Open Air Frauenfeld

05. Juli 2017 05:48; Akt: 05.07.2017 05:55 Print

Aus kaputten Zelten entstehen gäbige Taschen

von Mira Weingartner - Anstatt verwaiste Zelte ihrem Schicksal zu überlassen, sammeln zwei Bernerinnen am Open Air Frauenfeld diese ein. Daraus wollen sie qualitativ hochstehende Taschen nähen.

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Während Besucher nach Ende eines Festivals müde das Gelände verlassen, geht für andere die Hauptarbeit erst los: In den Unmengen von hinterlassenem Abfall suchen Recycler nach wertvollem Zurückgelassenem.

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Lehrerin Chiara (42) und Textildesignerin Liliana (43) Cosi aus dem bernischen Zimmerwald interessieren sich für defekte Zelte. Aus deren Stoff wollen die beiden Schwestern Taschen produzieren. «Wir wollen aus Abfall nützliche Alltagsgegenstände herstellen und diese vertreiben», sagt Chiara Cosi vom jungen Unternehmen Cosi Creation.

Für ihre Geschäftsidee suchen sie nun am kommenden Wochenende am Open Air Frauenfeld nach dem Rohmaterial. Sie haben sich das ambitionierte Ziel gesteckt, deren 1000 einzusammeln. So stellen die beiden Schwester am Ausgang einen Container auf, in dem die Festivalgänger ihre Behausungen entsorgen können. Auch planen sie am Abend noch Streifzüge über die verlassene Sleeping-Zone.

Swissmade in Lysser Manufaktur

Am Tag darauf werden die dreckigen und je nach Wetter schlammigen Plachen der «Fondation gad Stiftung» in Lyss zum Waschen gebracht. «In der hauseigenen Manufaktur werden auch die Säcke hergestellt», sagt die Geschäftsführerin. Bei den recycelten Taschen handle es sich um praktische Aufbewahrungssäcke, «in denen man, ohne alles auszuschütten, auch das kleinste Legoteil wiederfindet». Auch sollen sich die Säcke super zum Reisen oder für Outdoor-Abenteuer eignen. Der Prototyp für die Aufbewahrungstasche entstand, weil Chiara Cosi selber eine Tasche benötigte, die es so auf dem Markt nirgends gegeben habe. Schwester Liliana hat ihr deshalb gleich einen Prototypen erstellt.

Ein Schnittmuster davon dient nun auch als Vorlage in der Stiftungs-Werkstatt. Der Zeltstoff wird dort verarbeitet – Upcycling, nennt sich das. Denn sämtliches Material ist recyclet und die Tasche 100 prozentig swissmade, betont Chiara Cosi. Den ab 14 Franken erhältlichen Sack könne man sich deshalb mit gutem Gewissen leisten.

Weitere Produkte in Planung

Damit alles Material der Zelte verarbeitet werden kann, planen die Frauen von Cosi Creation bereits weitere Produkte: Aus Zeltstangen und dem wasserdichten Zeltboden wollen sie Recycling-Stationen für den Privathaushalt herstellen, aus den restlichen Stoffen sollen etwa Wäschesäcke entstehen. Chiara Cosi: «Dank solcher Ideen kann man dem Abfall etwas Positives abgewinnen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spaniel am 05.07.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee !

    Finde ich eine gute Idee. Sinnvolle Wiederverwertung statt kehrichtverbrennung.

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  • Peter Moser am 05.07.2017 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    Die Idee super, aber

    Eigentlich sollte man endlich durchgreifen, dass solche Zeltgeisterstädte gar nicht mehr entstehen. Bei jedem Open-Air das gleiche. Und es wird dafür dann aber das ganze Jahr wieder ennet der Grenze eingekauft, muss man ja, sonst hat man kein Geld mehr übrig um Zelte einfach liegen zu lassen.

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  • Malu14 am 05.07.2017 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sehr schön

    Die Idee ist absolut genial. Wider Verwerten, das ist toll. Trotzdem müsste das nicht sein, das immer so viel Müll liegen bleibt. Es gibt ja sogar Mülltonnen und die werden regelmässig gelehrt. Auch wer zu zugedröhnt ist kommt mal wider runter, das ist eine doofe ausrede

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 1Benno am 06.07.2017 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee aber CH Problem

    Ich finde das mit dem Müll ist ein CH Problem. Auf keine Festival darf man mit dem Auto auf den Platz fahren und neben dem Auto Campen. Auf den 7 Festivals in DE wo ich war, wurde sehr sehr vieles mitgenommen, da man es nicht wieder 1 bis 2 KM zum Auto schleppen muss. Auserdm wurde am Letzten Tag überall Müllcontainer aufgestell. Man hat auch an jeden WCs Müllsäcke bekommen, und wenn man ihn voll zurück gebracht hat gabs einen Getränkegutschein. 20 KG war 1 Euro. Schweiz ist was das angeht ein XXL Entwicklungsland

  • Heiko am 06.07.2017 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Donnerstag

    Die "Idee" kommt mir sehr bekannt vor. Heissen die dann Donnerstag?

  • Leonardo am 06.07.2017 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Gesellschaft

    Was für Leute sind das nur die alles liegenlassen. geht allen zu gut. Solche Konzerte sollte 2x soviel kosten für die Entrümpelung.

  • Fraz am 06.07.2017 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfui!

    Finde ich eine gute Idee. Aber, grundsätzlich gesehen, ist es schon eine Ungeheuerlichkeit welche Sauerei das junge Volk anrichtet und hinterlässt. Meiner Meinung nach ist dieses Verhalten nicht "nur" mit der Wegwerfmentalität zu erklären, es ist auch eine Frage des Anstands. So etwas tut man einfach nicht! Ein grosses Pfui an jeden der seinen Plunder einfach liegen lässt. Schämt euch!

  • Paule am 05.07.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja..

    Nette Idee. Aber ganz ehrlich, dieses Theater wegen solchen Kleinigkeiten ist unverständlich. Die Kosten für die Reinigung bzw. Entsorgung sind jedem Veranstalter vorab bewusst und im Ticketpreis inbegriffen. Wieso kostet wohl sonst ein Ticket 200-300.-? Ich bin ebenfalls dafür das die Gäste besser ihren Müll oder ihre Ausrüstung entsorgen, jedoch könnte der Veranstalter dann provisorische Mülldeponien am Abreisetag errichten, damit man bei schlechten Wetter als Beispiel nicht alles durch die Pampe zerren muss. Ist wohl zu teuer, aber alle jammerm sie rum. Geprägt durch Medien und den Blick stehts nach vorne und nicht Mal nach links jnd rechts. Traurig.