Wildwest-Szene im Kanton Bern

26. September 2019 14:48; Akt: 26.09.2019 14:57 Print

Gefängnis für Bauern, weil sie Dieb misshandelten

Bei einem Einbruch in die Hanfplantage eines Berner Landwirts eskalierte die Situation. So wurden nun nicht der Dieb, sondern die Besitzer verurteilt.

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Im Oktober 2016 wurde eine Hanfplantage in Niedermuhlern BE von Dieben heimgesucht. Die Hanfbauern ertappten die Einbrecher in flagranti – dann eskalierte die Situation auf dem Hof: Die Bauern griffen einen Einbrecher brutal an. Das Regionalgericht Bern entschied am Donnerstagnachmittag deshalb, dass der Landwirt und sein Kollege dabei nicht die Opfer, sondern vor allem die Täter waren: «Wir sind hier nicht im Wilden Westen, Selbstjustiz ist keine Lösung», rügte die Richterin die beiden Berner.

Der 54-jährige Hauptangeklagte, der graue Haare hat und einen Schnurrbart trägt, wurde deshalb am Donnerstagnachmittag von der Richterin zu 32 Monaten Haft – 12 Monate davon unbedingt – verurteilt. Dies wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Nötigung und Verstössen gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz. Sein Kollege erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Dies ebenfalls wegen Körperverletzung, Nötigung und Gehilfenschaft dazu. Beide müssen dem vermöbelten Einbrecher Schadensersatz im vierstelligen Bereich bezahlen.

Verfolgungsjagd durchs Hanffeld

Die Richterin meinte zudem: «Auch das angebliche Opfer sollte auf der Anklagebank sitzen.» Diesem wird in einem anderen Verfahren der Prozess gemacht. Bei der vorgängigen Verhandlung am Dienstag erhob der Hanfdieb nun in der Rolle des Klägers schwere Vorwürfe gegen die Beschuldigten.

Der verurteilte Landwirt, dem das Land gehört, bewachte an jenem Abend zusammen mit dem ebenfalls verurteilten Kollegen das Feld. Als sie den Dieb und seine Komplizen in flagranti erwischten, eskalierte die Situation vollends. Die Eindringlinge wurden vom Bauern durch das gesamte Hanffeld gejagt. Zunächst schoss der Landwirt mit Gummischrot auf die Diebe, später gar mit Bleischrot.

Dieb sagt: «Ich fühlte mich in Lebensgefahr»

Einer der Eindringlinge, der aktuelle Kläger, wurde von den Bauern gefasst und mit dem Gewehrkolben und einem Baseballschläger verprügelt. Dann fesselten sie ihn mit Kabelbindern, hievten ihn auf einen Pick-up und steckten ihn für zwei Stunden in den Keller ihres Hofes. Seine Komplizen versuchten ihn schliesslich aus dem Keller zu befreien. Da kam es zu einer weiteren gewalttätigen Auseinandersetzung mit dem Landwirten. «Ich fühlte mich in Lebensgefahr», sagte der Kläger vor Gericht aus. Doch die beiden Bauern fühlen sich nicht schuldig, vor dem Gericht zeigten sie keine Reue.

(km / miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Päpu am 26.09.2019 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird düster

    Soweit sind wir in der Schweiz. Diebe, Schläger und Millionenbetrüger werden geschützt. Ständerat ist gegen das Vermummungsverbot und Randalierer. Grund: In den genannten Kreisen sind sie eventuell (oder Bekannte) selber verwickelt. So wird es auch in der Zukunft keine Ruhe in de Stadien und bei Demonstrationen geben. Es wird immer schlimmer in der hochgelobten Schweiz.

  • SSch am 26.09.2019 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..........

    Ja so ist es in der Schweiz.Ist ein Einbrecher im Haus,lass ich ihm noch ein Vollbad ein.Danach bekommt er noch etwas zu Essen und trinken.Am Schluss trag ich ihm mein Schmuck und alles was er zusammengestohlen hat,zu seinem gestohlen Auto.Natürlich lass ich ihm genügend Zeit für die Flucht,dann ruf ich erst bei der Polizei an.Sonst könnte er sich genötigt fühlen,falls ihn die Polizei jagt:))

  • marco am 26.09.2019 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Helden

    Die beiden Bauern sollten meiner Meinung nach eine Auszeichnung erhalten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cacalari am 27.09.2019 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Justiz?

    Ja, genau solche Entscheide fördern und legalisieren Vergehen. Nicht die Folgen sondern die Auslöser sollten verurteilt werden, dafür sind unsere Gesetze doch da.

  • Xavi am 26.09.2019 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer war auf welchem Grundstück

    Täterschutz. Wieder einmal.

  • payassli am 26.09.2019 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Räuber härter anfassen

    Ja aber hallo. Die Diebe gehören eingelocht und des Landes verwiesen. Das sie erwischt werden ist ihr Risiko und die Abreibung auch.

  • Eidg.Bürger am 26.09.2019 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neu

    Das urteil ist falsch und ich lehne dies ab als CH bürger! Richtiges Urteil: 12 monate gefängniss bedingt, davon 6 monate wegen betäubungsmittelgesetz und 6 monate weil er noch zuwenig hart mit dem einbrecher umgegangen ist. Alle kosten dem einbrecher wälzen und 1 jahr haft dann abschiebung lebenslang! Anklage gegen richterin muss folgen wegen verharmlosung der taten.

  • Päpu am 26.09.2019 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird düster

    Soweit sind wir in der Schweiz. Diebe, Schläger und Millionenbetrüger werden geschützt. Ständerat ist gegen das Vermummungsverbot und Randalierer. Grund: In den genannten Kreisen sind sie eventuell (oder Bekannte) selber verwickelt. So wird es auch in der Zukunft keine Ruhe in de Stadien und bei Demonstrationen geben. Es wird immer schlimmer in der hochgelobten Schweiz.