Nationalratswahlen 2015

24. August 2015 18:59; Akt: 25.08.2015 10:55 Print

Berner Kandidaten mit Twitter auf Stimmenfang

von Christian Holzer - 567 Berner Politiker wollen am 18. Oktober in den Nationalrat gewählt werden. 31 Prozent von ihnen setzen im Wahlkampf auf den Kurznachrichtendienst Twitter.

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Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren: Wilde Plakate säumen Strassen und in den sozialen Medien buhlen Kandidaten um Aufmerksamkeit – auch auf Twitter. Immer mehr Politiker entdecken den Kurznachrichtendienst für sich: «31 Prozent der Berner Nationalratskandidaten sind auf Twitter vertreten», sagt Social-Media-Experte Jürg Kobel.

Er zeigt sich über den hohen Wert überrascht. Die Vorteile lägen jedoch auf der Hand: «Viele Medienschaffende tummeln sich auf dem Netzwerk. Als Politiker macht es Sinn, sich dort zu profilieren.» Der Dienst sei kostenlos und biete die Möglichkeit, überall potenzielle Wähler zu erreichen. Im Vergleich zu Facebook sei zudem bei Twitter alles öffentlich: «Die Politiker müssen sich nicht entscheiden, ob sie auf ihrem privaten Profil politisieren oder ein öffentliches Profil anlegen wollen.» Ausserdem sei Twitter ein Echtzeit-Medium.

EVP hat die Nase vorn

Als besonders findige Twitter-Nutzer entpuppen sich die EVP-Politiker Ruedi Löffel, Marc Jost und Matthias Stürmer. Sie belegen laut der Social-Media-Agentur Klout die ersten drei Plätze im Umgang mit sozialen Netzwerken – kantonal wie auch national. «Dass ich permanent mit der Bevölkerung in Kontakt stehe, gehört für mich heute dazu», so Grossratspräsident Marc Jost. Weil die Nationalratswahlen in greifbare Nähe rücken, habe sich sein Verhalten auf Twitter schon etwas geändert: «Ich bin aufmerksamer und überlege mir, wie ich Neuigkeiten öffentlichkeitswirksam verbreiten kann.» Ausserdem würde er nur etwas «zwitschern», wenn er danach auch Zeit hätte, um auf allfällige Reaktionen einzugehen.

Zeitintensiv, aber kostenlos

Der Berner EVP-Stadtrat Matthias Stürmer nutzt den Dienst seit 2008. «Jetzt kurz vor den Wahlen nehme ich Social Media besonders ernst und brauche viel Zeit für Twitter. Als kleine Partei haben wir vergleichsweise wenig Budget. Twitter ist zwar zeitintensiv, dafür kostenlos.» Trotzdem sei er in der sozialen Welt auf der Hut: «Bei heiklen Themen äussere ich mich nicht über Twitter. 140 Zeichen reichen dafür schlicht nicht aus.»

In der Tat ist schon mancher Tweet nach hinten losgegangen. Social-Media-Berater Jürg Kobel erinnert, dass auf Twitter stets freundlich kommuniziert werden sollte. Als Negativ-Beispiel nennt er einen Schlagabtausch zwischen der Grünen Sabine Reber und FDP-Politiker Roland Mathys:



«Ich empfand meine Antworten nicht als unfreundlich, sondern als kurz und prägnant», verteidigt sich Sabine Reber.

Nicht verwahrlosen lassen

Auch sollten Politiker es vermeiden, ihre Accounts verwahrlosen zu lassen oder gar nie richtig in Betrieb zu nehmen. Besonders unvorteilhaft sei es, wenn Politiker zwar ein Profil angelegt hätten, jedoch weder ein Foto von sich hochladen noch regelmässig kommunizierten.

Grossrat Hannes Zaugg-Graf (glp) aus Uetendorf gehört zu dieser Gruppe, wie ein Blick auf seinen Twitter-Account zeigt: «Ich musste feststellen, dass mir Twitter nicht zusagt», sagt er. Solche Medien würden ihn zu sehr unter Druck setzen. Ausserdem glaube er nicht, dass er damit zusätzliche Wähler erreicht hätte.

Auch Politologe Mark Balsiger findet, dass Twitter nicht überbewertet werden sollte: «Twitter entwickelt nur eine Wirkung, wenn Tweets von den etablierten Medien aufgegriffen werden.» Das würden nur die wenigsten schaffen und nur bekannte Politiker schaffen. Wer sich auf Twitter gut verkaufen möchte, müsse unbedingt die i-hasi-Formel berücksichtigen: Interaktiv, humorvoll, authentisch, stetig und interessant.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Koch am 25.08.2015 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Sache

    Twitter ist schon geil. Ich hab auch einen Account. Super.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Koch am 25.08.2015 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Sache

    Twitter ist schon geil. Ich hab auch einen Account. Super.