Infusionsbeutel statt Kugeln

03. Dezember 2018 05:47; Akt: 03.12.2018 05:47 Print

Blut-Weihnachtsbaum als wütender Protest

Eine Interlakner Künstlerin sorgt mit ihrer Kunstinstallation erneut für Aufregung: Anstatt Weihnachtskugeln, schmücken 500 Blutinfusionsbeutel den Baum.

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Am 1. Dezember erleuchtete auf dem Turbinenplatz in Zürich ein aussergewöhnlicher Baum: Von weitem leuchtet der 6,5 Meter hohe Christbaum schön rot-violett. Doch wenn man ihn von näherem betrachtet, fällt einem zuerst die Kinnlade herunter. Insgesamt schmücken 500 Infusionsbeutel den Baum.

Der «blutige» Weihnachtsbaum von Barbara Kiener aus Interlaken hat bereits Diskussionen ausgelöst. Erste Reaktionen waren positiv, die Aktion wird aber auch als makaber bezeichnet. Die Künstlerin gibt zu, dass es doch eher provokant sei, gerade in der Weihnachtszeit, einen solchen Baum auszustellen.

Blutige Adventszeit

Die Botschaft hinter dem Baum erläutert die Bernerin Kiener gegenüber 20 Minuten: «Mit dem Baum will ich die blutige Schattenseite unseres Konsums während der Adventszeit darstellen». Vor allem spiele der erhebliche Fleischkonsum eine grosse Rolle. «Ich stelle nicht nur die Gesellschaft an den Pranger, sondern betrachte mich auch als mitschuldig», so die Künstlerin. Sie sei sich bewusst, dass selbst sie eine persönliche Mitschuld an Gewalt, Krieg und Tierleid habe.

Aber verschwendet sie denn nicht kostbare Blutreserven? Nein, denn das Blut in den Beuteln an der Tanne ist nicht echt. Die Interlakner Künstlerin versicherte gegenüber 20 Minuten, dass es nur eine eine rot gefärbte, blutartige Flüssigkeit sei.

Echtes Blut sollte aber doch noch zum Einsatz kommen. Am Sonntagabend um 17 Uhr kündigte Barbara Kiener im Cabaret Voltaire in Zürich eine exklusive Vorstellung an: Dabei wollte die Künstlerin zuvor abgezapftes Eigenblut vor schockiertem Publikum gurgeln. Dies, währenddem sie 50 Wörter aufzählt, die ihre Mitschuld bestätigen.

Nicht die erste provokante Aktion

Es ist nicht das erste Mal, dass Kiener mit ihrer Kunst für Aufsehen sorgt. Vor einem Jahr stellte sie in der multikulturellen Tourismus-Metropole Interlaken einen Christbaum mit dem provokanten Spruch «No God No War» aus.

Der aktuelle Baum steht bis zum 27.Dezember auf dem Zürcher Turbinenplatz. Die Interlaknerin ergriff Eigeninitiative und fragte die Stadt Zürich für ihr Projekt an, die sie sehr offen empfangen habe. Hinter der Idee steht nicht nur Provokation, sondern auch grosse Arbeit. Die Installation wurde von vier Personen während neun Stunden aufgebaut.

(pal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dumby am 03.12.2018 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst Verständnis

    Hatte Kunst nicht mal was mit Können zu tun? OK vielleicht bin ich ein Banause und Provokation ist Kunst.

    einklappen einklappen
  • Typhoeus am 03.12.2018 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Gag

    Wird heute schnell als moderne Kunst gewertet.

  • Typhoeus am 03.12.2018 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser dafür den Begriff

    komische Kunst verwenden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tobi Brunner am 03.12.2018 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ob das jetzt unter Kunst geht oder nicht, ist doch sowas von egal, die Message ist wichtig.

  • Marion am 03.12.2018 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Stellt euch vor, keiner geht hin

    Stellt Euch vor, Kiener macht Performance und keiner geht hin!!

  • Madam am 03.12.2018 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so toll

    Solche Kunst ist nicht mein Ding, ich finde es eklig. Ich glaube auch nicht, dass Provokationen die Menschen zum umdenken bewegen, im Gegenteil.

  • andreas am 03.12.2018 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötige Erziehungsmassnahmen

    Muss ich mich tatsächlich von einer Künstlerin erziehen lassen? Denke nicht! Ich arbeite für mein Geld und darf damit machen was ich will. Ich kassieren keine Subventionen, wie Madame Künstlerin.

    • EmanuelX am 03.12.2018 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @andreas

      Offenbar funktioniert's!, sonst würdest du dich nicht aufregen! Kunst muss aufregen, anecken,berühren- abstossen! Tut die das nicht ist sie nur Dekoration!

    • Expat am 03.12.2018 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @andreas

      Absolut voll richtig, diese Künstler bringen nichts, wenn sie erfolgreich wären, bräuchten sie keine Subventionen vom Staat. Also, weg mit dem belehrenden Weihnachtsbaum und durch ein Werk ersetzen ohne Subvention, das der Mehrheit gefällt.

    • Frau am 03.12.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @andreas

      Sie haben etwas nicht verstanden. Kunst muss provozieren, spiegeln und abbilden. Dass ist ihr Auftrag.

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  • qwertz am 03.12.2018 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    wenn man sonst nichts kann...

    dann einfach mal provozieren. Mich dünkt wenn Künstler hauptsächlich durch Provokation und Schock aufzufallen versuchen dann ist das ein Indiz dafür dass diese Künstler weder Talent noch durch Fleiss und Übung entwickelte künstlerische Fähigkeiten haben. Provozieren und schockieren ist der billigste und einfachste Weg Aufmerksamkeit zu erzeugen. Diese Kiener ist in etwa ähnlich wie z.B. Milo Moiré, die kann nicht wirklich etwas, nur hübsch aussehen und sich ausziehen, aber von tatsächlicher Künstlerischer Schaffenskraft keine Spur.