Bootsunglück auf Neuenburgersee

29. April 2019 17:48; Akt: 29.04.2019 18:36 Print

Schiffbrüchige unterschätzten die Gefahr

Bei einem dramatischen Bootsunfall auf dem Neuenburgersee bei Cheyres FR konnten sich alle vier Insassen ans Ufer retten. Gerade das Wetter wird von Hobbykapitänen oft unterschätzt.

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Am Freitagabend kreiste ein Helikopter über dem Neuenburgersee. Was war passiert? Unweit von Yvonand, auf dem See vor dem Hafen von Cheyres FR, war kurz zuvor ein Motorboot in Seenot geraten und gekentert. Die Besatzung, zwei Männer und zwei Kinder, ging dabei über Bord.

Was in den nächsten Minuten passierte, kann derzeit niemand genau schildern. Fakt ist: Der Jüngere der beiden Männer, ein 31-Jähriger, konnte sich mit den Kindern im Alter von 8 und 9 Jahren ans Ufer retten. Vom 51-jährigen Mann jedoch fehlte zunächst jede Spur.

Das Trio schlug Alarm, umgehend rückte ein Suchtrupp aus. Erst nach Einbruch der Dunkelheit fanden die Suchenden den Schiffbrüchigen – geschwächt und unterkühlt am Ufer liegend. Der 51-Jährige wurde nach Payerne VD ins Spital gebracht. Er befindet sich ausser Lebensgefahr.

«Die hätten nicht rausfahren sollen»

«Glück im Unglück», meint ein Segler, der am Hafen von Estavayer stationiert ist. «Bei der herrschenden Wassertemperatur von nur 11 Grad Celsius hätte der Vorfall viel schlimmer ausgehen können.» Die Besatzung habe wohl die herrschenden Verhältnisse unterschätzt. «Es war bereits am Eindunkeln, zudem blies ein starker Wind über den Neuenburgersee – die hätten nicht mehr auf den See rausfahren sollen», meint der Mann.

Bei der Seepolizei tönt es ähnlich: «Am meisten unterschätzen Freizeitkapitäne das Wetter», sagt ein Sprecher der Kantonspolizei Fribourg. Gleich wie in den Bergen könne dieses schnell zu gefährlichen Situationen führen. «Eine mässige Bise zum Beispiel verursacht auf dem See bereits einen beachtlichen Wellengang. Wenn man da keine Erfahrung hat oder nicht geschult ist, kann das schnell zu einem grösseren Problem werden», sagt Sprecher Bernard Vonlanthen.

Tiefgang des Bootes oft unterschätzt

Ein weitere Tücke sind die Untiefen. «Viele unterschätzen den Tiefgang ihres Bootes oder haben schlicht keine Ahnung. Dann kann eine kleine Sandbank auch mal zu einem Hindernis werden und Boote kentern lassen, sofern der Wind stark genug ist», so Vonlanthen.

Die Polizei rät, vor jeder Ausfahrt das Wetter zu studieren, die vorgeschriebene Ausrüstung zu prüfen und die Rettungswesten immer anzuziehen. Bei Starkwindwarnungen (oranges Licht leuchtet ungefähr 40 Mal pro Minute auf) und Sturmwarnungen (oranges Licht leuchtet ungefähr 90 Mal pro Minute auf) müsse man sich und die Passagiere in Sicherheit bringen.

(miw)