Nach Blue Balls

04. April 2019 19:40; Akt: 04.04.2019 19:40 Print

Heineken muss auch am Greenfield Feld räumen

von S. Ulrich - Nachdem Heineken bereits am Blue Balls Festival seinen Auftrag verloren hat, setzt nun auch das Greenfield auf ein regionales Bier. Heineken siehts gelassen.

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Am Greenfield wird diesen Sommer nicht mehr Heineken, sondern Rugenbräu ausgeschenkt. Die Präsenz am Greenfield Festival werde «in der Umsetzung der grösste Event in der Geschichte der Rugenbräu» und der Traditionsbrauerei «einen Platz unter den bekannten nationalen Grössen der Bierwelt» sichern, sagt Rugenbräu-Geschäftsführer Remo Kobluk (rechts im Bild). Kobluk rechnet mit dem Verkauf von mehreren Hundert Hektolitern Bier. Wie stark sich das auf den Umsatz auswirken dürfte, will er nicht preisgeben. Über die Gründe für die Abkehr vom holländischen Biergiganten hüllt sich die Greenfield Festival AG in Schweigen. «Wir kommentieren grundsätzlich keine Sponsorenwechsel», sagt Geschäftsführer Thomas Dürr. Auch bei Heineken heisst es dazu nur: «Wir sind gemeinsam zum Schluss gekommen, die Partnerschaft am Greenfield nicht zu erneuern.» Bei Heineken Schweiz gibt man sich im Hinblick auf den Auftragsverlust am Greenfield betont gelassen. Sprecher Urs Frei verweist auf den dynamischen Schweizer Event-Markt mit wechselnden Partnerschaften. «Das Portfolio an Anlässen verändert sich laufend.» Klar ist: Der Schweizer Biermarkt ist hart umkämpft. Während der Pro-Kopf-Konsum in den vergangenen zehn Jahren um rund drei Prozent gesunken ist, hat die Zahl der Brauereien stark zugenommen. Den Druck der Klein- und Mittelbrauereien bekommen die Grossen der Branche zu spüren. «Der starke Wettbewerb zwingt sie zu Innovationen», sagt Markus Zemp, Präsident des Schweizer Brauerei-Verbandes. Auf den Trend hin zu mehr Regionalität seien daher seit geraumer Zeit auch Heineken, Feldschlösschen (Carlsberg) und Co. aufgesprungen. «Auch sie sind mit zahlreichen regionalen Marken und Spezialitätenbieren auf dem Markt vertreten», sagt Zemp.

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Am Blue Balls Festival in Luzern wird diesen Sommer nicht mehr Heineken ausgeschenkt, sondern Chopfab-Bier von der Szene-Brauerei Doppelleu. Das machte 20 Minuten am Dienstag publik. Jetzt ist klar: Auch am Greenfield Festival in Interlaken mit über 70'000 Besuchern gräbt ein Kleiner dem niederländischen Brauriesen das Wasser ab. Ab kommendem Juni wird neu regionaler Gerstensaft der Marke Rugenbräu die Kehlen der Besucher benetzen.

Der Megaauftrag lässt Rugenbräu-Geschäftsführer Remo Kobluk zu Superlativen greifen: Die Präsenz am Greenfield Festival werde «in der Umsetzung der grösste Event in der Geschichte der Rugenbräu» und der Traditionsbrauerei «einen Platz unter den bekannten nationalen Grössen der Bierwelt» sichern. Zudem werde die Marke aufgrund der internationalen Ausstrahlung des Rockfestivals weiter gefestigt. Kobluk rechnet mit dem Verkauf von mehreren Hundert Hektolitern Bier. Wie stark sich das auf den Umsatz auswirken dürfte, will er nicht preisgeben.

Stolz auf regionales Bier

Warum zieht Heineken gleich an zwei Festivals den Kürzeren? Blue-Balls-Direktor Urs Leierer begründete den Wechsel so: «Heineken hatte Vorstellungen, die sich mit den unseren nicht mehr deckten.» Ob das auch in Interlaken der Fall war, bleibt offen. Über die Gründe für die Abkehr vom holländischen Biergiganten hüllt sich die Greenfield Festival AG in Schweigen. «Wir kommentieren grundsätzlich keine Sponsorenwechsel», sagt Geschäftsführer Thomas Dürr. Auch bei Heineken heisst es dazu nur: «Wir sind gemeinsam zum Schluss gekommen, die Partnerschaft am Greenfield nicht zu erneuern.»

