Schweizweit einmalig

16. Juni 2015 11:37; Akt: 16.06.2015 12:54 Print

Berner Firmen sollen Flüchtlinge anstellen

Privatunternehmen sollen Flüchtlinge anstellen – zu normalen Bedingungen. Der Kanton Bern, die Caritas und Unternehmer starten das schweizweit einmalige Projekt.

storybild

Der Kanton Bern will, dass Private Projekte zur Arbeitsintegration von Flüchtlingen vorfinanzieren. Im Bild: Flüchtlinge als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. (Bild: Symbolbild Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Erstmals in der Schweiz spannen private Geldgeber und der Kanton zusammen, um ein soziales Projekt zu stemmen: Das Pilotprojekt «Social Impact Bond» hat zum Ziel, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene möglichst rasch und nachhaltig in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Ziel ist es, dass die Personen nach fünf Jahren eine unbefristete Stelle zu branchenüblichen Bedingungen haben, etwa in der Gastronomie, der Pflege oder der Kinderbetreuung.

Coach soll Flüchtlinge und Firmen betreuen

Funktionieren soll das Projekt folgendermassen: Private Unternehmen (wie etwa Stiftungen) sprechen Darlehen. Dieses reicht der Kanton der Caritas weiter, die im Rahmen eines Leistungsvertrages die Flüchtlinge an Firmen vermittelt und betreut. Einerseits teilt die Caritas die Personen nach ihrer Vermittelbarkeit in Gruppen ein und setzt einen Coach ein, der den Flüchtling während des fünfjährigen Projekts betreut. Der Coach ist andererseits ebenfalls die Ansprechperson für die Firma und hilft dieser bei der Beschaffung der Arbeitsbewilligung oder bei Arbeitskonflikten.

Pilotprojekt soll Erkenntnisse für Zukunft liefern

120 anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene sollen am Experiment teilnehmen. «60 bis 70 Personen sollen nach fünf Jahren eine unbefristete Anstellung haben oder eine Ausbildung absolviert haben», sagt Claudia Bapst, Geschäftsführerin von Caritas Bern. In absoluten Zahlen möge dies nach eher wenig aussehen, aber: «Aufgrund unserer Erfahrungen ist das Ziel sehr ehrgeizig gesteckt.»

Das Projekt wird wissenschaftlich ausgewertet und dessen Wirkung gemessen. «Daraus leiten wir Erfolgschancen für andere Programme ab», sagte Claudias Bapst von der Caritas. Der Kanton Bern schätzt, dass im Jahr 2015 1200 anerkannte Flüchtlinge leben, dazu kommen 800 Personen die vorläufig aufgenommen werden. Die Zahlen dürften in den kommenden Jahren auf hohem Niveau bleiben.

Geld gibts nur bei Erfolg zurück

Noch werden Arbeitsplätze für die Projektteilnehmer gesucht. «Das Projekt ist ein Anfang. Es gilt auszuprobieren und für die Wirtschaft Anreize für die Beschäftigung von Flüchtlingen zu schaffen», sagte Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud. Nur wenn Unternehmen bereit seien, Arbeitsplätze für Menschen mit einer schwierigen Ausgangslage bereitzustellen, gelinge die Eingliederung.

Das Pilotprojekt gebe Menschen eine bessere Chance zur beruflichen und finanziellen Selbstständigkeit und helfe bei der Bekämpfung der Armut. «Die Firmen sind aufgerufen, die Integration von Flüchtlingen anzugehen und die gesellschaftliche Entwicklung mitzutragen», führte Peter Stämpfli aus, Präsident der Unternehmerinitiative Fokus Bern, die das Projekt mit angestossen hat. Es gehe um nachhaltige Investitionen in die Zukunft des Kantons.

