Trotz Boom

04. Mai 2010 21:50; Akt: 05.05.2010 00:51 Print

Bern will keine Ritalin-Untersuchung

von Patrick Marbach - Die Ritalinabgabe nimmt in beunruhigendem Mass zu. Doch die Berner Kantonsregierung will nicht untersuchen, warum so viele Kinder mit den Psychopillen ruhiggestellt werden.

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Ritalin: Kanton will Klarheit. (Bild: meo)

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Gibt es wirklich immer mehr Zappelkids? Oder wie ist es sonst zu erklären, dass der Ritalinverbrauch im Kanton Bern jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent ansteigt? «Ich befürchte, dass Ritalin öfter als nötig verschrieben wird, damit Eltern und Lehrer ihre Ruhe haben», sagt die Ärztin und SP-Grossrätin Danielle Lemann. Sie hat sich deshalb mit einer entsprechenden Anfrage an den Regierungsrat gewandt.

Auch Kantonsapotheker Samuel Steiner hätte sich Klarheit gewünscht: «Wir wollen Ritalin weder verteufeln noch hochloben. Der Verdacht, dass Ärzte Gefälligkeitsrezepte ausstellen, lässt sich nur mit genauen Untersuchungen erhärten.» Eine solche Studie sichert der Regierungsrat in seiner gestern veröffentlichten Antwort auf Lemanns Vorstoss zu. Doch nun hat er den Forschungsauftrag in letzter Minute gestoppt: Offenbar scheut er die Kosten und hofft, dass bald eine nationale Erhebung durchgeführt wird.

Trotzdem bleibt der Kanton nicht ganz tatenlos: «Wir haben Swissmedic darauf aufmerksam gemacht, dass Ritalin vermehrt in Grosspackungen mit 200 Tabletten verkauft wird», so Steiner, «da stimmt etwas nicht.» Denn Betäubungsmittel dürften höchstens in Monatsrationen verschrieben werden, damit die ärztliche Aufsicht gewährleistet sei.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aldar am 31.05.2010 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    +/-

    Einerseits denke ich, dass es völlig abartig ist, dass jeder Hausarzt Ritalin verschreiben kann. Hierzu wäre eine gründliche Abklärung wünschenswert, genauso wie sie es bei Depressionen oder anderen psych. Krankheiten auch ist (und dort auch eher vorgenommen wird). Andererseits ist die Verteufelung Ritalins wirklich nicht hilfreich, denn es gibt nunmal Menschen, denen es hilft. Wenn aber natürlich ein Psychopharmaka nach 30min Gespräch schon verteilt wird, dann ist klar, dass statistisch gesehen immer mehr Kinder an AD(H)S leiden - dabei kann das auch ganz andere Gründe haben.

  • zimmermann am 05.05.2010 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig einordnen

    Nach Ansicht der VPAA (vorbeugen/Prophylaxe/) Arbeitsgruppe der Reform 91 gehört die Abgabe von Ritalin genau gleich wie z.B. Methadon - in einen Kreis - von anerkannten Medizinern. .

  • Michael am 05.05.2010 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wärs mit selbst heilen?

    Mir wollten Sie als 6-Jähriger schon Ritalin verschreiben. Gott sei Dank blockten meine Eltern und sagten, wir kriegen das in den Griff. Und es klappte mit Mühe und Not. 9 Jahre dauerte es. Die Nebenwirkungen von Ritalin und die Symptome die beim Absetzen hervortreten (Aggressionsausbrüche, extrem hohe Nervosität etc) sind wie bei Speed/Kokain. Das Medi gehört vom Markt verbannt und sollte nur noch in extremen, nachweisbaren Fällen herausgegeben werden. Allein die Bequemlichkeit der heutigen Gesellschaft führt zu dem hohen Ritalin-Konsum.

Die neusten Leser-Kommentare

  • iStevie am 28.06.2010 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ritalin ist KEIN "RUHIGSTELLER"

    Man kann keine Kinder mit Ritalin ruhig stellen, die kein ADHS haben. Die werden im Gegenteil wacher und wahrscheinlich noch nervöser sein. Aber Politiker, Medien etc. informieren sich da wohl bei der Märlitante. Ritalin ist ein Wiederaufnahmehemmer der Botenstoffe im Gehirn. Informiert euch lieber richtig, bevor ihr alle hier mit Halbwissen um euch werft.

  • Aldar am 31.05.2010 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    +/-

    Einerseits denke ich, dass es völlig abartig ist, dass jeder Hausarzt Ritalin verschreiben kann. Hierzu wäre eine gründliche Abklärung wünschenswert, genauso wie sie es bei Depressionen oder anderen psych. Krankheiten auch ist (und dort auch eher vorgenommen wird). Andererseits ist die Verteufelung Ritalins wirklich nicht hilfreich, denn es gibt nunmal Menschen, denen es hilft. Wenn aber natürlich ein Psychopharmaka nach 30min Gespräch schon verteilt wird, dann ist klar, dass statistisch gesehen immer mehr Kinder an AD(H)S leiden - dabei kann das auch ganz andere Gründe haben.

  • kleine scherzkeks am 05.05.2010 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Louis de funes

    und wenn er ritalin bekommen hätte. dann wären wahrscheinlich keine filme gemacht worden. Aber im ernst, ich denke auch kinder werden heutzutage zu schnell mit ritalin beruhigt. Früher ganz viel früher gabs grossfamilien grossmutter, tanten...etc. hausmutter... heute??? ja, heute habens eltern schwer.

  • Patrik Häfliger am 05.05.2010 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ritalin

    Es ist immer wieder schön, wenn man lesen kann, wieviele Personen sich entsetzen, dass Ritalin immer mehr verschrieben wird. AD(H)S ist KEINE Modeerscheinung, es wird nur endlich nicht mehr totgeschwiegen. Es wird auch immer schwieriger, für Kinder, wie auch Erwachsene, in der heutigen Zeit bestehen zu können. Die Einnahme von Ritalin, Concerta & Co. sind für Nichtbetroffene vielfach nicht nachvollziehbar.Ich selbst hatte wochenlange Abklärungen, bereits als Jugendlicher, vor über 25 Jahren.. Ich bin dankbar, dass es Ritalin gibt, dadurch kann ich den Alltag überhaupt meistern!!

  • Maria Melillo am 05.05.2010 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Informiert euch vorher über Droge

    Mein Sohn hätte angeblich auch Ritalin nötig. Zum Glück hab ich mir als besorgte Mutter WIRKLICH mit dem Thema ADHS und RITALIN auseinandergesetzt und schau mal. Heute gehört mein Sohn auch bei den Besten seiner Klasse aber nicht dank dem Ritalin der ja angeblich keine Nebenwirkungen haben soll (liess nur mal die Packungsbeilage und sprich mit Eltern die es Ihren Kindern geben) aber mit einer gezielten hömopathische Bhandlung die auch in einer Doppelblindstudie schulmedizinisch bestätigt wurde. Informiert euch bevor ihr solche gefährliche Drogen ohne mit dem Augen zu zwinkern den Kindern gib