Auf «Love Scammer» hereingefallen

22. Januar 2020 13:49; Akt: 22.01.2020 14:02 Print

Bankmitarbeiterin schickt 106'000 Fr. nach Nigeria

Die stellvertretende Bankleiterin glaubte, im Internet die grosse Liebe gefunden zu haben und schickte über 100'000 Franken nach Nigeria. Es war nicht ihr Geld.

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Eine 56-jährige Frau fiel 2018 auf einen sogenannten Love Scammer herein. Der Mann aus Nigeria machte der Frau vor, die Liebe ihres Lebens zu sein. Das Geld gehörte jedoch nicht ihr, sondern soll ihrem Bekannten gehört haben. Am Mittwoch nun muss sich die Frau vor dem Berner Wirtschaftsgericht wegen des Vorwurfs der Veruntreuung und der Urkundenfälschung verantworten. Der Staatsanwalt wirft der Frau vor, 2018 rund 106'000 Franken nach Nigeria geschickt zu haben. Dieses Geld soll die Frau vom Konto eines guten Bekannten bezogen haben. Die Frau war damals stellvertretende Leiterin einer Bank im Berner Oberland und verfügte über eine Vollmacht für die Konten ihres Bekannten. Der Urkundenfälschung bezichtigt wird die Frau, weil sie laut Anklageschrift für die Überweisungen nach Nigeria einen Auftrag des Kontoinhabers – ihres Bekannten – fälschte. Der Vorgesetzte der Frau verlangte Auskunft zu den Überweisungen nach Nigeria. Die Berner Kantonspolizei hat in den vergangenen Jahren immer wieder vor «Love Scams» oder «Romance Scams» gewarnt, wie sie sie nennt. «Die Partnersuche übers Internet ist weit verbreitet», schreibt die Kantonspolizei Bern auf ihrer Internetseite, «der Traummann oder die Traumfrau nur ein Mausklick entfernt. Rasch kann aus dem anfänglichen ‹Chatten› eine Romanze werden.» «Aber Vorsicht», heisst es auf der Internetseite der Kantonspolizei weiter: «Hinter der vermeintlichen Liebe des Lebens können Betrüger stecken.» Am Mittwoch stehen die Parteivorträge auf dem Programm der Gerichtsverhandlung. Auch das Urteil will das Wirtschaftsstrafgericht noch am Mittwoch bekannt geben.

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Eine 56-Jährige Frau fiel 2018 auf einen sogenannten Love Scammer herein. Der Mann aus Nigeria machte der Frau vor, die Liebe ihres Lebens zu sein. Aus diesem Grund überwies sie ihm 106'000 Franken für ein angebliches Projekt. Das Geld gehörte jedoch nicht ihr, sondern einem Bekannten.

Am Mittwoch nun muss sich die Frau vor dem Berner Wirtschaftsgericht wegen des Vorwurfs der Veruntreuung und der Urkundenfälschung verantworten.

Geld von Bekanntem gestohlen

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, 2018 rund 106'000 Franken nach Nigeria geschickt zu haben. Dieses Geld soll die Frau vom Konto eines guten Bekannten bezogen haben.

Die Frau war damals stellvertretende Leiterin einer Bank im Berner Oberland und verfügte über eine Vollmacht für die Konten des Bekannten. In der Anklageschrift steht, die Frau habe das Geld abgezweigt, nachdem sie zuvor zugunsten der nigerianischen Internet-Bekanntschaft ihr eigenes Geld bereits aufgebraucht hatte.

Weinend um Vergebung gebeten

Der Urkundenfälschung bezichtigt wird die Frau, weil sie laut Anklageschrift für die Überweisungen nach Nigeria einen Auftrag des Kontoinhabers – ihres Bekannten – fälschte. Der Vorgesetzte der Frau verlangte Auskunft zu den Überweisungen nach Nigeria.

Schon zehn Jahre zuvor soll die Frau Geld ihres Bekannten unterschlagen haben, nachdem dieser ausgewandert war. Diese rund 125'000 Franken verwendete die Frau laut Anklageschrift für persönliche Bedürfnisse und für Aktienkäufe.

Bei ihrer Befragung vor dem kantonalen Wirtschaftsstrafgericht gab die Frau am Mittwoch die Vorwürfe zu. Sie sei 2018 nicht sich selbst gewesen, sagte sie weinend und bat um Vergebung.

Traumpartner im Netz

Die Berner Kantonspolizei hat in den vergangenen Jahren immer wieder vor Love Scams oder Romance Scams gewarnt, wie sie es nennt. «Die Partnersuche übers Internet ist weit verbreitet», schreibt die Kantonspolizei Bern auf ihrer Internetseite, «der Traummann oder die Traumfrau nur ein Mausklick entfernt. Rasch kann aus dem anfänglichen ‹Chatten› eine Romanze werden.»

«Aber Vorsicht», heisst es auf der Internetseite der Kantonspolizei weiter: «Hinter der vermeintlichen Liebe des Lebens können Betrüger stecken.» Am Mittwoch stehen die Parteivorträge auf dem Programm der Gerichtsverhandlung. Auch das Urteil will das Wirtschaftsstrafgericht noch am Mittwoch bekannt geben.

(km/sda)