Gerichtsurteil

13. Februar 2019 10:56; Akt: 13.02.2019 14:34 Print

Frau an Party im eigenen Schlafzimmer vergewaltigt

Das fröhliche Fest endet vor dem Thuner Regionalgericht: Ein US-Bürger hat die Gastgeberin einer Home-Party sexuell missbraucht.

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Die Eltern verreisen in die Ferien – die Wohnung steht leer. Eine junge Frau aus der Region Thun ergriff im Herbst 2017 die Gelegenheit beim Schopf, um eine Home-Party zu schmeissen. Rund 20 Gäste waren eingeladen. Darunter befand sich auch ein 31-jähriger US-Amerikaner, der die Gastgeberin von früher kannte. Wegen sexueller Nötigung und sexueller Belästigung stand dieser am Dienstag vor dem Regionalgericht Oberland in Thun.

Gegen ihren Willen

In der Anklageschrift wurde der Vorfall so geschildert: Die junge Frau zog sich in ihr eigenes Schlafzimmer zurück, streifte ihre ganze Kleidung ab, legte sich ins Bett und schlief dann ein. Als sie erwachte, stieg der Amerikaner, der nur mit einer Unterhose bekleidet war, in ihr Bett. Er fing an, gegen ihren Willen ihre Brüste zu streicheln, und drang schliesslich ungeschützt in sie ein. Die Klägerin geriet in eine Art «Schockstarre» und konnte sich nicht wehren.

Der Beschuldigte stritt die Vorwürfe bei der Einvernahme ab, wie das «Thuner Tagblatt» berichtet: «Ich bin von den Anschuldigungen schockiert und weiss nicht, was die Frau damit bezweckt.» Er habe sie nur leicht berührt. Das Opfer nahm die Situation anders wahr: «Ich hatte Angst und fühlte mich gedemütigt.» Seit dem Vorfall habe sich ihr Leben verändert: «Ich habe noch heute Albträume und bin in psychiatrischer Behandlung.»

Fünfjähriger Landesverweis

Staatsanwalt Sandro Thomann beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren und eine fünfjährige Landesverweisung. Auch die Anwältin der Klägerin forderte einen Schuldspruch. Ausserdem noch eine Genugtuungssumme von 22'000 Franken und die Entschädigung der Parteikosten.

Der Amerikaner wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren und zu fünf Jahren Landesverweis verurteilt. Des Weiteren muss er die Verfahrenskosten von 18'000 Franken übernehmen und eine Genugtuung von 15'000 Franken an die Klägerin zahlen.

(pal)