Bösingen FR

27. April 2016 05:46; Akt: 27.04.2016 05:46 Print

Asylbewerber lotsen Kinder in die Schule

von Mira Weingartner - Flüchtlinge sorgen in der Freiburger Gemeinde Bösingen dafür, dass Kinder sicher über die Strasse kommen. Sie wurden von der Polizei zu Lotsen ausgebildet.

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In Bösingen verbinden Fussgängerstreifen nicht nur Strassenseiten – neuerdings ermöglichen sie auch einen Austausch zwischen den Kulturen. Gemeinsam mit einheimischen Eltern lotsen dort Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak und Sri Lanka die Dorfkinder sicher zur Schule. Mit Leuchtwesten und Stoppschildern ausgerüstet sorgen sie zweimal täglich für die Verkehrssicherheit.

«Das Pilotprojekt ist aus einer Notlage entstanden», sagt Louis Casali, Ammann der Gemeinde Bösingen. Bis anhin mangelte es im Dorf an freiwilligen Patrouilleuren – «so haben wir uns an die Asylsuchenden des hiesigen Zentrums gewandt». Das Projekt wurde vorgängig durch die Kantonspolizei geprüft und gutgeheissen.

Von der Luftwaffe zum Schulweg-Lotsen

Neun der 49 Bewohner haben mittlerweile die obligatorische Theorie- und Praxisausbildung für Patrouilleuren der Polizei absolviert. Zu ihnen gehört auch Yohannes Tekeste, Asylbewerber aus Eritrea. «Ich bin froh, dass ich hier im Dorf etwas helfen kann», sagt der 29-Jährige, der in seiner Heimat bei der Eritrean Air Force arbeite. Sein Ämtli führt er sehr gewissenhaft aus – «die Arbeit für die Kinder macht mir Spass».

Dieses Engagement schätzt Jolanda Nägelin vom lokalen Schulpatrouilleurendienst. «Auch aus dem Dorf habe ich bisher nur positive Rückmeldungen erhalten», sagt Nägelin. So sagt etwa eine Grossmutter, die ihre Enkelkinder vor dem überwachten Fussgängerstreifen ablieferte: «Das ist wirklich eine sinnvolle Beschäftigung für die jungen Männer.»

Andere Gemeinden sollen Projekt übernehmen

Gemeindeammann Casali spricht von einer «Win-win-Situation». Ein personeller Unterbestand werde gedeckt, für die Asylsuchenden entstehe gleichzeitg keine Leere und sie kämen so auch nicht auf dumme Gedanken. Einziger Nachteil des Projektes sei aber, dass man nie genau wisse, wann ein ausgebildeterer Asylsuchender wieder umplatziert werde. Nach Ende des Schuljahres wird das Projekt ausgewertet – «wir hoffen, dass dann andere Gemeinden dem Vorbild folgen», sagt Gallus Risse, Oberleutnant der Kantonspolizei Freiburg.