Steueramt trickst

01. April 2019 10:01; Akt: 01.04.2019 10:59 Print

So wenig Steuern zahlen ausländische Milliardäre

Extrem reich, aber kaum Steuern zahlen: Das gilt für ausländische Milliardäre in Gstaad. Der Kanton Bern drückte bei der Besteuerung ein Auge zu.

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Im noblen Dorf Gstaad im Berner Oberland haben so einige ausländische Multimilliardäre ihren Wohnsitz. Darunter etwa der französische Zuckerhändler Jean-Claude Mimran, das griechische Jetset-Paar Theodoros und Gianna Angelopoulos-Daskalaki und Bernie Ecclestone, Ex-Chef der Formel 1. Wie Recherchen des «Tages-Anzeigers» nun zeigen, haben die Wahlschweizer über viele Jahre zu wenig Steuern bezahlt.

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Konkret: In den Jahren 2008 bis 2011 zahlten die Milliardäre jeweils rund 400'000 bis 500'000 Franken Kantons-, Bundes- und Gemeindesteuern. Für einen zweifachen Milliardär ist eine halbe Millionen Franken Steuern 0,025 Prozent seines Vermögens. Das Vermögen von Bernie Ecclestone schätzt die «Bilanz» auf 2,5 bis 3 Milliarden Franken. Laut den Steuerdaten und anderen Dokumenten, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen, sind die Milliardäre offenbar in den Genuss einer Pauschalsteuer gekommen.

Zu tiefe Kosten für den Lebensaufwand

Wer pauschal besteuert wird, wird nicht nach seinem Einkommen und Gesamtvermögen besteuert. Stattdessen werden nur die Kosten berücksichtigt, die man zum Leben braucht. Laut Richtlinien der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) muss man die Lebenshaltungskosten versteuern, die sowohl im In- als auch im Ausland anfallen. Dazu gehören beispielsweise auch die Kosten für Reitpferde, Reisen, Privatjets und Jachten. Diese Regeln scheinen aber für die ausländischen Milliardäre nicht gegolten zu haben.

So legte der Kanton Bern die Lebenshaltungskosten des Briten Ecclestone in den Jahren 2008 bis 2011 auf 981'500 Franken fest. Beim Ehepaar Angelopoulos wurden die Kosten in den gleichen Jahren bei 1'278'600 Franken und bei Mimran für die Jahre 2010 und 2011 bei 1'060'000 Franken festgesetzt. Die Steuern, die die Milliardäre zahlen mussten, waren in diesem Aufwand bereits miteinberechnet. So lagen die tatsächlichen Kosten für den Lebensaufwand noch mehr als ein Drittel tiefer.

Steuerverwaltung: «Keine Steuergeschenke»

Angesichts des Lebenstils der Milliardäre kann der vom Kanton Bern festgesetzte Aufwand aber kaum stimmen. Schon nur der Posten «Jachten» würde die Kosten für den Lebensaufwand um ein Vielfaches übertreffen. Laut Jacht-Kennern kostet der Unterhalt für ein Luxus-Schiff jährlich rund 10 Prozent des Neupreises. Ecclestone besass damals eine 40-Millionen-Jacht, Angelopoulos ein Luxus-Schiff für 150 Millionen Franken.

Laut Experten, die mit der Steuer-Praxis des Kantons Bern vertraut waren, berücksichtigte die Steuerverwaltung lediglich die Ausgaben im Inland, nicht aber jene im Ausland. Die Kosten für die Jachten oder auch andere Villen fallen daher schon einmal weg. Möglich ist dennoch, dass die Milliardäre auch irgendwo sonst noch Steuern bezahlt haben, betont der «Tages-Anzeiger».

Ecclestone: Zahle «viel Steuern»

Zu den einzelnen Fällen äussert sich die bernische Steuerverwaltung nicht. 2012 sagte der damalige kantonale Steuerverwalter Bruno Knüsel: «Auf jeden Fall garantiere ich, dass wir keine billigen Deals aushandeln und auch keine ‹Steuergeschenke› verteilen.» Und auch Ecclestone betonte 2014, er bezahle «viel Steuern».

