Berner Gerichtsfall

25. Februar 2019 17:30; Akt: 25.02.2019 18:50 Print

Sadomaso-Session oder sexueller Missbrauch?

S.* (53) und B.* (42) treffen sich zu sexuellen Fetischspielen. Dabei soll S. die Bernerin vergewaltigt haben. Nun standen die beiden vor Gericht.

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Vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland musste sich am Montag ein 53-jähriger Schweizer verantworten: Die Vorwürfe in der Anklageschrift gegen S. wiegen schwer: Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Schändung, einfache Körperverletzung und Tätlichkeit. B. besuchte S. in dessen Wohnung in Kehrsatz, man tauschte sich aus und trank ein Glas Wein. Geplant war ein BDSM-Abend (Bondage&Discipline, Dominance&Submission, Sadism&Masochism). Was danach passierte, darüber gehen die Meinungen der Beiden diametral auseinander. (Symbolbild) Laut B. habe S. ihr Gegenstände vaginal und rektal eingeführt, sie durch Waterboarding gequält, mit seinem Glied an ihren Intimbereich gerieben, sich mit seinem Po auf ihr Gesicht gesetzt und zuletzt soll er die Frau ohne Verhütungsmittel mehrere Minuten lang vergewaltigt haben. Bei den verschiedenen Handlungen soll S. mit grosser Brutalität vorgegangen sein: «Er hat mir die Gegenstände regelrecht hineingerammt», so B. An die wichtigste Regel beim BDSM habe sich S. überhaupt nicht gehalten. «Wenn jemand stopp sagt, dann sollte das Gegenüber aufhören.» Die Session war als Vergnügen gedacht, aber: «Für ihn war es vielleicht ein Spiel, für mich nicht.» (Symbolbild) S., der als Selbstständiger sein Geld verdient, spricht vor Gericht mit klarer Stimme. Obwohl er bei vielen Fragen auf seine bereits früher getätigten Aussagen verweist, wird sein Standpunkt deutlich: «Sie hätte ganz einfach Stopp sagen müssen, dann hätte ich sofort aufgehört.» Die Aussagen von B. kann er sich nicht erklären. Bei einem Punkt nimmt er doch etwas konkreter Stellung. Dem Vorwurf, er habe B. das Wasser in den Mund geleert, um ein Waterboarding zu simulieren, widerspricht er vehement: «Sie wollte was trinken, also habe ich ihr etwas gebracht.» B. soll das Thema Waterboarding selbst im Whatsapp-Gruppenchat erwähnt haben. Ausserdem habe B. nach der Tat im Chat geschrieben, dass ihr vieles am besagten Abend gefallen habe, mit Ausnahme des Geschlechtsverkehrs. Das Urteil wird am Mitwoch erwartet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Eigentlich schien alles angerichtet für jenen Abend des 11. Februar 2017. Via Whatsapp hatten sich S*. und B.* über ihre sexuellen Vorlieben ausgetauscht. Geplant war ein BDSM-Abend (Bondage&Discipline, Dominance&Submission, Sadism&Masochism). B. besuchte S. in dessen Wohnung in Kehrsatz, man tauschte sich aus und trank ein Glas Wein. Über das, was danach passierte, gehen die Meinungen der beiden diametral auseinander. Seit Montag muss sich nun das Regionalgericht Bern-Mittelland damit beschäftigen.

Die Vorwürfe in der Anklageschrift gegen S. wiegen schwer: Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Schändung, einfache Körperverletzung und Tätlichkeit. Vor dem Gericht in Dreierbesetzung unter Gerichtspräsident Müller schilderte zuerst B. ihre Sicht der Dinge. Die attraktive und chic gekleidete Frau wirkte gefasst, hatte zum Teil aber auch mit Tränen zu kämpfen.

«Wenn jemand Stopp sagt, dann sollte das Gegenüber aufhören»

Gemäss der Anklageschrift soll S. die Frau an einem Haken an der Wohnzimmerdecke aufgehängt haben. Bereits nach kurzer Zeit soll B., die seit Jahren unter Rückenschmerzen leidet, den Angeklagten gebeten haben, die Aktion abzubrechen. Nachdem sie eine Hand aus der Manschette befreien konnte, habe S. sie zur Bestrafung geschlagen und dabei auch ihren Intimbereich mit einer Peitsche malträtiert.

Ab diesem Zeitpunkt soll für die Frau das Martyrium begonnen haben: S. habe der Frau Gegenstände vaginal und rektal eingeführt, sie durch Waterboarding gequält, mit seinem Glied an ihren Intimbereich gerieben und sich mit seinem Po auf ihr Gesicht gesetzt. Zuletzt soll er die Frau ungeschützt mehrere Minuten lang vergewaltigt haben.

Bei den verschiedenen Handlungen soll S. mit grosser Brutalität vorgegangen sein: «Er hat mir die Gegenstände regelrecht hineingerammt», so B. An die wichtigste Regel beim BDSM habe sich S. überhaupt nicht gehalten. «Wenn jemand Stopp sagt, dann sollte das Gegenüber aufhören.» Die Session war als Vergnügen gedacht, aber: «Für ihn war es vielleicht ein Spiel, für mich nicht.»

Widersprüchliches Waterboarding

S., der als Selbstständiger sein Geld verdient, spricht vor Gericht mit klarer Stimme. Obwohl er bei vielen Fragen auf seine bereits früher getätigten Aussagen verweist, wird sein Standpunkt deutlich: «Sie hätte ganz einfach Stopp sagen müssen, dann hätte ich sofort aufgehört.» Die Aussagen von B. könne er sich nicht erklären.

Bei einem Punkt nimmt er doch etwas konkreter Stellung. Dem Vorwurf, er habe B. das Wasser in den Mund geleert, um ein Waterboarding zu simulieren, widerspricht er vehement: «Sie wollte etwas trinken, also habe ich ihr etwas gebracht.» B. soll das Thema Waterboarding selbst im Whatsapp-Gruppenchat erwähnt haben. «Der Boden im Zimmer besteht aus Holz, was bei dieser Menge Wasser sicher nicht ideal gewesen wäre.» Ausserdem habe B. nach der Tat im Chat geschrieben, dass ihr vieles am besagten Abend gefallen habe, mit Ausnahme des Geschlechtsverkehrs.

«Vertrauen in Mitmenschen verloren»

Gerichtspräsident Müller wollte von der Frau wissen, wie es ihr heute gehe. «Das erste Jahr nach der Tat war der pure Horror», gab sie zur Antwort. Mittlerweile gehe es ihr etwas besser, sie sei jedoch immer noch in psychologischer Behandlung, wie bereits vor der Tatnacht. Durch die Tat habe sie ihr Vertrauen in die Mitmenschen verloren, an Treffen mit Männern sei derzeit nicht zu denken.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Gefängnisstrafe von 20 Monaten und eine Busse, die Verteidigung von S. einen vollumfänglichen Freispruch.

Das Urteil wird am Mittwoch verkündet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

* Namen der Redaktion bekannt

(bho)