Isle of Man TT

18. Februar 2019 05:48; Akt: 18.02.2019 08:13 Print

Berner (25) am tödlichsten Rennen der Welt

Die Isle of Man TT auf der britischen Insel ist berüchtigt: 257 Töfffahrer kamen dort bereits ums Leben. Lukas Maurer aus Gurzelen ist nur einer der todesmutigen Fahrer.

Lukas Maurer über die Faszination Road Racing (Video: bho/miw)
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In gut drei Monaten wird Lukas Maurer aus Gurzelen BE erstmals am wohl gefährlichsten Töffrennen der Welt teilnehmen. Am weltberühmten Isle of Man TT sind Geschwindigkeiten über 300 Stundenkilometer keine Seltenheit. Seit 1911 starben während der Rennen 257 Rennfahrer. Der ehemalige deutsche Motorradfahrer Siegfried Schauzu sagte einst: «Die Idealllinie um 10 Zentimeter zu verfehlen, kann den Weg ins Jenseits bedeuten. Wieso setzt sich jemand freiwillig einer solchen Gefahr aus?»

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Das sei eine gute Frage, meint Maurer mit einem Lachen – «das Fahren ist halt einfach wie eine Sucht». Mit 15 Jahren habe er Videos der Isle of Man TT gesehen und war zutiefst beeindruckt. Vor allem die immensen Geschwindigkeiten haben es ihm angetan: «Das ist schon der Wahnsinn.»

Mit 300 km/h um enge Kurven

Im Unterschied zu anderen Rennen findet der Wettkampf auf normalen Landstrassen statt. «Hier gibt es keinen Auslauf oder sonstige Schutzzonen», sagt der 25-Jährige. In der sogenannten ‹Unlucky 13› würden die Fahrer mit 300 Stundenkilometern um eine enge Kurve fahren. Jede der 260 Kurven auf der 60 Kilometer langen Strecke muss auswendig gelernt werden, denn: «Jede falsche Kurvenlinie kann sofort tödlich enden.»

«Es ist ein Albtraum»

Doch der Berner hat die grossen Gefahren des Motorradsports bereits kennengelernt: Zweimal hat er das Handgelenk gebrochen, aufgrund von Bandscheibenvorfällen musste er den Job als Töffmech aufgeben. An der Schweizermeisterschaft 2011 in der Kategorie «Superstock 1000» wurde er von hinten touchiert: «Ich flog in ein Luftkissen am Streckenrand. Die Halsmuskulatur war kaputt.» Sein Arzt habe ihm anschliessend erzählt, dass er ohne das intensive Training der Nackenmuskulatur wahrscheinlich gelähmt wäre.

Dank Training und Talent fährt Maurer mit einer scheinbaren Leichtigkeit seit Jahren zuoberst mit. In der International Road Racing Championship wurde er beispielsweise Gesamtvierter in der Kategorie Supersport 600. Vom Roadracing Magazine wurde er nun zum offiziell besten Schweizer Roadracer geadelt. Das hat zwei Vorteile: Zum einen ist es die Anerkennung in einer Randsportart, zum anderen umgeht er die Vorqualifikation zur Isle of Man TT und startet Ende Mai direkt im Hauptfeld.

Mutter Katharina über den gefährlichen Sport ihres Sohnes (Video:bho)

Nicht alle freuen sich über diese Qualifikation: Für seine besorgte Mutter Katharina ist diese Situation besonders unangenehm. «Es ist ein Albtraum.» Schlaflose Nächte seien vorprogrammiert.

«Doch ich will Lukas aber nicht im Wege stehen», sagt die Mutter. Zum Isle of Man TT wird sie ihren Sohn daher auch begleiten. «Mir ist es am wohlsten, wenn ich dabei bin.» Maurers Liebe für den Motorsport liegt allgemein in der Familie; sein Bruder ist im Autosport aktiv, ebenso wie es auch sein verstorbener Vater war.

