Heftige Demo jährt sich

23. Oktober 2019 18:00; Akt: 23.10.2019 18:00 Print

Als Bauern Polizisten mit Kuhhörnern angriffen

Schweizer Bauern demonstrierten am 23. Oktober 1996 gegen «unfaire Preise» vor dem Bundeshaus. Die Proteste eskalierten und die Polizei musste massiv eingreifen.

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Über 15'000 Bauern versammelten sich am Mittwoch dem 23. Oktober 1996 in Bern für eine der grössten Bauern-Demonstrationen der Schweiz. Sie wollten damit gegen die unfairen Preise protestieren und auf ihre «miserable Lage» aufmerksam machen. Sie verlangten zudem, bei der vom Bundesrat vorgeschlagenen Sanierung des Fleischmarkts nicht zur Finanzierung beigezogen zu werden. Der Umzug mit den Transparenten, Traktoren, Kuhglocken und in Trachten gekleidet begann am Berner Guisanplatz und endete vor dem Bundeshaus, wo sich die Situation zwischen der Polizei und den Tausenden Demonstranten zuspitzte und schlussendlich eskalierte. Aufgebrachte Bauern rüttelten an den Barrikaden vor dem Bundeshaus und warfen Äpfel, Flaschen, Steine, Mehlsäcke und sogar Kuhhörner gegen die Polizisten und die Absperrung. Es wurden auch brennende Gegenstände gegen die Fassade des Bundeshauses geworfen. Für den Schweizer Bauernverband ging es bei der Kundgebung um «Leben oder Tod». Vertreter des Bauernverbandes brachen die Demo, die gemäss ihrem Aufruf «in einem würdigen Rahmen» hätte verlaufen sollen, gegen 13.00 Uhr endgültig ab. Die Auseinandersetzungen mit der Polizei dauerten jedoch über zwei Stunden an. Die Polizei setzte zunächst vereinzelt Wasserwerfer, Gummischrot und Tränengas gegen die Demonstranten der vordersten Reihe ein. Als sich die Situation immer wie mehr zuspitzte, und die Demonstranten versuchten, mit einem Traktoranhänger die Barrikaden zu durchbrechen, griff die Polizei endgültig ein. So wurde dieser Demonstrant mit Wasserwerfern zu Boden geschossen, nachdem er versucht hatte, über die Barrikaden zu klettern. Mit Wasser und Tränengas-Petarden griffen die Polizisten durch und vertrieben die Demonstranten. Ein Grossteil flüchtete in die Altstadt. Das Tränengas vernebelte den Bundesplatz und in Bern herrschte danach völliger Ausnahmezustand. Bei den Ausschreitungen gab es zahlreiche Sachbeschädigungen, vor allem Restauranttische und Privatautos wurden in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Demonstranten und sechs Polizisten verletzt. Der damalige stadtbernische Polizeidirektor Kurt Wasserfallen reagierte damals mit grossem Unverständnis auf die Bauerndemonstration. «Die Stadt Bern muss nicht immer der Prügelknabe aller Emotionen in diesem Lande sein», sagte Wasserfallen in einem Interview von Radio SRF. Er weise auch die Vorwürfe der Bauern zurück, dass der Polizeieinsatz unverhältnismässig gewesen sein soll. Wenn die Bauern das Bundeshaus «kriegsähnlich» stürmen wollten, habe die Polizei die Pflicht, einzuschreiten. Auch die Schweizerische Vereinigung zum Schutz der kleineren und mittleren Bauern (VKMB) kritisierte damals die Demonstranten, die «mit primitiver Hetze die Stimmung so aufgeheizt hat, dass es zu Ausschreitungen habe kommen müssen.» Der Schaden am Image der Bauern sei immens. Der Schweizer Bauernverband konterte damals. Über 150 junger Landwirte hätten sich in Präsenz der Polizeigrenadiere herausgefordert gefühlt. Sie forderten den Rücktritt des damaligen Polizeidirektors und zahlreiche Demonstranten hatten persönlich Strafanzeigen gegen das Vorgehen der Polizei eingereicht. Das Wasser-Reizgasgemisch habe bei mehreren Demonstranten Verbrennungn verursacht. Ein Jahr nach der grossen Strassenschlacht wertete die Berner Stadtregierung den Polizeieinsatz als verhältnismässig ein. Alle angeklagten Bauern wurden freigesporchen und vier davon erhielten zudem noch Schadenersatz. Mit diesem Entscheid wurde die Akte über die grosse Bauerndemonstration vom 23. Oktober 1996 geschlossen.

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Über 15'000 Bauern demonstrierten am 23. Oktober vor genau 23 Jahren gegen die «unfairen Preise» und ihr immer geringer werdendes Einkommen. Sie wollten damit auf ihre «miserable Lage und die schlechte wirtschaftliche Situation» aufmerksam machen. Die Demonstration eskalierte jedoch zwischen den Bauern und der Polizei und ihre Anliegen gingen in Tränengas, Gummischrot und Wasserwerfern unter. In der Bildstrecke oben die gesamte Geschichte mit einigen eindrücklichen Fotos.

