) mit ihren beiden Töchtern lebte, war es im Juli 2016 zur Auseinandersetzung gekommen. Dabei zückte Y. ein Messer und stach wiederholt auf die Frau ein. Kurze Zeit später stellte er sich der Polizei.

Nun hat das Regionalgericht Berner Jura-Seeland den Türken wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, wie das «Bieler Tagblatt» berichtet. Angeklagt war Y. wegen versuchten Mordes, eventuell versuchter vorsätzlicher Tötung sowie mehrfacher Vergewaltigung. Für die drei Anklagepunkte hatte der Staatsanwalt eine 17-jährige Haftstrafe gefordert.

«Als er zustach, wollte er, dass sie stirbt»

Das Gericht geht nicht davon aus, dass Y. seiner Ex-Partnerin bewusst auflauerte und die Tat von langer Hand geplant hatte. Die beiden seien sich vor ihrem Haus begegnet, er sei ihr gefolgt.
Er habe sich verbal provoziert gefühlt, Angst bekommen und sein Messer gezogen. Sie habe gedroht, die Polizei zu verständigen. «Durch diese erneute Rückweisung – vermutlich wurde er böse und etwas in ihm ausgelöst – stach er zu», so die Gerichtspräsidentin.

Für das Fünfergremium war klar, dass Y. mit direktem Vorsatz handelte: «Im Moment, als er zustach, wollte er, dass sie stirbt», sagte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsverkündung. Allerdings seien nicht Rache, Eifersucht oder extremer Egoismus der Antrieb gewesen. «Wir sind entsprechend nicht der Auffassung, dass ein versuchter Mord vorliegt.»

«In dubio pro reo»

Neben dem Anklagepunkt des versuchten Mordes sprachen die Richterinnen und Richter den Beschuldigten auch von jenem der mehrfachen Vergewaltigung frei. Dies nach dem Grundsatz «in dubio pro reo»: Zwar schliesse man nicht aus, dass es zu sexuellen Handlungen gegen den Willen des Opfers gekommen sei, die Vorwürfe seien aber nicht erwiesen.

Nach der Urteilsverkündung musste Y. wieder in den vorzeitigen Strafvollzug zurückkehren. Nach Absitzen der Strafe droht ihm die Ausschaffung. Ob das Urteil ans Obergericht weitergezogen wird, ist noch offen.


(sul)