Neuer Aarekanal

08. Juli 2019 19:51; Akt: 08.07.2019 19:51 Print

Wo sonst trägt einen der Fluss direkt in die Badi?

Sich von der Aare in die Badi treiben lassen? Läuft in Bern. Am Montag konnte erstmals der neuen Bueber-Kanal genutzt werden.

Schwimmt mit 20 Minuten die Aare hinunter und durch den neuen Bueber-Kanal. (Video: cho)
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Seit Wochen mussten sich Berner gedulden – am Montag war es endlich so weit: Weil die Aare weniger als 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führte, konnte erstmals der neue Aare-Kanal beim Schwimmbad Marzili benutzt werden. Mit dem Konstrukt, können sich Wasserratten direkt vom Fluss ins neu sanierte Bueber-Becken treiben lassen. Das Verdikt der Besucher ist klar: «Es ist mega geil und macht Spass», meint etwa der 17-jährige Ruben Heijboer.

Was auffällt: Die Strömung bei der Kanalpforte ist stärker als erwartet. Beim unteren Pfeiler schlägt das Wasser Wellen und hat ordentlich Zug, was aber gerade bei jüngeren Badenden gut ankommt: «Es ist fast ein wenig, wie in einem Wasserpark» so ein junger Besucher. Anderen ist der erste Schwumm durch die Schleuse «schon recht eingefahren», wie Schwimmerin Bianca aus Zürich findet: «Mir wurde es fast etwas mulmig plötzlich.» Aber wenn man ruhig bleibe und sich einfach von der Strömung treiben lasse, werde man automatisch ins Becken gespült. Trotzdem frage sie sich, ob man den Eingang nicht etwas entschärfen müsse: «Dort können sich bestimmt auch gefährliche Wirbel bilden.»

Wo sonst trägt einen der Fluss direkt in die Badi?

Gäste warteten bereits vor Türöffnung

Marzili-Bademeisterin Aurélie Repond versichert, dass der neue Kanal sehr sicher sei. «Er wurde von uns ausgiebig getestet. Ich habe heute morgen als erstes nochmals einen Probeschwumm genommen.» Der Kanal endet im neu sanierten Bueber-Becken. Auf dessen Brücke thront jeweils die Badeaufsicht. «Einige Gäste haben heute bereits vor Türöffnung gewartet, um den Kanal einzuweihen», so Repond. 15 Minuten habe es gedauert, bis das Tor ganz geöffnet war. Dieses schliesse sich automatisch, wenn der Flussspegel eine kritische Höhe erreicht – mit der selben Geschwindigkeit: «So passiert sicherlich niemandem etwas.» Ausserdem signalisiere ein Schild beim Kanaleingang, ob dieser offen sei.

Entlastung zur Rush-Hour

Aareschwimmer jeden Alters haben den Kanal am Montag gemeistert. Bei Temperaturen um 24 Grad in der Luft und 18,5 Grad im Wasser hielt sich der Andrang zunächst in Grenzen. Erst gegen die Abendstunden nahm die Frequenz zu. Gerade zur Aare-Rush-Hour sei der Kanal ein Segen, meint Stefan Wagner (17) zu 20 Minuten: «Es wird schnell stressig und eng an den Ausstiegs-Treppen. Nun kann man sich entspannt zurück ins Bad treiben lassen.»

(cho)