Eine Rolle spielte offenbar aber der Bezug zum Oberland. In einer Medienmitteilung von Rugenbräu lässt sich Mike Schälchli, Sponsoring-Verantwortlicher des Greenfield Festivals, wie folgt zitieren: «Wir sind stolz, dass am Greenfield Festival neu ein regionales Bier vertreten ist.» Auch Kobluk stellt fest, dass an Grossanlässen ein Umdenken stattfindet und vermehrt die helvetische Biervielfalt zelebriert wird: «Regionales Bier gewinnt auch im Festivalbereich mehr und mehr an Bedeutung.»

«Portfolio verändert sich laufend»

Bei Heineken Schweiz gibt man sich betont gelassen. Sprecher Urs Frei verweist auf den dynamischen Schweizer Event-Markt mit wechselnden Partnerschaften. «Das Portfolio an Anlässen verändert sich laufend.» Heineken werde mit seinen Marken in diesem Jahr an rund 2500 Events präsent sein, im Musikbereich etwa am Openair Gampel oder am Royal Arena Festival. Zudem arbeite man an einer Partnerschaft für den Formel-E-Event in Bern. «Es finden zurzeit Gespräche statt», verrät Frei.

Klar ist: Der Schweizer Biermarkt ist hart umkämpft. Während der Pro-Kopf-Konsum in den vergangenen zehn Jahren um rund drei Prozent gesunken ist, hat die Zahl der Brauereien stark zugenommen. Den Druck der Klein- und Mittelbrauereien bekommen die Grossen der Branche zu spüren. «Der starke Wettbewerb zwingt sie zu Innovationen», sagt Markus Zemp, Präsident des Schweizer Brauerei-Verbandes.

Brauriesen legen weiter zu

Auf den Trend hin zu mehr Regionalität seien daher seit geraumer Zeit auch Heineken, Feldschlösschen (Carlsberg) und Co. aufgesprungen. «Auch sie sind mit zahlreichen regionalen Marken und Spezialitätenbieren auf dem Markt vertreten», sagt Zemp. Dass die Kleinen den Brauriesen ernsthaft das Feld streitig machen, glaubt er daher nicht.

Zumindest die Jahreszahlen stützen Zemps Annahme. Feldschlösschen steigerte seinen Umsatz 2018 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent. Heineken Schweiz publiziert keine nationalen Zahlen. International konnte der Konzern nach eigenen Angaben aber ein Umsatzplus von 6,4 Prozent verzeichnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • The Gent am 05.04.2019 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transportwege??

    Ich finde den Entscheid super! Eigentlich ist es unverständlich, dass es bisher anders war. Man kann vom Festivalgelände aus die Rugenbrauerei sehen...

  • Prawda am 04.04.2019 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regional sei Dank

    Das sind ja positive Nachrichten. Gratuliere.

  • Biertrinker am 05.04.2019 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echtes Bier

    Heineken ist ja noch weniger Bier als Kölsch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • The Gent am 05.04.2019 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transportwege??

    Ich finde den Entscheid super! Eigentlich ist es unverständlich, dass es bisher anders war. Man kann vom Festivalgelände aus die Rugenbrauerei sehen...

  • Biertrinker am 05.04.2019 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echtes Bier

    Heineken ist ja noch weniger Bier als Kölsch.

  • Der gute am 05.04.2019 02:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch gut

    Chopfab Bier schmeckt mir gar nicht. Lieber wäre mir Quellfrösch gewesen. Aber haubtsache es gibt Bier

  • Walter am 04.04.2019 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stiär Biär

    ich kaufe und trinke nur noch Stiär Biär aus dem Urnerland!

  • Jakob Braidt am 04.04.2019 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Das einzige Richtige. Das spart Kilometer wenn die Brauerei in Sichtweite liegt.