Volle Trams

28. April 2015 16:56; Akt: 28.04.2015 17:30 Print

Berner Schüler sollen später zum Unterricht

Um den ÖV am Morgen zu entlasten, prüft der Kanton einen späteren Schulbeginn. Die Erziehungsdirektion und ein Rektor zeigen sich skeptisch.

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Der Kanton prüft, den Schulbeginn zu verschieben, um die ÖV zu entlasten. (Bild: Keystone/Alessandro Della Valle)

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Trams und Busse sind in den frühen Morgenstunden oft heillos überfüllt. Damit die Berufspendler stressfrei durch die Rush Hour kommen will der Kanton nun Massnahmen ergreifen: «Wir möchten prüfen, ob ein Schulbeginn an Mittel- und Berufsfachschulen ab 9 Uhr den ÖV entlastet», so Verkehrsdirektorin Barbara Egger-Jenzer. Eine Online-Umfrage an den Gymnasien Neufeld, Kirchenfeld und Köniz-Lerbermatt soll jetzt zeigen, wie viele Schüler überhaupt mit dem ÖV zur Schule kommen, welche Strecken sie fahren, was sie vom 9-Uhr-Stundenplan halten und ob ihre Hobbys eingeschränkt werden, wenn sie dafür am Abend eine Stunde länger in der Schule sitzen müssten. Zudem werden auch alle Eltern der Schüler zum Vorhaben befragt.

Hat später Unterricht Folgen auf Freizeit?

Mit dem späteren Schulbeginn werde man auch einem Bedürfnis der Schüler nachkommen, heisst es beim Kanton: «Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Jugendliche abends tendenziell erst später einschlafen und am Morgen später fit sind», so Egger-Jenzer. Anders sieht man es bei der Erziehungsdirektion: «Für uns gibt es aufgrund der heutigen Kenntnisse keine stichhaltigen pädagogischen Gründe, eine Verschiebung des Schulbeginns nach hinten zu prüfen», so Mario Battaglia, Vorsteher der Abteilung Mittelschulen. Darum sei es wichtig zu wissen, was für Folgen der Entscheid auf Gitarrenstunden, Fussballtrainings und Nebenjobs der Gymnasiasten nach sich ziehen würde.

Sport doch schon ab acht Uhr?

Besonders der Turnhallenmangel könnte sich verstärken, wenn die Schüler am Abend länger die Sporthallen besetzen: «Der Sport muss vom späteren Unterrichtsbeginn ausgenommen werden», fordert André Lorenzetti, Rektor des Kirchenfeld-Gymnasiums. Zudem ist auch er skeptisch, ob ein späterer Unterrichtsbeginn pädagogisch wertvoll ist. –«Es ist schwierig abzuschätzen, ob die Schüler wirklich am Morgen länger schlafen und zu unveränderter Zeit oder entsprechend später ins Bett gehen», so Lorenzetti. Es sei also offen, ob sich durch den 9-Uhr-Stundenplan die Schlafdauer verlängern würde. Darum sei für ihn nach heutigem Wissensstand ein späterer Unterrichtsbeginn kein Anliegen.

Die Resultate der Umfrage sollen im Spätsommer dieses Jahres vorliegen. Danach entscheiden die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion und die Erziehungsdirektion über das weitere Vorgehen. Regierungsrätin Egger-Jenzer sagte, es sei noch offen, ob es zu einem Praxistest mit späterem Schulbeginn komme. «Wir wollen zuerst wissen, ob überhaupt eine Akzeptanz vorhanden ist.»

Bei Bernmobil dagegen begrüsst man die Idee: «Wir finden den Versuch grundsätzlich eine gute Sache», so Tanja Flühmann, Sprecherin von Bernmobil. Man müsse aber in einem zweiten Schritt jede Bus- und Tramlinie einzeln anschauen. «Denn auch Studenten und Gewerbeschüler überlasten den ÖV», so Flühmann.

(sie/sda)