Hamsterkäufe

17. März 2020 18:18; Akt: 17.03.2020 18:18 Print

Zoff in Supermärkten – Polizei verstärkt Präsenz

Mancherorts ist die Stimmung in den Lebensmittelgeschäften gereizt, es kam schon zu Streitigkeiten. Die Berner Kantonspolizei erhöht ihre Präsenz, Aldi das Sicherheitspersonal.

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Hamsterkäufe gabs in den letzten Tagen und Wochen vermehrt – obschon der Bundesrat mehrfach betonte, die Versorgung der Schweiz sei sichergestellt. Bilder von Leser-Reportern und auf Social Media zeugen vom Kaufwahn. Zuweilen kam es gar zu Anfeindungen unter Kunden, wie die Mitarbeiterin eines grösseren Detailhändlers erzählt. «Wegen bestimmter Artikel prügeln die Leute fast aufeinander ein», sagt die junge Bernerin. Trotz einiger Gehässigkeiten verzeichnete die Berner Kantonspolizei in den letzten Tagen keine Einsätze in Lebensmittelgeschäften. Allerdings stünden diese unter besonderer Beobachtung, wie Sprecherin Jolanda Egger auf Anfrage sagt: «Wir sind nun vermehrt präsent bei jenen Geschäften, die noch offen sind.» Allerdings stünden diese unter besonderer Beobachtung, wie Sprecherin Jolanda Egger auf Anfrage sagt: «Wir sind nun vermehrt präsent bei jenen Geschäften, die noch offen sind», so Egger. Für Verwunderung sorgte am Dienstagmorgen eine Aldi-Filiale in Winterthur, die den Einkauf für bestimmte Waren wie Mehl, Zucker, WC-Papier und Milch auf maximal vier Stück pro Artikel beschränkte. Bei Aldi Suisse hiess es auf Anfrage, die Filiale habe eigenmächtig gehandelt. «Es gibt derzeit keine offizielle Anweisung, bestimmte Waren rationiert zu verkaufen», so Sprecher Philippe Vetterli. Im Ausland haben diverse Läden schon Massnahmen gegen die Hamsterkäufe getroffen, etwa in Deutschland. So zeigt die Facebook-Gruppe «Sie sagt es mit Bildern» eine Mitteilung an die Kunden, die am Fenster einer Aldi-Süd-Filiale klebt. Darauf heisst es, dass aufgrund der aktuellen Situation von einzelnen Artikeln nur zwei Stück pro Einkauf abgegeben werden könnten. Gemäss der Plattform Merkur.de haben auch DM und Edeka die Stückzahl bei bestimmten Artikeln beschränkt. Wie beim deutschen Discounter sind auch bei der Migros Einkaufsbeschränkungen zurzeit kein Thema.

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Die Versorgung der Schweiz mit Nahrungsmitteln und Medikamenten sei sichergestellt, Notvorräte anzulegen sei nicht nötig: Gesundheitsminister Alain Berset warnte bei der Medienkonferenz am Montag, als der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» erklärte, einmal mehr davor, in Panik zu verfallen.

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Die Botschaft der Landesregierung kam offenbar aber nicht bei allen an. Vermehrt ist es in den letzten Tagen in der ganzen Schweiz zu Hamsterkäufen gekommen, davon zeugen zahlreiche Bilder leerer Regale in den sozialen Medien. Mancherorts hat die angespannte Lage gar zu Anfeindungen zwischen Kunden geführt.

Monstereinkäufe und Handschuhträger

«Wegen bestimmter Artikel prügeln die Leute fast aufeinander ein», erzählt die Angestellte eines grossen Detailhändlers, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die Stimmung sei gereizt: Mehrfach habe sie schon beobachtet und auch von Arbeitskolleginnen vernommen, dass sich Konsumenten gegenseitig anschnauzten und wenig Rücksicht aufeinander nähmen, so die junge Bernerin.

Es gebe jene, die nur ein bisschen mehr kaufen als sonst, andere aber würden in Panik verfallen und Monstereinkäufe tätigen. «Manche Kunden kommen sogar mit Handschuhen in den Laden und packen die Artikel einzeln in Plastiksäckli ab. Wenn ich sie dann zum Scannen rausnehmen muss, werde ich zusammengestaucht», sagt die Angestellte. Auch sei sie schon angegiftet worden, weil kein Desinfektionsmittel mehr vorhanden war.

Noch keine Polizeieinsätze, aber ...

Trotz einiger Gehässigkeiten verzeichnete die Berner Kantonspolizei in den letzten Tagen keine Einsätze in Lebensmittelgeschäften. Allerdings stünden diese unter besonderer Beobachtung, wie Sprecherin Jolanda Egger auf Anfrage sagt: «Wir sind nun vermehrt präsent bei jenen Geschäften, die noch offen sind.» Dies, um bei allfälligen Auseinandersetzungen eingreifen zu können und grössere Menschenansammlungen zu verhindern.

Bei der Kantonspolizei Solothurn halten sich die Kontrollen aktuell «im Rahmen der ordentlichen Patrouillentätigkeit oder aufgrund entsprechender Hinweise», sagt Sprecherin Astrid Bucher. Jedoch könne sich je nach Entwicklung «die Einsatzdoktrin der Polizei relativ rasch ändern». Man überprüfe die Lage laufend.

