Bevor die Flut kam

29. Juli 2018 16:05; Akt: 30.07.2018 09:28 Print

«Leute hatten 30 Minuten Zeit, um fertig zu essen»

von Benjamin Hostettler - An der Lenk BE spielten sich am Wochenende dramatische Szenen ab. Inzwischen hat sich die Situation im Dorf nach dem Hochwasser entspannt.

Hochwasseralarm im Berner Oberland. Video: SDA
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Am Freitag hatte sich der Gletschersee Faverges auf der Plaine Morte zu einem Teil entleert und in der Lenk Hochwasseralarm ausgelöst. Wie Gemeindepräsident René Müller gegenüber 20 Minuten erklärt, sei die Situation wieder normal. «Es kommt nach wie vor Wasser vom Gletschersee Faverges, jedoch in einer normalen Menge.» Gesperrt seien lediglich noch zwei Wanderwege. Auch mit einem erfrischenden Bad wird vor Ort nichts: Den Bewohnern wird geraten, Gewässer bis auf weiteres zu meiden.

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Restaurant evakuiert

Das Restaurant Simmenfälle liegt direkt bei den namensgebenden Wasserfällen und neben der Simme. Am Freitagabend mussten die Gäste des Gasthofs innert Kürze evakuiert werden. «Die anwesenden Gäste hatten 30 Minuten Zeit, um fertig zu essen, das Gebäude zu verlassen und sich im Dorf in Sicherheit zu bringen», erzählt die Wirtin des Gasthofes. Danach musste das Restaurant seine Türe schliessen: «Von 20 Uhr abends bis 8 Uhr morgens durften keine Gäste in unser Restaurant.»

Gäste vorzeitig abgereist

Auch auf dem örtlichen Campingplatz Hasenweide mussten Feriengäste am Freitagabend temporär das Feld räumen. Dies nahmen Camper zum Anlass, ihre Zelte vorzeitig gleich ganz abzubrechen: «Manche Gäste reisten bereits einen Tag früher ab», sagt der Gemeindepräsident. Für die Gäste habe jedoch nie eine akute Gefahr bestanden.

«Wir hatten jedoch Glück im Unglück», sagt die betroffene Restaurantbesitzerin – «dank der raschen Warnung der Behörden und den Vorsichtsmassnahmen konnte Schlimmeres verhindert werden».

Gletschersee auf 2700 Metern über Meer

Das Hochwasser der Simme war vorhersehbar: Schmelzwasser des Faverges-Gletschersees auf der Plaine Morte oberhalb der Lenk hatte am Freitag auszulaufen begonnen. Die Überwachungsanlagen lösten am Freitag gegen 13 Uhr Alarm aus. Die Simme und der Trübbach führten bereits am Nachmittag Hochwasser mit.

Die Gletscherseen auf der Plaine Morte im Grenzgebiet der Kantone Bern und Wallis werden seit mehreren Jahren mit Kameras und einer Pegelmessung überwacht. Die Seen füllen sich mit Schmelzwasser und laufen jeweils Anfang August aus. Dann entleert sich der Gletschersee Faverges und bringt so Wasser in den Trübbach und die Simme. Bricht das saubere Wasser aus dem Gletscher, reisst es den zunehmend abgeriebenen Felsengrund mit sich.

Heuer ist aber aussergewöhnlich viel Wasser – und dies innert Kürze – ins Tal heruntergeflossen. Ist die Wassermenge grösser als 20 Kubikmeter pro Sekunde, sind Brücken in Gefahr und die Wassermengen gehen weiter ins Tal hinunter Richtung der Lenk – am Wochenende wurden gar 50 Kubikmeter pro Sekunde gemessen.

Gletschersee Faverges in Lenk BE entleert sich. Video: Lesereporter


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SBi am 29.07.2018 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den Behörden auch mal ein Kompliment

    In der jetzigen Zeit wo jeder jeden und alles kritisiert und den anderen nicht einmal die Luft zum Atmen gönnt, verdienen die Behörden, Sicherheits- und Rettungskräfte aus der Lenk und Umgebung auch mal ein Lob! Gut gemacht, Bravo.

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  • Peter am 29.07.2018 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhiges Essen

    Hochwasseralarm und die Gäste essen noch in aller Ruhe fertig?

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  • Laura am 29.07.2018 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Wenn die Flut kommt, würden vernünftige Menschen vermutlich zuerst ihre Familien und sich selbst in Sicherheit bringen und nicht erst noch zuende Essen... oder standen die alle kurz vor dem Hungertod?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • L.isler am 31.07.2018 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartige Flucht

    30 Min. um zu essen. Das mache ich jeden Tag in 10 Min. in der Mittagspause. Zuerst noch den Bauch füllen und dann auf die Flucht?

  • beo am 30.07.2018 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir Einheimischen

    wir bedanken uns für all die negativen Komentare und schlechte Kritik. wichtig ist das wir wissen wie es wirklich war und wir die Situation den Umständen entsprechend sehr gut im griff hatten. aber an all die negativ Schreiber! bitte kommt doch nicht wider in unser schönes Dorf. Auch nicht wen ihr in EINEM der schönsten Ski Gebiet Erholung sucht. solche primitive Menschen sind bei uns nicht erwünscht. Besser froh sein das keine Menschen zu schaden gekommen sind und alles dem entsprechend glimpflich ausgegangen ist.

    • Heinz am 31.07.2018 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      Eben

      Genau um das geht es ja und nicht um das gejammer dass 30 Minuten zuwnig sind um fertig zu essen.

    • Frau52 am 03.08.2018 20:55 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort@Beo

      Geschätzter Beo, wir waren am vergangenen Freitag, wie jedes Jahr im Oberried/ Lenk in den Ferien. Und ich kann nur positives berichten. Die Gemeinde war super gut organisiert und wir durften im KUSPO übernachten. Die Feuerwehr stand die ganze Nacht im Einsatz, herzlichen Dank. Lenk ist und bleibt unser Traumdomizil, nette Leute nicht allzu touristisch. Leider mussten wir heute wieder zurück nach Hause. Schöne Erinnerungen trotz dem jährlichen Entleeren des Plein morte.

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  • Reali_Täter am 30.07.2018 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind das eigene Risiko

    Wir haben es in der Hand. Umweltkatastrophen verursachen auch den Tod vieler Menschen.

  • Beobachter am 30.07.2018 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Und das Trinkgeld?

    Zu Ende essen und dann vor der Flutwelle fliehen, ist das eine - aber wurde das Essen auch noch bezahlt?

  • hgidl am 30.07.2018 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Na ja, würde der Verfasser in dieser Situation fertig essen? Eher wohl den Teller stehen lassen und sich aus dem Staub machen!