(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pesche Klett am 01.04.2019 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sache ist halt effektiv so

    Dass der Staat lieber 500k nimmt als dass die Milliardäre abhauen und somit gar nichts mehr reinkommt. Aber generell ist es halt dem kleinen gegenüber, welcher im Grossen und Ganzen 1.5 Monatslöhne abdrückt, nicht fair.

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  • Johny Cash am 01.04.2019 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cash rules

    Der schweizer Staat war schon immer eine unterwürfige Kanaille wenn es um Geld geht...Nur bei uns Noramlbürgern kennt man keine Entschuldigung!

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  • Guguseli am 01.04.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    So funktioniert der Staat

    Reiche werden geschont, das normale Volk jedoch abgezockt! Die reichen und Mächtigen haben sich noch nie gebissen und darum wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Querdenker am 02.04.2019 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    mal Nachdenken

    Ein Indianer ist am Fischen, kommt ein Weisser daher und sagt zum ihm. "Warum gehst du nicht arbeiten für Geld, dann kannst du dir das Essen kaufen und dann in deiner Freizeit Fischen!" Oder machen wir einen Deal, ich kaufe dir die Fische ab.. Darauf sagt der Indianer zu ihm: "Warum sollte ich arbeiten und dann nur in meiner Freizeit Fischen, wenn ich jetzt den ganzen Tag Freizeit habe und es fürs Leben reicht?"

  • F. Spring am 02.04.2019 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wird sich nie ändern

    Lohnbezüger gibt es viel mehr als Schwerreiche welche zudem sehr flexibel in der Wahl Ihres Wohnorts sein können. Logisch werden erstere per Gesetz belangt und Unternehmen und Schwerreiche eher geschont.

    • F. Spring am 02.04.2019 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      Alles Heuchlerei

      Nur das verzichten auf Geld könnte das wirklich ändern. Also wer verzichtet freiwillig darauf, zahlt keine Steuern, KK, Miete mehr und wird praktisch zum Selbstversorger!?? Niemand freiwillig, ausser die paar Aussteiger die ja als Verlierer verspottet und gemieden werden. Solange es Lohnbezüger, Steuerzahler und Konsumenten gibt, zieht Geld, Geld, existieren mächtige Reiche die geschont werden. Das System hält sich durch jeden einzelnen am Leben, die Reichen und Lobbysten sind nur deren Gewinner.

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  • Phil am 02.04.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Zur gleichen Zeit......

    Inflationiert die SNB innerhalb von 10 Jahren den Schweizer Franken mit Fremdwährungskäufen im Umfang von 750 Milliarden und dreht die Zinsschraube soweit in Richtung 0 oder in den Minusbereich dass unsere Finanzdienstleister demnächst vom Eingemachten leben müssen. In Zeiten der großen Raubzüge der Zentralbanken im Rahmen einer unsäglichen Politik echauffieren sich die Leute darüber dass diesbezüglich kleinen Fische wie Ecclestone mit seinen zwei Milliärdchen zwei-drei Millionen Steuern spart?

  • Guschti Krümelchen am 02.04.2019 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja...

    Die Reichen lässt man machen! - Weil ich vor vielen, vielen Jahren mal einen Verhacker auf der Erklärung machte, werde ich nun seitens der Steuerverwaltung gefeiert. - Wenn die so viel Zeit bei einem wirklich reichen Mitbürger aufwenden würden wie für mich, dann würde wahrscheinlich mehr herausschauen als die zweihundert Franken mehr, die aus mir herausgepresst werden. - Aber wer mag schon mit Herrn Anthamatten aus Bern liire :-)

  • Thomas Meier am 02.04.2019 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Systemwechsel

    Bei mir gehen 10% direkt vom Lohn weg als Sozialabgaben. Dann kommen 30% Steuern dazu. Zudem 500.- KK pro Monat. So fliessen 50% meines Lohnes in Sozialgelder. Diese Millionäre bezahlen 0.025%. Was für ein Witz. Dieses System hat keine Zukunft. Die Reichen (insbes. Banken) bereichern sich zu sehr. Zeit für ein Systemwechsel #Bitcoin