Bettina Stucki

21. Januar 2015 17:47; Akt: 21.01.2015 17:47 Print

Berner Stuntfrau doubelt «Bestatter»-Opfer

von Albina Muhtari - Am Dienstag wurde Bettina Stucki im «Bestatter» von einem Verrückten «totgefahren». Nun ist die Stuntfrau wieder auf den Beinen und sucht Schweizer Nachwuchs.

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War schon als Kind «eine kleine Wildsau»: Stuntfrau Bettina Stucki.

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Für Melanie Winiger sprang sie von einem fahrenden Motorrad in den Abgrund, für Mona Petri liess sie sich von einer Autofähre werfen und diese Woche wurde sie im «Bestatter» von einem Auto angefahren. Bettina Stucki ist nach eigener Aussage die einzige Stuntfrau der Schweiz und hat in den vergangenen Jahren in vielen grossen Schweizer Filmproduktionen mitgearbeitet.

«Ich war schon als Kind eine kleine Wildsau – Stuntfrau zu werden war ein Kindheitstraum von mir», sagt Stucki. Sie habe allerdings immer das Gefühl gehabt, der Traum sei unerreichbar. «Als 2007 Teilnehmer für die SRF-Sendung Stunthero gesucht wurden, habe ich meine Chance gewittert. Ich war überglücklich, als ich angenommen wurde.»

Training in den USA

Mit Hilfe von Stunthero knüpfte Stucki Kontakte und flog in regelmässigen Abständen in die USA, wo sie mehrere Monate lang im Park von Bob Yerkes trainierte, einem amerikanischen Stunt-Urgestein und ehemaligen Artisten im Circus Knie. Zurück in der Schweiz half die Bernerin bei zahlreichen Filmproduktionen mit. «Im Stunt zu arbeiten ist ein hartes Geschäft. Das erste Jahr habe ich vor allem beim Aufstellen des Sets geholfen und Sachen geschleppt. Nebenbei habe ich hart trainiert. Nach einiger Zeit konnte ich meine erste Rolle in ‹Das Fräulein Wunder› ergattern.»

Dort doubelte Stucki die Zürcher Schaupielerin Mona Petri und liess sich bei ihrem ersten Stunt von einer fünf Meter hohen Fährenbrücke werfen. «Ich habe eine Leblose gespielt und wurde vom Team ins Wasser geworden. Das muss man sich wie beim Springen vom Sprungturm vorstellen, wo man nicht richtig fällt und mit dem Gesicht auf der Wasseroberfläche aufprallt. Das war schon sehr schmerzhaft», erzählt Stucki. «Die Szene haben wir zwei, drei Mal wiederholt, bis sie im Kasten war.»

Doch der Schmerz zahlte sich aus, denn von da an ging es mit Stuckis Karriere steil bergauf. In zahlreichen Schweizer und deutschen Produktionen wurde die 29-Jährige als Stuntfrau eingesetzt, doubelte Melanie Winiger in «One Way Trip» und war im «Tatort», in «Soko Stuttgart» oder in «Der Bestatter» zu sehen. Dies erst diese Woche wieder: In der Serie liess sich Stucki als anstelle von Schauspielerin Bettina Schaefer von einem Auto anfahren.

Auf der Suche nach Talenten

Wenn die Bernerin nicht am Set arbeitet, ist sie für die eigene Stuntagentur in Zollikofen tätig. Neben Stunts und Spezialeffekten für Film und TV bietet Stucki auch Kurse an ihrer Stuntschule an. Dort ist sie auf der Suche nach jungen Talenten. Wer in der Branche arbeiten wolle, müsse allerdings einen sehr starken Willen haben: «Man kriegt nicht von Anfang an die geilen Storys. Ausserdem dürfen Stuntleute kein hohes Schmerzempfinden haben und müssen sportlich sein.»

Frauen seien in der Branche selten. So sei Stucki die einzige Schweizer Stuntfrau, in Deutschland kenne sie noch zwei bis drei Kolleginnen. «Ein Double muss auch körperlich passen. Es gibt viele Schauspielerinnen, die nicht so gross sind – da ist es schwierig, passende Stuntleute zu finden. Deshalb suchen wir gerade auch Frauen, die sich eine Karriere als Stuntfrau vorstellen könnten.»

Grosse Verletzungen hat sich Stucki bisher noch nicht zugezogen und auch Angst habe die Bernerin keine: «Ich bin der Meinung, dass wenn ich Angst habe, ich einen Einsatz nicht machen darf. Zum Glück ist das bisher noch nicht vorgekommen.»

Migros - High Noon from Inhalt&Form on Vimeo.

War auch für die Migros im Einsatz: Stuntfrau Bettina Stucki.