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Pöstler am 23.10.2019 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Jeden Monat

    Und jeden Monat gibt es Ausschreitungen von Linksextremen was aber die Politik und Medien nicht interessiert.

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  • LeJoker am 23.10.2019 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Es leben die Bauern!

    Die Bauern sind die wichtigste Säule einer jeden Gesellschaft und verdienen höchste Anerkennung und Respekt!

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  • Granny Smith am 23.10.2019 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    1996 also vor 23Jahren

    Da war so mancher Weltveränderer, der jetzt behauptet die Älteren hätten noch nie was für die Schweiz, die Umwelt usw. usf. getan noch nicht mal in Planung (o; und andere haben geschickt verdrängt das, auch schon Generationen vor ihnen erst den heutigen Wohlstand ermöglicht haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Donel am 24.10.2019 23:20 Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Bill am 24.10.2019 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Melker

    Die Bauern melken nicht nur ihre Kühe sondern hauptsächlich das arbeitende Volk! Ihre Hâuser gross wie Paläste, Autos vom Feinsten und alles auf Kosten der Verkäuferin in der Studiowohnung.

    • Jhm am 24.10.2019 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      Nein

      Genau weils den Bauern so super geht hören jährich hunderte auf geben ihren Betrieb auf und Arbeiten in anderen berufen weil sie weniger verdienen so! Haha null Ahnung wie es in der Landwirtschaft aussieht! Es gibt ganz wenige die reich sind aber nicht von der Landwirtschaft sondern Verkauf von Bauland oder Kiesgrube und so!

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  • @Tommy am 24.10.2019 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    ihre verschiedenen Re- Postings

    in 23.10/19:10 und 19:39, 2410/08:00 strotzen nur so von Ignoranz, Respektlosigkeit und Arroganz 1.kann man Billiglohnland Wirtschaftsstrukturen und deren Niedrigproduktinskosten nicht mit unserem (Sozail)System vergleichen oder sind SIE bereit auf ihren Lohn zu verzichten und nur max. 200chf/Monat zu verdienen??? 2) Bauern benötigt es sehr wohl - Worstcase - niemand beliefert per sofort mehr die Schweiz! Ihre ImportBilligLebensmittel produziert unter viel niedirgeren Giftstoff-Grenzwerten gibt es dann auch nicht mehr... Was essen SIE dann? Ihre Denkresistenz ist einfach zum erbrechen

    • Bill am 24.10.2019 11:17 Report Diesen Beitrag melden

      Unternehmer!

      Bauern sind Jammeri. Sie sind auch Unternehmer und kein Unternehmer kann vom Staat einen Mindestlohn fordern. Bauern sind extrem arrogant!

    • Tommy am 24.10.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      Meine Antwort

      Ich sehe ein, dass man Bauern als Krisenvorsorge brauchen kann. Wie die Armee, für deren Existenz und Finanzierung ich auch bin. Aber wenn der Hauptzweck Krisenvorsorge ist, dann soll man das als Planwirtschaft führen die effizient ist (für diesen spezifischen Zweck, nicht im wirtschaftlichen Sinne. Bin kein Kommunist). Alle Bauern sind dann Staatsangestellte, fahren den gleichen Traktor (sucht sich ja auch nicht jeder Soldat das Gewehr aus das ihm am besten gefällt). Es gibt Reglemente für alles und man produziert Grundnahrungsmittel die nicht wirtschaftlich sein müssen. Damit könnt ich leben

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  • Wolfgang Wohlfahrt am 24.10.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    ?!?!

    Was hatte es gebracht? Gerade nichts!

  • Rosacaliis am 24.10.2019 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augen auf!!

    Niemand soll es je vergessen, Bauern sorgen für das Essen! Erst wenn der letzte Landwirt, Handwerker und Arbeiter zu Grunde reguliert wurde, wierd man feststellen, dass Freitagsschwänzer, Klimaaktivisten, Influencer, Youtuber und Politiker nichts lebensnotwendiges herstellen!!

    • Tommy am 24.10.2019 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur die Extreme anschauen

      Na das aufgezählte ist einfach das andere Extrem. Aber sonst gibt es zwei Kategorien an Arbeitnehmern: solche die auf dem freien Markt arbeiten und nach dem Wert ihrer Arbeit bezahlt werden: alles von Maurern über Grafikdesigner bis CEOs. Und solche die einen notwendigen Job machen, der aber nicht wirtschaftlich ist und die darum vom Staat bezahlt werden und sich an viele staatl. Vorschriften halten müssen: Pfleger, Polizisten, Lehrer etc. Nur die Bauern hätten gern die unternehmerische Freiheit der ersten und Jobsicherheit ohne wirtschaftlich sein zu müssen der zweiten Gruppe.

    • Jh am 24.10.2019 12:42 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo

      Sie essen zum Glück keine Lebensmittel! Haben keine Ahnung was Landwirtschaft ist! Und für was ist die Schweiz weltweit bekannt unsere Landschaft im Tourismus den Käse der milchschokolade usw alles Dank der Landwirtschaft

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