Uhrmacher-Altlasten

08. Januar 2016 11:30; Akt: 08.01.2016 16:23 Print

Bund muss radioaktive Häuser sanieren

Zahlreiche Gebäude im Jurabogen sind radioaktiv verseucht. Sie müssen dekontaminiert werden. Die Kosten von rund 5 Mio. Franken trägt der Bund.

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Durch die radioaktive Leuchtfarbe, die bis 1963 verwendet wurde, wurden viele Häuser verseucht. (Bild: Symbolbild) (Bild: Keystone/Jean-christophe Bott)

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Insgesamt 500 Gebäude in Biel, La Chaux-de-Fonds, Neuenburg und weiteren Gemeinden könnten gemäss dem Bund radioaktiv verstrahlt sein. Die Ursache: Bis 1963 kam in der Uhrenindustrie radioaktive Leuchtfarbe zum Einsatz, die Radium-226 enthielt.

Vergangenen März entdeckte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei Messungen in Biel eine kontaminierte Wohnung. Diese wurde zu dem Zeitpunkt als Kindertagesstätte benutzt, wie die «Berner Zeitung» schreibt. Doch bei dieser einen Wohnung sollte es nicht bleiben: Nach einer Kontrolle von 83 Häusern in den verschiedenen Regionen stellte sich heraus, dass mindestens 23 so stark verstrahlt sind, dass sie dekontaminiert werden müssen. Kostenpunkt: fünf Millionen Franken. Zahlen muss der Bund.

Auch Gärten betroffen

Alleine in Biel sind neun Wohnungen betroffen, acht in La Chaux-de-Fonds und sechs weitere in Grenchen, Neuenburg, Tavannes, Orpund und Kräiligen. Gemäss der Zeitung soll in den meisten Gebäuden jeweils eine Wohnung betroffen sein. Bei elf Gebäuden sind auch Gärten verstrahlt.

Der gesetzliche Grenzwert für radioaktive Strahlung beträgt ein Millisievert pro Jahr. Ein darüber liegender Wert kann das Krebsrisiko steigern. Um wie viel dieser in den kontaminierten Wohnungen überschritten wurde, ist unklar.

Rund 400 weitere Häuser unter Verdacht

Gemäss der «Berner Zeitung» will sich das BAG über mögliche Risiken, denen die nichtsahnenden Bewohner der Gebäude in den letzten Jahren ausgesetzt waren, nicht äussern. Laut BAG-Sprecher Daniel Dauwalder gab es keine «unmittelbare Gesundheitsgefährdung». Doch: Der Bund scheint die Angelegenheit sehr ernst zu nehmen. Acht der 23 Gebäude wurden bereits dekontaminiert.

Mehr Arbeit wartet aber bereits: 400 weitere verdächtige Gebäude stehen auf der Pendenzenliste der Strahlungsexperten. In den kommenden Monaten könnten also weitere kontaminierte Liegenschaften entdeckt werden.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PaSchi am 08.01.2016 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bund ?

    Und wiedo muss da der Bund bezahlen ? Hat der Bund jemals Uhren fabriziert. Oder funktioniert der Bund wieder einmal als wohltätige Institution ?

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  • Marco am 08.01.2016 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso der Bund..

    die Sanierung übernehmen muss ist mir nicht klar. Die Geschäfte haben ja private Firmen auf Bestellung der Uhrenindustrie gemacht. Wieso können da nicht Rolex, Rado, Omega, Eterna etc herangezogen werden da sie als Abnehmer und besteller bekannt sind. Sonst könnte der Bund ja bei den Eternit-Bauten gleich auch noch die Sanierungskosten übernehmen.

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  • Rot Kopf am 08.01.2016 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    In anderen Länder

    Werden Wirtschaftsbosse die grob fahrlässige Verunreinigungen verursachen zu drakonischen Strafen verurteilt. Bei uns müssen die nicht mal Schadenersatz leisten, das macht ja der Steuerzahler !!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mountainpixels2 am 08.01.2016 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bei Atomkraftwerken

    Der Bund bezahlt die Sarnierung wieso nicht der der es verursacht hat. Wie bei Atomkraftwerken der E Konzern bezahlt es nicht sondern der Bund.

  • Tobi am 08.01.2016 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DAS FÄLLT IHNEN...

    ...erst jetzt auf??? Nachdem es klar wurde, dass die radioaktive Farbe gefährlich ist, ists keinem in Sinn gekommen, das Gebiet mit einem Geiger-Zähler abzufahren?

  • clclcl am 08.01.2016 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verursacherprinzip

    Wo bleibt das Verursacherprinzip?

  • Sebastian am 08.01.2016 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht der Bund zahlt, sondern

    der Steuerzahler. Bundesgelder = Steuergelder. Alles klar? Verursacher werden nicht zur Kasse gebeten?

  • Remo Meier am 08.01.2016 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist es oder nicht.

    Ich möchte mal gerne wissen ob schon jemals in der Schweiz ein Krankheitsfall daraus entstanden ist. Ich glaube das es so kleine Mengen wären das es nicht relevant ist und ist es eigentlich nicht so das der Verursacher dafür belangt werden müsste oder gehören alle diese Liegenschaften der Eidgenossenschaft.