Teure Sportart

Doch nun macht Maurer mit seinem Töff ernst: Mit einem achtköpfigen Team wird der junge Rennfahrer im Mai auf die britische Insel reisen. Finanziell gesehen sei die Situation jeweils schwierig: «Letzte Saison musste ich 80'000 Franken in mein Hobby investieren.» Einen grossen Teil der Summe zahlt sein Sponsor, aber: «Manche Kosten muss ich selbst übernehmen. Ferien oder Ausgang sind daher selten.»


(bho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jöggu am 18.02.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück

    Viel Glück. Du wirst es brauchen.

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  • Sabine am 18.02.2019 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traum

    hoffe der Traum wird nicht zum Alptraum.. Komme gesund nach Hause.

  • Ramon Serrano am 18.02.2019 06:27 Report Diesen Beitrag melden

    Roadracing

    Die Fastination des ältesten Motorrad rennen der Welt ist immens. Es gab auch schon schweizer Sieger auf der Iom. Es ist herzig wie die Moto GP Stars zu kleinen Schulbuben werden, wenn Sie die Jungs fahren sehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Streetfighter SC33 am 18.02.2019 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legenden

    Roadracer sind von anderem schlag. Eng fokusiert, leben mit voller leideschaft, dem risiko bewusst, ausnahmekönner. Selbstdisziplin, keiner macht da mit, um sterben zu wollen. Es ist die faszination des rennens selbst. Wir büenzlischweizer können das nur erahnen, wie es ist. Nicht mal im stande ein rundkurs zu haben. Nur wenige schweizer kennen das gefühl. Roadracer leben und sterben als legenden. Während tastaturkrieger einsam ableben, zwischen neid und angst. Alles gute fürs rennen, die iom ist ein marathon, kein sprint. 5-6 teilnahmen braucht es, um im vorderen feld mit zu fahren.

    • Georg Malz am 18.02.2019 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Streetfighter SC33

      Legenden? Für weinende Hinterbliebene/ Familienmitglieder auch?

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  • Fred am 18.02.2019 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Crazy ... aber Respekt

    Eines muss man den Kerlen lassen, die die TT fahren: Sie sind ausgezeichnete Töfffahrer und haben dazu auch noch balls of steel. Muss gestehen: Davor habe ich schon Respekt. Finde es dennoch ein bisschen verrückt, so Lotterie mit dem Leben zu spielen. Aber jedem das Seine.

  • reto am 18.02.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    risikoreich

    Habe einmal nachgelesen einige Stunden über das Rennen, die Strecke, die Toten usw. Habe mir etliche Videos angeschaut, auch von den tödlichen Unfällen. Es wäre ja erst der 4. CHer.

  • Fabian Keller am 18.02.2019 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eines ist sicher:

    Diejenigen, die den Rennfahrer ermutigen an dem Rennen teilzunehmen, interessieren sich nicht für seine Gesundheit.

  • kobi am 18.02.2019 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ohje

    ein hoch an alle weltverbesserer und psychologen, besserwisser! dieser sportler hat sich 100% tig länger damit auseinandergesetzt als wir leser!! welcher von uns ist sicher vor gefahren??das leben ist voller gefahren! hört bitte auf über sein traum zu urteilen und schaut das euer leben super verlauft und ihr allen alles recht macht! und bitte ein bisschen respekt! den es steckt vil fleiss und harte arbeit dahinter!! ich denke jetzt lassen wir es gut sein und wünschen ihm gutes gelingen und hoffen auf einen positiven bericht von der tt 2019!!!

    • Gregor Schlontz am 18.02.2019 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kobi

      Bei diesen Geschwindigkeiten, hat das Können nur noch bedingt Einfluss. Zufall, Glück, Schicksal aber schon. Alleine die Tatsache, dass eine Information im Hirn sich mit ca. 300Km/h bewegt, sollte erkennen lassen, dass Sie mit 320 Km/ Fahr - Geschwindigkeit ein neurologisches Problem haben.

    • Susanne Huber am 18.02.2019 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kobi

      Ein Traum ist ein Traum - dass Leben aber ist Alles.

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