Veruntreuung

15. Juli 2019 13:53; Akt: 15.07.2019 13:53 Print

Berner Bankdirektor betrügt Kundin um 3 Mio

Ein Direktor der Migros-Bank in Bern hat eine Kundin um rund 3 Millionen Franken betrogen. Nun wurden seine Machenschaften publik.

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Teure Autos, Pensionkassengelder von über einer Million Franken und ein schönes Haus am Bielersee: So lebte der Direktor einer Migros-Bank-Filiale in Bern. Jetzt stellt sich heraus, wie sich der Banker diesen Lifestyle finanzierte. Etwa, indem er sich an einer Kundin bereicherte und ihr heimlich fast 3 Millionen Franken aus der Tasche zog.

Die Geschädigte war bei den Taten bereits über 80 Jahre alt und wohnte seit mehreren Jahrzehnten in Rom. Nachdem ihr Mann verstarb, wurde der ehemaligen Schauspielerin eine grosse Summe Geld auf ihr Konto bei der Migros-Bank überwiesen. Die Frau reiste regelmässig in die Schweiz, um ihr Geld zu investieren und vereinbarte hierfür jeweils einen Termin mit ihrem Kundenberater, dem Direktor der Migros-Bank.

Dieser konnte die Frau im Jahr 2013 davon überzeugen, ihr Geld nicht mehr wie gewohnt zu investieren, sondern wegen der tiefen Zinsen nach und nach in einen «besonderen Tresor» zu transferieren. Der Direktor brachte die Frau über Jahre dazu, immer wieder namhafte Beträge in diesen «Tresor» zu übertragen. Tatsächlich hatte der Direktor die Gelder, die die Frau in den Tresor legen wollte, als Barbezüge verbucht und in die eigene Tasche gesteckt.

Falsches Vertrauen

Es handelt sich hierbei um Summen von 900'000 Franken oder 792'000 Euro, die jeweils in bar vom Direktor heimlich abgehoben wurden. Bei der Bank schöpfte niemand Verdacht – dies, obwohl es ein sehr ungewöhliches Verhalten einer Kundin ist, derart hohe Beträge in bar abzuheben. Der Erste, der bemerkte, das da etwas nicht stimmt, war Antonello Moser Faraone. Der Notar war ein langjähriger Bekannter und Nachbar der mittlerweile verstorbenen Bankkundin und wurde 2016 von ihr adoptiert. Bereits im Jahr 2015 begleitete Faraone die Frau bei ihren Besuchen auf der Migros-Bank.

Als der Direktor bei diesem Besuch den «besonderen Tresor» erwähnte, schöpfte der Adoptivsohn Verdacht: «Ich verlangte eine Zusammenstellung, auf der alle Vermögenswerte bestätigt werden», sagt Moser Faraone gegenüber der «Berner Zeitung». Der Bankdirektor habe mehrfach bestätigt, dass die Gelder noch vorhanden seien. Diese Behauptungen waren jedoch falsch, wie sich später herausstellte. In der Tat hatte der Direktor das gesamte Geld bereits für private Zwecke ausgegeben.

Die Fassade bröckelt

Doch das gab der Banker nicht von Anfang zu: Der Direktor vertröstete Moser Faraone immer wieder mit ausgedachten Szenarien, die Zeit schinden sollten. So log der Bankdirektor beispielsweise, dass es Probleme mit dem Namen der Frau gegeben hätte und nun eine neue Bankverbindung eröffnet werden müsste. Bis die Unterlagen eintrafen, vergingen Wochen. Da der Direktor den Adoptivsohn der bestohlenen Frau immer wieder vertröstete, wandte sich dieser an dessen Vorgesetzten.

Nach einem Treffen mit dem Vorgesetzten wurde schnell klar, dass es nie einen Tresor gegeben hatte. Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagte man seitens der Migros Bank, dass man die Sache «ausserordentlich ernst» nehme und die Vorwürfe prüfen werde. Wie der Anklageschrift zu entnehmen ist, wurde dennoch der Betrug nicht aufgedeckt. Im Jahr 2017 meldet sich nämlich die Migros Bank mit einem Schreiben bei der bestohlenen Kundin. Die Bank schrieb, dass nach eingehender Prüfung des Sachverhalts «keine Unregelmässigkeiten» festgestellt werden konnten. Der Bankdirektor sollte jedoch frühpensioniert werden.

