Streit bei Billettkontrolle

22. Januar 2020 04:44; Akt: 23.01.2020 15:59 Print

«Wir wurden als Tschinggen beschimpft»

Ein Vater behauptet, er und sein Sohn seien von Ticket-Kontrolleuren beleidigt worden. Postauto widerspricht vehement.

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Die Berner Kantonspolizei musste am Montagnachmittag zur Bushaltestelle Säge in Ringgenberg BE ausrücken. Grund war eine verbale Auseinandersetzung zwischen einem Vater und zwei Kontrolleuren. Beide Seiten reichten daraufhin Strafanträge wegen Beschimpfung ein, wie die Polizei auf Anfrage bestätigt. Doch was genau passiert ist, darüber gehen die Versionen stark auseinander.

Jene von Vater D. M.* (44) geht so: Sein zehnjähriger Sohn L., der an einer Lernbehinderung leide und motorisch beeinträchtigt sei, sei in Ringgenberg ins Postauto gestiegen. Er habe von der Post bis zur Säge fahren wollen, die nur eine Station entfernt liegt.

«Man stellt keinen 10-Jährigen an Pranger»

«Weil mein Sohn ziemlich langsam ist, dauert es immer ein Weilchen, bis er seine Mehrfahrtenkarte abgestempelt hat», sagt M. Kaum im Bus, sei der Bub kontrolliert worden. Er habe den beiden Beamten versichert, dass er seine Karte eben habe entwerten wollen. Doch die Erklärung liessen sie nicht gelten: Bei der Haltestelle Säge nahmen sie die Personalien von L. auf und stellten ihm eine Busse in Höhe von 100 Franken aus.

Als der Vater ebenfalls vor Ort ging, kam es zum verbalen Schlagabtausch. M. behauptet, die Kontrolleure hätten sich dabei rassistische Entgleisungen geleistet: «Sie sagten, bei Tschinggen sei es halt normal, dass sie kein Billett lösen», so der Italiener, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist. Da sei auch er laut und beleidigend geworden, gibt er zu.

Der Vater wirft den Beamten ferner mangelndes Fingerspitzengefühl vor: Seiner Ansicht nach hätte es gereicht, den Buben zu ermahnen, nächstes Mal sein Billett schneller zu entwerten. «Man stellt doch kein zehnjähriges Kind mit einer Lernschwäche an den Pranger.»

Postauto weist Vorwürfe zurück

Postauto widerspricht der Darstellung von M. vehement: «Gemäss ihren glaubwürdigen Aussagen haben sich die Kontrolleure in keiner Art und Weise rassistisch gegenüber dem Sohn oder seinem Vater geäussert», sagt Sprecherin Katharina Merkle. Ausserdem sei das Vorgehen bei der Kontrolle korrekt gewesen: «Der Fahrgast hatte keinen gültigen Fahrausweis und hätte Zeit gehabt, sein Ticket zu entwerten.» Die Kontrolleure hätten wegen Beleidigung einer Amtsperson, notabene ein Offizialdelikt, Anzeige gegen M. erstattet.

Die Ticketkontrolleure hätten bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen den Auftrag, den Tarif anzuwenden, so Merkle weiter. Bei Minderjährigen ohne gültigen Fahrausweis gehe das Personal jedoch besonders behutsam vor; man wolle sie schliesslich nicht erschrecken. Merkle: «Unsere Kontrolleure sind keine Rambos.»

Die Busse seines Sohnes wird M. zähneknirschend begleichen. Um unangenehme Vorfälle wie den vorliegenden künftig zu vermeiden, will er seinem Sohn ausserdem ein Jahres-Abonnement für den Bus kaufen.

*Name der Redaktion bekannt

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 22.01.2020 05:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Zeugen?

    Aussage gegen Aussage... gibt es keine Zeugen?

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  • Swiss ship yard am 22.01.2020 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fall ist klar

    Eine Person welche auf Grund von Behinderung kein Billet lösen kann braucht entweder Begleitung oder ein Abo. Es steht nirgendwo, dass Behinderte gratis transportiert werden. Auf beiden Seiten sollte man Sachlichkeit erwarten können.

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  • Ichindda am 22.01.2020 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    ich habe ein GA, mir kann also nichts "Passieren". Aber ich musste schon öfters feststellen dass manche Kontrolleure jegliches Augenmass vermissen lassen. Da werden dann manchmal die eigenen Schwächen und Fehler an schwächeren ausgelassen, und da man ja nicht zugeben kann, menschlich und moralisch falsch gehandelt zu haben, versteckt man sich hinter Paragraphen. Konkret zum vorliegenden Fall kann ich natürlich nichts sagen, wahrscheinlich hat ein Wort das andere gegeben, und wie üblich das Augenmass gefehlt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vielfahrer am 22.01.2020 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mal für die Kontrolleure

    Ich fahre seit 25 Jahren täglich Zug und erlebe auch entsprechend viele Kontrollen. Das Personal ist dabei eigentlich immer freundlich. Wenn es eskaliert ist dann war es bisher immer von jemandem ohne Billet ausgegangen. Ich konnte aber auch sehr viel Kulanz beobachten. Ein Schüler hatte immer Morgens, Abends, Morgens, Abends... gestempelt und es halt einmal vergessen. Er tat mir richtig leid als er es gemerkt hat. Ohne Ausrede und Lüge hat er es gleich dem Kontrolleur erklärt. Es gab keine Busse sondern die Bitte nach dem Aussteigen "Nachzustempeln". Ich bin sicher er hats gemacht.

  • D.Z. am 22.01.2020 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuldeingeständnis

    Schon komisch, er bezahlt die Busse, also für mich ist das ein Schuldeingeständnis, das er im Unrecht ist, und die Busse zu recht erhoben wurde.

  • Manuel am 22.01.2020 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Abstoßend

    Es ist traurig zu lesen das bei diesen Fall wie bei viele de Komentare, sich alles um das Geld dreht, ein 10 jährige, behindertes Kind, mit eine Stempelkarte im Sack, wird gebüsst mit 100. und als Schwarzfahrer gestempelt , die Gestapo hat sich humaner verhalten. Man sollte nicht verteidigen wollen was man als Mensch abstoßend findet...

  • monika am 22.01.2020 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fall ist nicht ganz klar

    Manchmal ist es auch gut wenn man nach den in den Berichten angegebenen Namen googelt.

  • Phistech am 22.01.2020 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer war dabei?

    Da werden ein Kind, ein Vater und zwei Buskontrolleure je nach Meinung der geneigten User angegangen. Einmal hat der Schuld und das andere Mal der andere. Wenn es ja soviel Zeugen gab, sollte die Sache leicht zu klären sein. Oder wart ihr erwa gar nicht dabei?