Bundesamt für Bauten

17. Februar 2019 10:42; Akt: 17.02.2019 10:59 Print

Beamter belästigt Frau, ihr wird gekündigt

Ein Kadermann des Bundes machte gegenüber einer Reinigungschefin wiederholt anzügliche Bemerkungen. Als sie sich wehrte, wurde sie entlassen.

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«Hallo sexy Frau Violeta» – so und ähnlich begrüsste ein Kadermann des Bundes seine Mitarbeiterin. Er küsste die Reinigungschefin auf die Wange, nannte sie «Schätzeli» und forderte «etwas Süsses, das nichts kostet», wenn sie etwas von ihm brauchte, schreibt die «Schweiz am Wochenende».

Erst nach Monaten wehrte sich Violeta B. gegen ihren Chef beim Bundesamt für Bauten, was eine externe Untersuchung zur Folge hatte. Im Bericht dazu werden die Grenzüberschreitungen dokumentiert. Das Fazit der Untersuchung: Sexuelle Belästigung könne «nicht als erstellt betrachtet werden». Es werde bezweifelt, dass sich Violeta B. tatsächlich belästigt gefühlt habe.

Chef Ernst B. streitet in der Untersuchung die meisten Vorfälle nicht ab. Seine Rechtfertigung: Er habe es nicht so gemeint, es sei nur Spass gewesen und sie habe es doch auch lustig gefunden. Seine Vorgesetzten bezeichnen ihn als lockeren Typen. Auf seiner Stufe vertrage es diese Sprüche, heisst es in der Untersuchung.

Entschädigung für Violeta B.

Der Bericht hatte für Violeta B. Konsequenzen: Sie erhielt die Kündigung. Nach ihrer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht nimmt dieses in seinem Urteil ungewöhnlich deutlich Stellung zur sexuellen Belästigung. Die Richter äussern «Zweifel an der Objektivität des Untersuchungsberichts» – Ernst B. habe «klare anzügliche Äusserungen» gemacht. Das Gericht zeigt sich «erstaunt», dass die Untersuchung einen sexuellen Bezug verneine.

So kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, es liege kein «sachlich hinreichender Grund» für eine Entlassung vor. Violeta B. erhält deshalb eine Entschädigung von einem halben Jahreslohn.

Das Bundesamt für Bauten wollte zum Fall keine Stellung nehmen, da die Rekursfrist noch nicht abgelaufen sei. Das Urteil kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.

(scl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 17.02.2019 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ich als Mann muss schon sagen, dass es skandalös ist, wie solche Primitivlinge in höheren Positionen durchwegs geschützt werden!

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  • Gian K am 17.02.2019 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sogar bei sexueller Belästigung

    gibt es Klassenunterschiede? -Auf seiner Stufe vertrage es diese Sprüche, heisst es in der Untersuchung. - Aha, sehr spezielle Weltanschauung, bei gewissen Kadern..

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  • Mike am 17.02.2019 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Man(n) kann sich wohl alles erlauben, wenn man(n) beim Bund arbeitet. Tragisch.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Kling am 17.02.2019 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Belästigungsbeamte

    Das ist eine schlimme Situation für diese Putzfrau. Einfach ungerecht. Gut dass sie einen halben Jahrreslohn erhält. Keine Frage. Allerdings sollte der fehlbahre Belästigungsbeamte diese Abfindung bezahlen und nicht wir als Steuerzahler. Wir finanzieren sein Fehlverhalten mit. Ziemlich unnötig sowas.

  • Felix am 17.02.2019 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moralapostel

    Ich staune nur über all die Moralapostel und Rechtsgelehrten hier. Das heisst nicht dass ich so ein Verhalten stütze. Aber hie,r einfach mal ohne Kenntnis der Sache und weil das Thema so aktuell ist, so zu (ver) ureilen geht auch nicht. Dient der "Sache und Schutz der Frauen" herzlich wenig..!!!

  • Alex Vorburger am 17.02.2019 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Gerichte träumen...

    Versuchte in diesem Fall ein Gericht seinen Traum von (prä-)historischer Traditionvebrundenheit umzusetzen: Die Wiedereinführung des Faustrechts? Und vergass dabei dessen hässlichen Zwilling: die Selbstjustiz? Schon Helmut Schmidt meinte: ..Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden.. Offensichtlich gilt das auch für Gerichte.

  • Erdnaxela am 17.02.2019 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichstellung - Gleichbehandlung

    Schon krass, diese Vetterliwirtschaft! Mutig wäre gewesen, den Kadermann in die Wüste zu schicken. Aber nein man geht wie üblich auf die Schwächeren vor.

  • Sila am 17.02.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Das ist unterste Schublade, eine absolute Frechhheit und Verhöhnung des Opfers. Das Problem ist, dass genau solche Fälle machen, das sich Opfer nicht melden, weil sie durch eine Kündigung zum zweiten Mal zu einem Opfer werden. Und weil diese Personen sich deshalb verständlicherweise nicht melden, kann der A.... weitermachen. Wir zeigen immer auf andere Länder aber bei uns gibt es Korruption und Machtmissbrauch zu genüge.