Bern

05. Januar 2016 17:55; Akt: 05.01.2016 18:51 Print

Betrunkener wollte Polizei bestechen – Freispruch

Mit 1,75 Promille Blutalkohol bot ein Mann Polizisten Schmiergeld an, damit sie ihn nicht anzeigen. Am Dienstag musste er deswegen beim Richter antraben.

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Das Gericht verurteilte den Mann wegen Strassenverkehrsdelikten, sprach ihn aber vom Vorwurf der Bestechung frei. (Bild: Keystone/Yoshiko Kusano)

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Ein Einzelgericht in Bern hat am Dienstag einen Autofahrer vom Vorwurf der Bestechung von Polizisten freigesprochen. Laut Anklageschrift hatte der Mann nach einer Polizeikontrolle zwei Polizisten Geld angeboten, wenn sie ihn nicht anzeigten.

Der junge Mann Ende 20 habe den Polizisten rasch einmal erzählt, dass er eine gute Stelle habe und ordentlich verdiene. Wenn sie ihn ohne Anzeige laufen liessen, würde er jedem der beiden Polizisten 5000 Franken geben, schilderten die beiden Beamten vor Gericht. Der Abend sei ein «Ausreisser» gewesen, beteuerte der Angeklagte am Dienstagnachmittag. Er habe am Barfestival in Wichtrach ausnahmsweise zu viel getrunken und könne sich nicht mehr erinnern, was er alles gesagt habe.

Was der junge Mann den Polizisten genau sagte und vor allem wie ernst er das Angebot meinte, blieb vor Gericht letztlich unklar.

Mund war schneller als Hirn

Der Mann sei unter Alkoholeinfluss gestanden und habe wohl schneller geredet als sein Hirn denken konnte, sagte sein Verteidiger. In nüchternem Zustand wäre sein Mandant nie auf die Idee gekommen, den Polizisten ein solches Angebot zu machen. Der Angeklagte sprach von einer «grossen Dummheit», die er begangen habe. Er sei so betrunken gewesen, dass er sich nicht mehr erinnern könne, was er alles gesagt habe.

Die Einzelrichterin kam zum Schluss, dass der Mann in seinem Zustand tatsächlich kaum ernsthaft die Polizei bestechen wollte. Vielmehr sei er wohl spontan auf die Idee gekommen, als er mit der Polizei auf dem Weg ins Spital an Banken vorbeigefahren sei.

Strafe wegen Alkohol am Steuer

Die Richterin sprach den Mann vom Vorwurf der Bestechung frei. Hingegen verurteilte sie ihn wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und eines weiteren Verstosses gegen das Strassenverkehrsgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 170 Franken und einer Busse von 1700 Franken.

Der Mann war nach dem Besuch eines Barfestivals Ende März 2015 einer zivilen Polizeistreife aufgefallen, als er rasant und ohne zu blinken überholte. Die beiden Polizisten stellten den nach Alkohol riechenden Autofahrer und brachten ihn zum Alkoholtest ins Spital Münsingen. Dort wurde ein Blutalkoholgehalt von mindestens 1,75 Promille ermittelt.

(sda / miw)