Rechtes Gipfeltreffen

10. Oktober 2018 18:42; Akt: 15.10.2018 14:05 Print

Prominente Neonazis wollen sich in Bern treffen

Die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) trifft sich am 1. Dezember im Kanton Bern zum Parteitag. Eingeladen wurde neben anderen auch der US-Neonazi Richard Spencer.

Bildstrecke im Grossformat »
Am 1. Dezember will sich die Pnos (Partei der national orientierten Schweizer) im Kanton Bern zum Parteitag treffen. Eingeladen ist unter anderem Richard Spencer. Er ist Verfechter der White Supremacy und Verbreiter der ultrarechten Alt-Right Bewegung. Er proklamiert in zahlreichen Reden die Überlegenheit der weissen Rasse. Aufgrund seiner Ideologien hat Spencer aktuell eine Einreisesperre in allen 26 Schengenländern, inklusive der Schweiz. Die ultrarechte Alt-Right-Bewegung von Spencer demonstrierte auch im letzten Jahr in der US-Stadt Charlottesville. Zusammen mit bewaffneten White Nationalists und White-Supremacy-Anhänger demonstrierten sie gegen einen Entscheid der Stadt, ein Reiterstandbild des konföderierten Generals Robert E. Lee zu entfernen. Ein Rechtsextremer fuhr in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete eine junge Frau. Zum Fall Spencer meint Pnos-Präsident Dominic Lüthard: «Von dieser Einreisesperre wissen wir nichts.» Falls Spencer nicht in die Schweiz kommen könne, habe man bereits einen Plan B: «Dann werden wir ihn per Videoschaltung in die Sitzung integrieren.» Die Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage gegenüber 20 Minuten, dass man Kenntnis von der umstrittenen Veranstaltung im Dezember habe. Polizeisprecherin Franziska Liniger: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, weitere Angaben zu machen.» Im Grundsatz würde eine solche Veranstaltung im Vorfeld wie alle anderen behandelt. (Symbolbild) Tamara Funicello (Juso) meint: «Die Behörden müssen nun aktiv werden und diesen Auftritt verhindern, das ist ihre demokratische Pflicht. Richard Spencer vertritt eine faschistische Ideologie, die wir in der Schweiz nicht tolerieren dürfen. Die Meinungsfreiheit hört da auf, wo sich Leute für ethnische Säuberungen aussprechen». Benjamin Fischer (JSVP): «Ich halte nichts von diesem Spinnerkabinett, das sich hier treffen will. Aber sie sollen in der Schweiz reden dürfen. Ich schätze die Redefreiheit als hohes Gut in unserem Land ein. Auch ein Richard Spencer soll seine Meinung öffentlich äussern dürfen, solange er nicht zu Gewalt aufruft. »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie teilen sich rassistische Ideologien, liebäugeln mit braunem Gedankengut und glauben an die «Überlegenheit der Weissen»: Am 1. Dezember soll in der Region Bern ein Gipfeltreffen umstrittener Politiker und Aushängeschilder der rechtsextremen Szene aus der ganzen Welt stattfinden.

AfD, Eric Weber und Konsorte

Gastgeberin ist die rechtsextreme Partei Partei national orientierter Schweizer (Pnos). Die Gäste sind etwa AfD-Mitglieder, ein Vertreter einer ungarischen Rechtsaussenpartei aber auch etwa der rechtsexetreme ehemalige Basler Grossrat Eric Weber. Aushängeschild des Treffens ist der US-Amerikaner Richard Spencer. Er ist Verfechter der White Supremacy und Verbreiter der ultrarechten Alt-Right Bewegung und proklamiert die Überlegenheit der weissen Rasse.


So stand er etwa auch in der US-Stadt Charlottesville an vorderster Front, als bewaffnete Neonazis, Ku-Klux-Klan-Mitglieder und White-Supremacy-Anhänger für Tumulte sorgten. Manch einer zeigte dabei den Hitlergruss. Zudem fuhr ein Rechtsextremer in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete eine junge Frau.

Dennoch: Die Pnos freut sich auf den Gast aus den Staaten, der bereits zum Pnos-Anlass namens «Europa Nostra II» zugesagt haben soll. Aufgrund seiner extremen Ansichten hat Spencer allerdings eine Einreisesperre in allen 26 Schengen-Ländern, auch in der Schweiz. Gegenüber 20 Minuten sagt der Pnos-Vorsitzende Dominic Lüthard: «Darüber wissen wir nichts». Falls Spencer nicht kommen könne, habe man bereits einen Plan B: «Dann werden wir ihn per Videoschaltung in die Sitzung integrieren.»

Angst vor Gegnern

Wo der Parteitag der Pnos stattfinden wird, will diese bewusst nicht bekanntgeben. Lüthard: «Wenn wir bereits im Vorfeld den Ort verraten würden, wäre die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleistet.» Er betont aber, dass man sich mit der Polizei im Vorfeld austausche und sich an die Auflagen halten wolle.

Die Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage gegenüber 20 Minuten, dass man Kenntnis von der umstrittenen Veranstaltung im Dezember habe. Polizeisprecherin Franziska Liniger: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, weitere Angaben zu machen.» Im Grundsatz würde eine solche Veranstaltung im Vorfeld wie alle anderen behandelt.

«Ich halte nichts von diesem Spinnerkabinett»

Dies sieht Tamara Funicello der Juso anders: «Die Behörden müssen nun aktiv werden und diesen Auftritt verhindern», so die linke Politikerin. Für sie ist klar: «Richard Spencer vertritt eine faschistische Ideologie, die wir in der Schweiz nicht tolerieren dürfen.»

Auch von Seiten der jungen SVP werden Bedenken laut: «Ich halte nichts von diesem Spinnerkabinett, das sich hier treffen will», sagt deren Mitglied Benjamin Fischer. Dennoch will er dem Rechtsradikalen keinen Maulkorb verpassen: «Auch ein Richard Spencer soll seine Meinung öffentlich äussern dürfen, solange er nicht zu Gewalt aufruft.»

Dem widerspricht Funicello: «Die Meinungsfreiheit hört da auf, wo sich Leute für ethnische Säuberungen aussprechen.»

(bho/miw/ehs)