Bielersee

14. Dezember 2011 09:20; Akt: 14.12.2011 11:52 Print

Bootsunglück-Anklage erst nächstes Jahr

Die Anklageerhebung im Fall des Bootsunglücks auf dem Bielersee verzögert sich. Grund ist ein noch ausstehendes Gutachten. Im Juli 2010 wurde eine 24-jährige Frau von einem Boot überfahren.

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Am Abend des 11.7.2010 sind Stephan F. und Angela A. mit einem Gummiboot in der Nähe der St. Peterinsel im Bielersee unterwegs. Plötzlich rast ein Motorboot auf das Pärchen zu. Trotz Rufen und Handzeichen der beiden ändert das Motorboot seine Richtung nicht. Um sich zu retten, springen die beiden ins Wasser. Stefan F. kann sich in Sicherheit bringen, seine Freundin wird von der Schiffsschraube erfasst und getötet. Der Fahrer flüchtet. 13.7.2010: Eineinhalb Tage nach dem Unfall sind bei der Polizei Dutzende Hinweise eingegangen. Gesucht wird ein wein- oder alt-bordeauxrotes Schiff, das dem Typ «Boesch» oder «Pedrazzini» ähnlich ist. Der Bootsführer wird als 55- bis 65-jähriger Mann mit einer leichten Stirnglatze beschrieben. An Bord des Schiffes dürften sich weitere Personen aufgehalten haben. 14.7.2010: Die Polizei weiss nicht, in welchem Kanton das Boot immatrikuliert sein könnte. Es wäre auch denkbar, dass der Bootslenker sein Schiff noch am gleichen Abend aus dem Wasser gezogen und abtransportiert hat. Das hätte er bei einer Auswasserungsstelle tun müssen (siehe Karte). Zudem ist der Bielersee mit dem Neuenburger- und dem Murtensee verbunden. Über die mögliche Ursache des Unfalls wird spekuliert. Bootsbesitzer vom Bielersee berichten von Sauforgien auf dem See. Stephan F., der Freund der Verstorbenen, wendet sich derweil an den Todesfahrer: «Stell dich, damit Angela und ihre Familie Ruhe finden können.» 15.7.2010: Ein wichtiger Hinweis? Eine Bieler Motorbootlehrerin, die glaubt, das Boot am Tag der Tat im Bieler Hafen gesehen zu haben, meldet sich bei der Polizei. Ihre Beschreibung passt auf die Täterbeschreibung. 19.7.2010: Stephan F. ist an einem ruhigen Ort untergetaucht. Der Fokus richtete sich derweil auf einen gewissen Michel B. Er ist der Mann, den die Bieler Bootslehrerin gesehen hat. Vier Tage lang galt er als Hauptverdächtiger. Doch er sagt: «Ich bin unschuldig und habe ein reines Gewissen.» 28.7.2010: Beim Campingplatz Sutz transportiert die Seepolizei mit einem Schleppkahn ein verdächtiges Boot ab. Es handelt sich um ein 25-jähriges Motorboot vom Typ «Boesch». 30.7.2010: Der Verdacht erhärtet sich: Die Polizei bestätigt, dass gegen den 74-jährigen Mann Tatverdacht besteht und sein Boot abtransportiert wurde. Er und seine beiden Begleiterinnen, die am fraglichen Sonntag auf dem See unterwegs waren, bestreiten, mit dem Unglück etwas zu tun zu haben. Der Mann steht laut Polizeiangaben aber «im Zentrum der Ermittlungen».

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Wegen eines ausstehenden Gutachtens wird im Fall des Bootsunglücks auf dem Bielersee erst im kommenden Jahr Anklage erhoben. Der Tat dringend verdächtigt wird ein 74-jähriger Mann aus der Region.

Im Laufe des Verfahrens wurden mehrere Gutachten in Auftrag gegeben, das letzte im vergangenen Frühling, wie die regionale Staatsanwaltschaft und die Berner Kantonspolizei am Mittwoch mitteilten. Die Resultate wurden ursprünglich für diesen Herbst angekündigt.

Da die Untersuchungen technisch aber sehr aufwendig sind, dürften die Resultate erst im ersten Quartal 2012 vorliegen, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Die Staatsanwaltschaft wird erst nach Vorliegen dieser Angaben und dem Einhalten weiterer Fristen Anklage erheben können. Damit ist nach Angaben der Behörden nicht vor dem zweiten Quartal 2012 zu rechnen.

Am 11. Juli 2010 hatte ein Boot im Bielersee eine 24-jährige Frau überfahren. Deren Beine wurden von der Motorschraube der Jacht zerfetzt. Während die Frau verblutete, fuhr der Motorbootfahrer weiter, ohne sich um das Opfer zu kümmern. Der mutmassliche Täter betonte stets, er habe bei der Bootsfahrt nichts Aussergewöhnliches bemerkt.

(sda)