Gläubiger vertröstet

16. Oktober 2019 14:34; Akt: 16.10.2019 17:56 Print

Berner Formel-E zahlt Rechnungen nicht

Gläubiger warten auf ihr Geld und werden vertröstet – die Organisatoren des E-Prix stecken offenbar in Geldnot.

Bei dieser Demonstration vor dem Rennen entstand den Veranstaltern Sachschaden. (Video: keystone-sda)
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Der Nachgeschmack des Formel-E-Rennens in Bern war bitter und dürfte nun noch bitterer werden. Wie die «Berner Zeitung» berichtet, warten Gläubiger des Events bisher vergebens auf die Begleichung ihrer Rechnungen. In einem Schreiben hat Veranstalterin Swiss E-Prix Operations AG offenbar mitgeteilt, dass sie «in Zahlungsverzug geraten» sei. Als Grund werden zum einen der finanzielle Schaden aus der Demonstration vor dem Rennen (siehe Video), zum anderen Kostenüberschreitungen geltend gemacht. Letztere seien jedoch nicht von den Veranstaltern zu verantworten.

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650'000-Franken-Rechnung

Unter den Gläubigern des Events ist auch die Stadt Bern. Diese beteiligte sich nicht an der Kosten des Anlasses und stellte eine Rechnung von 650'000 Franken. Was geschieht mit der Forderung, sollte die Swiss E-Prix Operations AG nicht aus der finanziellen Misere finden? Bei der Stadt hat man für dieses Szenario vorgesorgt. E-Prix-Sponsor Julius Bär hat der Stadt eine Bankgarantie in der Höhe von 900'000 Franken zugesichert. Unklar ist, wie und ob private Gläubiger zu ihrem Geld kommen sollen.

Bis Ende Jahr will die Swiss E-Prix Operations AG informieren, wie und wann die offenen Rechnungen beglichen werden sollen. Externe Spezialisten würden an der «Anpassung des Business Case und der eingeleiteten Re-Finanzierung» arbeiten.

«Mittleren sechsstelligen Betrag»

Gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-sda bestätigt die Swiss E-Prix Operations AG, dass sie in Zahlungsverzug geraten sei. Gerüchte, laut welchen es um einen Millionenbetrag geht, wies sie allerdings zurück: «Es handelt sich um einen mittleren sechsstelligen Betrag, der aufgrund der aktuellen Liquiditätslage noch nicht vollständig beglichen werden kann», erklärte Sprecher Stephan Oehen.

Laut der Swiss E-Prix Operations AG entstand bei der Velodemonstration vor dem Rennen ein Sachschaden von 400'000 Franken. Zudem habe es Folgekosten gegeben, erklärte Sprecher Stephan Oehen. So habe man die Security-Dienste massiv aufstocken müssen, um weitere Schäden zu vermeiden. Oehen erklärte, die Veranstalter hätten in der Sache tatsächlich eine Strafanzeige eingereicht, wie sie dies bereits direkt nach dem Rennen angekündigt hatten.

Bei der Velo-Demo unmittelbar vor dem Rennwochenende hatten Vandalen Logo-Bänder der Sponsoren weggerissen. Auch sollen Fernseh- und Stromkabel durchschnitten worden sein.

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(cho)