Autofreier Bundesplatz und EM2008

06. Mai 2018 19:08; Akt: 07.05.2018 11:08 Print

Das alles ist Tschäppäts Vermächtnis

Er verlieh dem Amt als Stapi nicht nur Glanz, sondern hatte auch Visionen, die Bern weiterbrachten. Sein Nachfolger sagt: «Er schenkte Bern ein neues Selbstbewusstsein.»

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Tschäppät sass von 1991 bis 2003 ein erstes Mal und von 2011 bis zu seinem Tod ein zweites Mal für die SP im Nationalrat 1989 verhaftete Alexander Tschäppät damals in der Funktion des Untersuchungsrichters den Waffenhändler und reichste Mann der Welt, Adnan Kashoggi beim Frühstück im Schweizerhof. Er tat dies aufgrund eines Haftbefehls der USA, wobei er später in Amerika freigesprochen wurde. Alexander Tschäppät war von 2005 bis 2016 Berner Stapi. Hier eine Aufnahme von seinem Büro im Erlacherhof, in dem heute Alec von Graffenried amtet. Ein Vermächtnis von Tschäppät ist unter anderem der autofreie Bundesplatz. Hier setzt er am 24. Mai 2004 die erste Naturplatte. Am 1. August 2004 wurde der neugestaltete Bundesplatz offiziell eingeweiht – inklusive Wasserspiel. Alexander Tschaeppaet war sehr volksnah. Hier steht er nach einem Gewitter am Gurten Festival in einer Pfütze. Als bekennender YB-Fan posierte er auch gerne für Bilder mit anderen Fussballfans. Der Berner Stapi winkte mit dem Hut vor dem Bundeshaus während des traditionellen Neujahrsempfangs am 15. Januar 2014 in Bern. Eines seiner Errungenschaften war, dass er Bern als Sportstadt voranbrachte und grosse Anlässe in die Hauptstadt holen konnte. So gastierte zum Beispiel 2016 die Tour de France in Bern. 2009 holte er die Eishockey Weltmeisterschaft nach Bern. Hier jubelt Alexander Tschäppät neben Bundesrat Ueli Maurer den Davis-Cup-Tennisspielern zu. Teile des Davis Cup Europe/Africa wurden 2011 in der Postfinance Arena ausgetragen. Highlight war die Fussball-EM 2008: Drei Vorrundenspiele wurden im Stade de Suisse gespielt. Die Stadt war geradezu in einem Oranje-Fieber. Am 16. Januar 2017 übergab Alex Tschäppät seinem Nachfolger Alec von Graffenried im Berner Erlacherhof den Schlüssel für sein Büro im Erlacherhof. Fortan blieb er im Nationalrat immer noch politisch aktiv. An seiner Verabschiedung aus dem Stapi-Amt im Bernhübeli trug Tschäppät 2016 einen Indianerkopfschmuck. Das Leben genoss Alexander Tschäppät mit seiner Lebenspartnerin Christine Szakacs, hier fotografiert beim «Dinner politique» am Filmfestival in Locarno am 5. August 2016. Dann wurde bekannt, dass Tschäppät an Krebs leidet. In kürzester Zeit nahm er über 20 Kilogramm ab. Dennoch nahm er selbst krank noch an der Frühlingssession im Nationalrat teil. Er erlag dem Krebsleiden schliesslich am 4. Mai 2018. Die Abdankungsfeier findet am 17. Mai im Berner Münster statt, unweit vom Ort, wo Tschäppät bis wenige Tage vor seinem Tode noch politisch aktiv mitwirkte.

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«Viele kannten ihn als unterhaltsam, witzig, volksnah und äusserst begabten Redner, aber Alex war viel mehr als das», sagt Ursula Marti, Parteipräsidentin der SP des Kantons Bern, über Alexander Tschäppät, der am Freitag im Alter von 66 Jahren an seinem Krebsleiden gestorben ist. Die ganze Partei sei sehr traurig über den Tod des ehemaligen Berner Stadtpräsidenten.

«Er konnte in grossen Linien denken und hat früher als andere erkannt, wo man handeln muss, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Er war sehr intelligent und sah die Zusammenhänge, noch bevor die Auswirkungen sichtbar wurden.» Zum Beispiel habe Tschäppät die Idee der Hauptstadtregion Bern entwickelt. Marti: «Bern und die Agglo ist um einiges kleiner als etwa Zürich, Basel oder Genf, und trotzdem hat es Alex geschafft, dem Sonderfall Bern als politische Hauptstadt schweizweit einen hohen Stellenwert zu geben.»

Bern im Onranje-Fieber

Auch habe Tschäppät die Bern als Sportstadt gefördert. «Das war eine gezielte Strategie», so Marti. Zum Beispiel holte er 2016 die Tour de France, 2011 den Davis Cup, 2010 die Eiskunstlauf-WM und 2009 die Eishockey-WM nach Bern. Doch das war alles nichts im Vergleich zur Fussball-EM 2008, wo drei Vorrundenspiele im Stade de Suisse ausgetragen wurden: Wegen den Holländern war die ganze Stadt nämlich im Oranje-Fieber. Auch mit YB war Tschäppät sehr verbunden. Der Club schrieb am Samstag: «Trotz Krebsleiden verfolgte er den Weg der Young Boys zum zwölften Meistertitel mit grosser Leidenschaft und Freude. Der BSC YB wird Alexander Tschäppät in dankbarer Erinnerung behalten und entbietet den Angehörigen des Verstorbenen sein herzliches Beileid.»

