Vorsätzliche Tötung in Schwarzenburg

18. Oktober 2019 17:00; Akt: 18.10.2019 17:00 Print

Beschuldigte muss über 5 Jahre ins Gefängnis

Eine Ungarin rammte ihrem Partner während eines Streits ein Rüstmesser in die Brust – nun wurde sie zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

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Eine 28-jährige Frau ist am Freitag vom Regionalgericht Bern zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Ungarin bei einem Beziehungsstreit ihrem Freund ein Messer in die Brust gerammt hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte einen Schuldspruch und eine neunjährige Freiheitsstrafe gefordert. Sie hielt die Beweislage für einen Schuldspruch als ausreichend. Die Angeklagte sei wenig glaubwürdig, wenn sie für die entscheidenden Minuten der Tat eine Erinnerungslücke vorgebe und behaupte, sie wisse nicht, wie das Messer in die Brust ihres damaligen Freundes gekommen sei.

Erinnerungslücke

Nur sie und ihr 55-jähriger Freund hatten sich am Tatabend Anfang Oktober 2018 in der Wohnung in Schwarzenburg befunden. Die beiden bekamen Streit, bei dem es wohl auch um die Auflösung der erst zwei Monate alten Beziehung gegangen sein dürfte. Der Streit wurde zuerst verbal, dann auch tätlich ausgetragen. Die Frau ging in die Küche, behändigte ein Rüstmesser und stiess es ihrem Freund in die Brust, so die Sicht der Anklage.

Die Verteidigerin der Ungarin hielt es hingegen für plausibel, dass ihre Mandantin sich nicht an die entscheidende Tatzeit erinnern könne. Die Frau sei unter Schock gestanden und alkoholisiert gewesen.

Wenig Beweise, viele Indizien

Letztlich blieben die entscheidenden Minuten «eine Blackbox». Es gebe mehrere andere denkbare Varianten, etwa dass der Mann die Frau angegriffen habe und sich diese mit dem Messer in der Hand verteidigen wollte. Auch suizidale Absichten des Mannes könnten letztlich nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Alles in allem reiche diese Indizienlage nicht aus für einen Schuldspruch.

Das Gericht hielt einen Schuldspruch hingegen für angemessen, wie der Gerichtspräsident am Freitag sagte. Es gebe zahlreiche Erkenntnisse zum Tatabend, nicht zuletzt auch aufgrund der Tatrekonstruktion.

(rc/sda)