Aldi: «Keine offizielle Anweisung für Rationen»

Für Verwunderung sorgte am Dienstagmorgen eine Aldi-Filiale in Winterthur, die den Einkauf für bestimmte Waren wie Mehl, Zucker, WC-Papier und Milch auf maximal vier Stück pro Artikel beschränkte. Ein Schreiben am Eingang des Discounters wies auf die neue Regelung hin. Bei Aldi Suisse hiess es auf Anfrage, die Filiale habe eigenmächtig gehandelt. «Es gibt derzeit keine offizielle Anweisung, bestimmte Waren rationiert zu verkaufen», so Sprecher Philippe Vetterli. Das Plakat wurde inzwischen entfernt.

Aldi räumt jedoch ein, dass in seinen Filialen schweizweit eine erhöhte Nachfrage nach Produkten aller Art herrsche. «Seit der Kommunikation des Bundesrates am Freitag ist diese Entwicklung nochmal deutlich markanter geworden», sagt Vetterli. Besonders gefragt seien Milch, Konserven und Hygieneartikel. Zwar sei es zu ersten Lieferschwierigkeiten gekommen, insbesondere von italienischen Lieferanten, die einzelnen Ausfälle könne man bis dato aber mit Alternativartikeln gut abdecken, so Vetterli.

Mehr Sicherheitspersonal

In einzelnen Aldi-Filialen im Tessin und im Kanton Basel-Landschaft ist der Andrang derart gross, dass Aldi dort zusätzliche Sicherheitsleute engagiert hat. Diese sollen auf die Einhaltung des Mindestabstandes zu den Mitmenschen hinweisen und – wenn nötig – den Kundenandrang etwas regulieren, so Vetterli.

Wie beim deutschen Discounter sind auch bei der Migros Einkaufsbeschränkungen zurzeit kein Thema. «Wir werden auch in den nächsten Woche laufend nachliefern und die Regale auffüllen», sagt Sprecher Marcel Schlatter. Auch bei Coop lässt sich weiter ohne Stückzahl-Obergrenzen einkaufen. Man zähle auf das Verständnis und die Vernunft der Kunden, so Coop-Sprecherin Marilena Baiatu.

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grisuu am 17.03.2020 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre genug für alle da ohne Hamsterer...

    Wir im Verkauf setzten uns jeden Tag mehreren 1000Kunden aus ohne zu wissen ob die Person die vor uns steht den Virus in sich trägt oder nicht. Wir sind auch verunsichert und werden lediglich mit Desinfektionsmittel täglich auf die Kunden losgelassen die im Laden husten, niessen, die Ware betatschen und dan doch wieder zurück ins Gestell SCHMEISSEN als wäre es nichts wert. Ich verstehe einfach nicht wie die Menschen auf einmal so sein können. Ich habe die grösste Ehrfurcht für alle Verkäufer/innen und Pflegepersonal welche in dieser Notlage weiter fubktionieren und ihren Job weiterhin machen. Leute hört auf zu Hamstern und durch zu drehen, es ist genug für alle da. Meine Güte.

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  • DerSteven am 17.03.2020 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Genau in solchen Situationen zeigt sich der wahre Charakter einer Person.. Manches ist einfach nur traurig.

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  • Daysi am 17.03.2020 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hamsterkäufe

    Heute Morgen wollte ich für meine Schwiegereltern einkaufen gehen. Ich war kurz nach 8:30 Uhr in der Migros und bereits waren die Regale schon wieder leer! Es kann doch nicht sein, dass jeder nur an sich denkt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mery am 17.03.2020 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Hamsterkäufe

    Da muss man sich ja fremdschämen!!!

  • Trau Rick am 17.03.2020 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoistisch = negativ :-(

    Es ist sehr traurig zu sehen wie Leute so viel nur an sich denken können. Diese aktuelle Situation zeigt exakt wie die Leuten in diese kleine 8mio CH Gesellschaft nicht untereinander und zusammen halten können. Es hätte genug für alle, wenn man nur einmal sich nicht egoistisch verhalten würde! Warum muss man 20Kg Mehl kaufen? Um einen ganzen Wohnhaus für eine längere Zeit mit selbst gemachte Brot zu ernähren. Sicher nicht... Und warum kauft man so viele WC-Papiere? Brauchen solchen Personen in Wirklichkeit 40-50 Klopapier Blätter, damit es wieder sauber ist! Wirklich traurig, mehr nicht! :(

  • Ueli am 17.03.2020 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Absehbar

    Ein Bild das die Realität für ein miteinander zeigt. Schaut man die Entwicklung der letzten Jahre in D er Schweiz an, wundert mich nichts mehr.

  • Mister STE am 17.03.2020 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man es kann

    Seit den "Hamsterkäufen" kann es sehr wohl örtlich, regional eingegrenzt werden, welche Läden immer wieder davon betroffen sind. Und jeder Mensch ist sich seines am nächsten, so sind wir einfach. Aber ja, ich habe heute nach einem Paletten Rollwagen verlangt, weil ich mit allen Tomatensaucen an die Kasse wollte. Es wäre kein Problem gewesen. Wenn so jeder mit 4 Einkaufswagen "Toilettenpapier" an die Kasse kann und damit durchkommt, wird sich natürlich der Detailhandel darüber freuen!! Und so läuft es mit fast allem. Man muss sich selber in die Pflicht nehmen, aber doch auch der Detailhandel.

  • Der büetzer am 17.03.2020 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Keine panik

    Ich bin an der Quelle in d der lebensmittellogistik und ich versichere euch es gibt genug für alle :) hört mal auf mit diesen Einkäufen... Wir sind fast 24 x 7 non stop dran... Zu kurz kommt mit Sicherheit keiner... Entlastung für uns wäre auch mal schön P. S WC Papier kann man nicht ESSEN