Sowohl ein sportliches wie auch ein städtebauliches Vermächtnis von Alexander Tschäppät ist sein Velokonzept. Er hatte die Vision, die Anzahl Velos in der Stadt zwischen 2010 und 2020 zu verdoppeln. So entstanden Velo-Hauptrouten von den Aussenquartieren ins Zentrum. Er selber fuhr jeweils mit seinem E-Bike zu seinen Terminen.

Stadtentwicklungs- und Kulturkonzept

Auch hatte Tschäppät schon früh erkannt, dass die Stadt Bern mehr Wohnraum benötigt. Auf sein Konto gehen zum Beispiel das bald entstehende Wohnquartier im Viererfeld oder der Bauboom in Bern-West. Auch der Baldachin wurde während Tschäppäts Amtszeit gebaut, zumde ist es ihm zu verdanken, dass der Bundesplatz heute autofrei ist.

Die Kulturinstitutionen haben dem Ex-Stapi ebenfalls viel zu verdanken. So erreichte er, dass der PROGR zur definitiven Lösung wurde. Auch die alte Feuerwehr Viktoria hatte mit Alexander Tschäppät einen wichtigen Unterstützer, genauso wie das Politforum oder die Reitschule.

«Neues Lebensgefühl verliehen»

«Er war sprühend und kreativ, hatte viele Ideen und war unterhaltsam», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried über seinen Vorgänger. «Aber er hatte durchaus viel Tiefgang. Seine Visionen waren nicht bloss Ideen, sondern er hatte fundierte Konzepte ausgearbeitet.»

Für Alec von Graffenried sei der Tod seines Vorgängers auch ein persönlicher Verlust, sagt er zu 20 Minuten. «Ich habe mich regelmässig mit ihm ausgetauscht, das wird mir sehr fehlen.» Für sein Amt sei Tschäppät eigentlich der wichtigste Gesprächspartner gewesen. «Er hätte auch nie dreingeschwatzt. Selbst wenn es ihn vielleicht manchmal unter den Nägeln brannte, hat er sich sauber rausgehalten.» Aber für Alec von Graffenried ist am Wichtigsten zu sagen, dass Tschäppät der Stadt «ein anderes Lebensgefühl und ein neues Selbstbewusstsein geschenkt hat».

Die Trauerfeier findet am 17. Mai im Berner Münster statt. Ab Montagnachmittag bis am 16. Mai liegt im Erlacherhof ein Kondolenzbuch auf.

(ct)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 06.05.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Last ihn ruhen

    Kommentare zu seiner Person sind jetzt wirklich nicht mehr nötig.

  • Grisu am 06.05.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach mal so...

    Bin ich eigentlich der einzige, der Alexander Tschäppets, der von den Medien fast zu einem Halbgott hochsterilisiert wird, nicht wirklich mochte??? Trotzdem herzliches Beileid den Hinterbliebenen!!!

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  • Steff Moser am 06.05.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für.......nichts

    Ein linker Schwurbler und Selbstdarsteller, mehr nicht. Ich versteht die Lobgesänge auf ihn nicht. Alle die Demos, Zerstörungen und das ganze Chaos in der Stadt haben wir auch ihm zu verdanken. Er tolerierte die Links-Extremen ein bisschen zu stark für meinen Geschmack.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Biologische Naturgesetze ignoriert am 07.05.2018 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder einer mehr...

    der den Sinn und die Ursache eines Krebses (generell einer Krankheit) nicht begriffen hat und durch die Krebsbehandlung sterben musste. Tragisch aber wahr.

  • trix am 07.05.2018 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Autofrei

    Wie wärs mit einem autofreien Sonntag? Wir früher

  • Stadt.. am 07.05.2018 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein..

    Berner..Tschäpät hat viel getan..Leider brachte ein Grossteil der Medien..immer nur das misslungene..Schade..Alexander Ruhe in Frieden..

  • Mr. Goodkat am 07.05.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Beileid

    Ein Wasserprediger und Weintrinker. Ein Linker wie er im Buche steht. Ein Profiteur sondergleichen. Ein komischer Kauz. Unfähig, richtig zu politisieren. Alles schön geredet, auch die Reithalle. Politische Erfolge? Nein. Sportliche? EM 2008, TDF etc., das war Spitze. Trotz meinen bedenken über den politischen Tschäppu: R.I.P.! Wir hatten tolle Momente mit Dir.

  • Berner Bär am 07.05.2018 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Duldung der linken Gewalt

    Was war da 2007? Genau: Das von linksextremen Chaoten überfallene SVP-Fest, wo von Glück gesprochen werden muss, dass keine Menschenleben zu beklagen waren! Tschäppät behauptete zwar brav in die laufenden Kameras, dass er und schockiert sei - wie man es von ihm als Stadtpräsident erwartete - doch seine Mimik (hämisches Grinsen) verrät aber ganz etwas Anderes! Auch nach jeder gewalttätigen Demo der Reitschul-Chaoten kam jedesmal das erwartete Bedauern, doch geschehen ist nichts! Als Schau für die Presse schloss man Abkommen, die die Tinte nicht wert sind!