Das Projekt kostet 2,7 Millionen Franken. Am Schluss wir im Bonus-Malus-System abgerechnet: Erreicht die Caritas die Ziele, bekommen die Geldgeber ihr Darlehen zurück. Werden sie übertroffen, teilt der Kanton Bern seine Einsparungen bei der Sozialhilfe mit der Geldgebern und der Caritas. Werden die Ziele nicht erreicht, müssen die Geldgeber einen Teil ihrer Investitionen abschreiben.

(smü/nc)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hans vörig am 16.06.2015 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super gmacht 

    bekämpft besser mal die armut der eiGenen leute. gibt mehr als genug hier geborene/ aufgewachsene, welche trotz intensiver bemühungen auf dem arbeitsmarkt keine chance mehr haben und nicht mal ne bezahlbare wohnung finden. aber damit kann man sich halt nicht so schön als weltoffen profilieren gelle...

  • Büezerin am 16.06.2015 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    nur noch Skuril

    Es wird immer noch skuriler... welchen Status haben den diese Flüchtlinge die integriert werden sollen? Solche die auf den Entscheid warten? Private Investoren... und das Geld kommt nie zurück... und somit sehen die Zahlen beim Bund anders aus und man kann noch mehr REINLASSEN?!

  • Küsche am 16.06.2015 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Auswirkungen

    Natürlich wäre es besser Flüchtlinge könnten arbeiten als nur herumzusitzen,Frage ist welche Arbeitsplätze sie belegen werden in der Wirtschaft und zu welchen Tiefstlöhnen?Was sich auswirken kann auf das Stellenangebot für Schweizer Arbeitskräfte!Natürlich ist die Wirtschaft an diesem Projekt interessiert!Geht es hier um die Flüchtlinge oder eher um tiefere Löhne?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • D.Z. am 17.06.2015 02:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flüchtlingsbeschäftigung

    Wie wäre es wenn man zuerst für unsere eigenen Schweizer Arbeitslosen einen Job anbieten würde, den wir haben genug davon die seit Jahren eine Arbeit suchen. Bin der Meinung das man zuerst für die eigenen Mitbürger schaut. Die hätten es zuerst verdient.

  • Mike Grossenbacher am 16.06.2015 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Mensch verdient eine Chance

    Tolles Projekt. Es ist besser dass die Flüchtlinge einer Arbeit nachgehen und sich weiterbilden anstatt herumzusitzen und nichts tun. Somit helfen sie sich selber und der Wirtschaft. Vielleicht wird aus dem einen oder anderen ein Unternehmer. Die Flüchtlinge welche Faul herumsitzen werden sich kaum Bemühen in so ein Projekt einzusteigen - den anderen wünsche ich viel Erfolg!

  • Peter Stämpfli am 16.06.2015 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Lohndumping

    Es handelt sich um Flüchtlinge, die von der CH aufgenommen wurden. Ihnen wird ein marktüblicher Lohn bezahlt, also kein Lohndumping. Sie sind so oder so in der CH, ob sie nun arbeiten oder nicht. Wenn sie nicht arbeiten, beziehen sie teure Sozialgelder. Arbeitsplätze gehen nicht zulasten der Schweizer verloren. Immerhin haben wir immer noch eine massive Einwanderung bei einer Arbeitslosiigkeit von 3.5%. Gefahr für Schweizer geibt es also nicht.

  • besorgte Schweizer am 16.06.2015 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    genug genug genug

    Und meine Tochter hat bis heute keine Anstellung - sie ist leider nur Schweizerin von Geburt und Geschichte. Mein Schwiegersohn kommt aus der EU - auch für ihn gibt es keine Hilfe. Es reicht.

  • Martin am 16.06.2015 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und die Schweizer

    Und wir Schweizer bleiben wieder auf der Strecke. Kenne genug Schweizer die froh wären,wenn man Ihnen einen Job auf dem Silbertablett anbieten würde. Was wenn wir Schweizer die Nase voll haben und keine Steuern mehr bezahlen? Was dann??