Gegen Homophobie

16. Dezember 2014 12:39; Akt: 16.12.2014 15:12 Print

Aktivisten knutschen im Berner ICF-Gottesdienst

von Mira Weingartner - Die «Celebration» der Berner Freikirche ICF wurde am vergangenen Wochenende gestürmt. Wild knutschend demonstrierte eine Aktivistengruppe gegen Homophobie.

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Die Aktion sollte die ICF-Mitglieder aufrütteln.

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«Gottes Traum ist die heterosexuelle Ehe», heisst es etwa in einer Predigt der Freikirche ICF. Hinter der modernen Fassade der «International Christian Fellowship» stecke laut Sektenexperte Hugo Stamm ein klares Weltbild: «Homosexualität wird als unnatürlich betrachtet, teilweise gar als Verirrung oder Strafe Gottes.» Diese Einstellung stiess jungen Bernern auf und so stürmte die Aktivistengruppe «Lieber Glitzer» am Sonntag den «poppigen» Gottesdienst auf dem Berner Von-Roll-Areal.

Flashmob gegen Homophobie

Ein Dutzend junge Leute rannte auf die Bühne und knutschte vor den perplexen Kirchengängern mit Gleichgeschlechtlichen herum. «Wir wollten die jungen Gläubigen aufrütteln», sagt eine 22-jährige Schreinerin, die am Flashmob teilgenommen hat. So hätten sie zudem auch kurz ihre Statements zur Haltung des ICF gegenüber Homosexualität abgegeben, Kondome und Konfetti ins Publikum geschossen. Transparente mit dem biblischen Spruch «Liebe deine Nächsten» hätten die Gläubigen zudem zum Nachdenken anregen sollen.

Die junge Aktivistin, die sich selbst als «flashsexuell» bezeichnet und somit offen für alles ist, kann nicht verstehen, wie Homophobie in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch greifen kann. «Die ICF-Gänger leben in der modernen Welt und halten trotzdem an einem solch konservativen Gedankengut fest», ärgert sich die 22-Jährige.

«Jeder hat Baustellen in Leben»

So schnell die Gruppe die Bühne betreten hatte, verliess sie sie auch wieder. «Niemand im Saal wusste genau, was wir nun damit anfangen sollten», sagt Niklaus Burkhalter, Pastor vom ICF-Bern. Er bezeichnet die Aktion als Teenager-Streich und witzige Guerilla-Aktion. Er wäre aber lieber direkt konfrontiert worden, um bei einer richtigen Diskussion seine Meinung kundzutun. Beim ICF habe man für alle ein offenes Ohr, «denn jeder hat eine Baustelle in seinem Leben, ob diese nun eine Scheidung, Mobbing oder die Homosexualität sei».


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robin Meier am 16.12.2014 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Coole Idee

    Super Idee! Habe eigentlich nichts gegen religöse Menschen und Freikirchen aber diese Homophoben Haltungen kann ich echt nicht verstehen. Ich kenne selber einen Schwulen der ICF-Mitglied ist und deshalb echt Depressionen, Schuldgefühle ect. hat. Leute, jedem das seine.. Aber wenn es einen Gott gibt dann hat er auch die Schwulen gemacht und liebt sie genau so wie alle Anderen. Also ihr Gläubigen, steckt eure Energie lieber in etwas Positives statt dauernd über Mitmenschen zu Urteilen!!

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  • Stephan Meier am 16.12.2014 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit

    Naja, Meinungsfreiheit ist ein zweischneidiges Schwert. Aus Sicht der Homosexuellen will man einerseits selbst nicht unterdrückt werden, andererseits lässt man keine andere Meinung zu. Es wird immer Toleranz gefordert, aber wo bleibt die Toleranz gegenüber anders denkende?

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  • ttog am 16.12.2014 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen???

    ob Sekten, Freikirchen, Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus oder Buddhisten, schafft endlich alle diese abergläubischen Gesellschaften ab und 95 % aller Kriege sind nicht mehr existent. Lasst Homosexuelle sein wie sie sind und die Homosexuellen sollen sich nicht als so wichtig und provokant darstellen. Es wäre so einfach, doch die Menschen wollen ja den ganzen Stress, den Krieg und suchen die Diskriminierung, wohl deswegen wird sich nichts ändern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.Vernier am 17.12.2014 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gottes Meinung zählt!

    Römer 1.18-32 im neuen Testament, sagt was Gott dazu zu sagen hat! Es sind nicht die Freikirchler- es ist Gott persönlich der das sagt! Denk mal darüber nach!

  • Katrin am 17.12.2014 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt für Menschen, nicht die Sache

    Ich verstehe viele der gereizten Kommentare nicht. Homosexualität bedeutet nicht, dass ein Mensch deshalb besser oder schlechter ist als andere. Vielleicht handelt er/sie sogar viel liebevoller als Fromme. Deshalb habe ich als Mensch grundsätzlich mal viel Respekt für alle Menschen. Homosexualität als Sache hingegen kann ich nicht mit gutem Gewissen gut finden, da dies für die Betroffenen wie auch ihre Familien immer eine grosse Last und Trauer bedeutet auch wenn man heute so tut als wäre es normal. Dies wird es aber nie sein.

  • Mike S. am 17.12.2014 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja jetzt hat es auch den ICF erwischt

    Tja jetzt hat es auch den ICF erwischt und zur Abwechslung mal nicht die katholische Kirche, was ganz erfrischend ist. Diesen Aktivisten für die Rechte Homosexueller fehlt es leider oft an Bildung in Sachen Religion, Glaube und Toleranz gegenüber anders Denkenden. Mit dem Unwort Homophobie werden alle pauschal verurteilt die nicht für die "Homoehe" sind. Liebe Deinen Nächsten ist ein gutes Motto. Seinen Nächsten aber nicht die Wahrheit zu sagen und einfach zu allem ja zu sagen, was dieser will egal ob gut oder schlecht hat nichts mit Liebe zu tun.

  • Pietr Lette am 17.12.2014 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    An die Kirchen

    Ich finde ganz generell, dass Glaubensgemeinschaften unnötig und überhohlt sind. Vielmehr schätzenswert finde ich den Glauben, der unabhängig von einer Rotte stattfindet, denn religiöse Gemeinschaften binden die Leute nie zusammen, sie treiben sie nur auseinander und entfalten Zwist und Streit.

  • Berner Knutscher am 17.12.2014 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Privat oder öffentlich, entscheidet Euch

    Die ICF muss sich halt entscheiden: Private Veranstaltung oder öffentliche Meinungskundgabe. Wenn es öffentlich gemacht wird, darf auch dagegengehalten werden. Sich dann hinter dem Argument "Privatanlass" zu verstecken stinkt gehörig. Also keine öffentlichen Äusserungen mehr zum Thema, keine Pressetexte, etc. Dann kann man das Privat-Argument gelten lassen. Sonst wird weiter geknutscht ;)