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19. Januar 2015 18:12; Akt: 19.01.2015 18:29 Print

Bolivien will von Museum weitere Objekte zurück

Nachdem das Bernische Historische Museum (BHM) Bolivien die Ekeko-Statue zurückgegeben hat, bekommt das Andenland offensichtlich Lust auf mehr.

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Die Steinfigur aus Tiwanaku, wurde vom Berner Museum beteits nach Bolivien zurück gegeben, jetzt kündigte die bolivische Botschafterin an, weiter kulturelle Objekte zurückzufordern. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Die bolivianische Botschafterin in Deutschland und der Schweiz will vom Bernische Historische Museum (BHM) weitere Objekte zurückfordern. Botschafterin Elizabeth Salguero Carrillo schreibt in einer Pressemitteilung, es gehe um weitere Stücke der international bedeutenden Ausgrabungsstätte Tiahuanacu in Bolivien. Die Stücke seien - so nehme Bolivien an - illegal ausser Landes geschafft worden.

Die Botschafterin befolgt damit einen Appell des bolivianischen Staatspräsidenten Evo Morales. Er äusserte diesen Wunsch laut einem Newsletter auf der Internetseite der bolivianischen Botschaft in Berlin im Dezember des vergangenen Jahres. Damals feierte Morales auf einer Insel im bolivianisch-peruanischen Titicacasee die Rückkehr der Ekeko-Figur.

Es gelte, insgesamt 40'000 Kulturgüter weltweit zurückzuführen, sagte Morales laut dem Newsletter weiter. Salguero Carrillo wird darin mit den Worten zitiert, die Rückführung des Ekeko habe einen Prozess in Gang gesetzt, der es ermögliche, viele Kulturgüter in Museen, aber auch in privaten Sammlungen, «in die Heimat zurückzuführen.»

BHM weiss von nichts

Noch nichts von solchen Plänen weiss Jakob Messerli, Direktor des Bernischen Historischen Museums. Seinem Museum liege derzeit weder informell noch formell eine Bitte zur Rückgabe weiterer Objekte an den Andenstaat vor, sagte er am Montag auf Anfrage. Das BHM verfüge über eine Sammlung von 60'000 Objekten. Es sei davon auszugehen, dass dazu weitere Stücke aus dem heutigen Bolivien gehörten. Auch aus dem früheren Besitz von Johann Jakob von Tschudi gebe es Stücke im BHM, etwa Krüglein und Tonfragmente. Deren Herkunft sei aber mit Peru bezeichnet.

Die Ekeko-Figur gehörte ursprünglich diesem Schweizer Naturforscher. Von Tschudi erwarb sie 1858 unter Einsatz einer Flasche Cognac in Tiahuanacu von einem Einheimischen und brachte sie in die Schweiz. 1929 ging sie in den Besitz des BHM über.

«künftig in Bezug auf die Figur zusammenzuarbeiten»

Im Oktober 2014 gaben das BHM und die bolivianische Botschaft in Berlin in Bern bekannt, es sei eine Einigung erzielt worden und die Figur werde nun nach Bolivien zurückgeführt. Der Nachrichtenagentur sda liegt diese Vereinbarung nun vor. Darin steht unter anderem, dass sich Boliviens Museo Nacional de Arqueologia (Monarq) und das BHM verpflichten, «künftig in Bezug auf die Figur zusammenzuarbeiten, insbesondere in den Bereichen Konservierung, Forschung und Vermittlung (inklusive Ausstellung).» Mit Bezug auf diesen Passus hat BHM-Direktor Messerli kürzlich in spanischsprachigen Medien kritisiert, dass Bolivien die Ekeko-Figur ohne Rücksprache mit Bern ins Zentrum einer Prozession stellen und an mehreren Orten des Landes zeigen will.

(sda)