Das grosse Entsetzen

Daraufhin reichten die betrogene Frau und ihr Adoptivsohn umgehend Strafanzeige gegen den Direktor der Migors-Bank ein. Von der Staatsanwaltschaft wurde sogleich eine Strafverfahren wegen qualifizierter Veruntreuung eröffnet. Der Direktor legte in der Einvernahme ein umfassendes Geständnis ab und gab an, dass er die Gelder bereits aufgebraucht habe, wie die «Berner Zeitung» schreibt. Insgesamt wurden rund 3 Millionen Franken veruntreut. Der Adoptivsohn fordert nun eine Entschädigung von 985'000 Franken und 1,4 Millionen Euro zuzüglich Zinsen.

Am 20. August kommt es zum Prozess vor dem Handelsgericht. Die bestohlene Frau wird dies nicht mehr miterleben. Sie verstarb Anfang 2019.

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glücksbringer am 15.07.2019 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haftung der Bank

    Die Bank haftet für ihr Personal. Alles und auch die kleinsten Unkosten sowie Aufwände einfordern, die Banken selbst machen es auch. Wünsche Ihnen viel Glück und Erfolg sowie ein schönes und gesundes Leben.

  • Gert F. am 15.07.2019 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Vertrauenserweckend! Macht ja mal einer wieder seinen Berufskollegen alle Ehre...

  • Tonto am 15.07.2019 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Holy Schwiiz

    Das kann so nicht stimmen! Bankdirektoren sind alles Heilige! Muss wohl der arme atropf von Lehrling oder die Putzfrau gewesen sein....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachdenklicher am 15.07.2019 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum ein Tag ohne Betrugsfälle

    Als Kind glaubte ich noch an das Gute im Menschen und dass Gaunerei relativ selten vorkommt.

  • Martin Fürst am 15.07.2019 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Adoptiert?

    Der Notar wurde von der Alten Dame adoptiert? Die Geschichte ist ja voll krass. Bei Tresorinhalten (auch bei versicherten!) lässt sich gar nie beweisen, was am Schluss wirklich drin war und was beim letzten Besuch weggenommen wurde! Es gibt keine wirkliche Versicherung.

  • Claudia am 15.07.2019 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    schnösel

    was genau so komisch ist, dass sich der Schnösel adoptieren lässt. Wegen Geld. Migros ist halt im Bankensektor auch ein Anfänger. Migros und Post würde ich nie einen Rappen anvertrauen

  • We4ner Wenger am 15.07.2019 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertäuen ist gut, Kontrolle wichtig!

    Offensichtlich - laut Bericht - hat die Frau die Bezüge gegenüber der Bank visiert. Leider hat sie sich die Einzahlung auf das Tresorkonto nicht Zug um Zug betstätigen lassen. Der Bank da Vorhaltungen zu machen, ist kaum erfolgversprechend. Leider ist sie ihrem Bankberater auf den Leim gegangen und auch dafür ist die Bank kaum haftbar.

  • Leonaed am 15.07.2019 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin ausgestiegen.

    Hatte eine Hypothek Migrosbank. Wenn 5 Tage Verspätung der Bezahlung, bekommt man eine Virladung. Bin jetzt bei einer seriösen Bank. Einzig der Wechselkurs ist bei der M Bank ein weniger günstiger. Aber es hat nie Euros im Bankomat, immer leer, schon am Freitagabend.

    • Tommy H. am 16.07.2019 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leonaed

      Als meine Mutter starb war ihr Konto bei der Migros Bank blitzartig gesperrt. Zum Glück hatte sie bei der Kantonalbank noch ein Konto damit ich die Beerdigungskosten, und was sonst noch so anfällt, bezahlen konnte. Der Kundenbetreuer der KB meinte, solange alles im Rahmen bleibe, gibt's keine Probleme.

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