9,8 von 10 Booking-Punkten

02. August 2019 04:59; Akt: 02.08.2019 08:19 Print

Mini-Hotel schlägt sogar 5-Sterne-Häuser

Mit 9,8 Punkten auf Booking.com stellt die Berner Casita sogar den Schweizerhof oder das Bellevue in den Schatten. Was ist das Geheimnis von Berns kleinstem Hotel?

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Booking-Portale, auf denen Unterkünfte gebucht, bewertet und kommentiert werden, sind heute kaum mehr aus dem Tourismus wegzudenken. Dass es für eine überragende Bewertung kein Fünf-Sterne-Hotel braucht, zeigen Daniel und Hélène Lüthi: Die beiden Berner führen seit fünf Jahren das kleinste Hotel der Stadt Bern.

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Das kleine Häuschen mit dem Namen Casita liegt im hinteren Teil der Länggasse und ist auf der Plattform Booking.com mit einer durchschnittlichen Bewertung von 9,8 von 10 Punkten das beliebteste Hotel der Stadt. Damit stellt es sogar den Schweizerhof (9,4) oder das Bellevue Palace (9,3) in den Schatten. Doch was hat die Casita, was andere Hotels nicht haben?

«Ein Zuhause in Bern»

Fest steht: Es handelt sich um keine klassische Unterkunft. «Es gibt nur ein Schlafzimmer, dazu kommen ein Wohnraum und eine grosse, liebevoll begrünte Terrasse», sagt Daniel Lüthi. Hotelière, Zimmermädchen, Rezeptionistin, Gärtnerin und Gastgeberin in einem ist Lüthis Frau Hélène. «Ich unterstütze sie nach Kräften.» Man lege viel Wert darauf, dass die Casita den Besuchern einiges mehr biete als ein anonymes, austauschbares Zimmer: «ein Zuhause in Bern eben».

Auf die Einrichtung legten die Lüthis daher besonderen Wert: Die Möbel habe man eigens von einem Berner Künstler entwerfen lassen, die Farbtöne in den Innenräumen seien spezifisch aufeinander abgestimmt. Das Geschäft laufe gut, sagt Lüthi: «Die Casita ist während des ganzen Jahres sehr gut ausgelastet. Unsere Gäste kommen aus der ganzen Welt – aber auch ganz aus der Nähe.» So würden Länggässler, die Besuch haben, ihre Gäste dort unterbringen, Partner sich gegenseitig ein Wochenende schenken oder Exil-Berner ihr Heimweh in der Casita kurieren. Eine Nacht für zwei Personen kostet im kleinsten Hotel der Stadt 190 Franken. «Dazu gibt es gratis Kaffee, Tee und zwei Flaschen Bier», sagt Lüthi.

Hotel oder kein Hotel?

Aber darf sich eine Ein-Zimmer-Logis mit Platz für zwei Erwachsene und ein Kind überhaupt als Hotel bezeichnen? «Wie sollten wir die Casita sonst nennen?», fragt Lüthi zurück. Suite? «Das tönt etwas abgehoben.» Bed&Breakfast? «Wir bieten viel mehr als ein Bett, und das Frühstück können sich unsere Gäste nach ihren Wünschen selber zusammenstellen.»

Bereits 2014 prüfte die Gewerbepolizei Bern, ob die Lüthis ihre Unterkunft Hotel nennen dürfen. Resultat: Ja, sie dürfen. Denn der Internetauftritt mache deutlich, «dass der Gast keinen Hotelservice erwarten» dürfe, wie es in einem Schreiben des Regierungsstatthalteramtes heisst. Auch Hotelleriesuisse gab der Bezeichnung ihren Segen.

Kein Zufall

Dass gerade das kleinste Hotel der Stadt die beste Bewertung auf Booking.com erzielt, ist laut Monika Bandi, Co-Leiterin der Forschungsstelle für Tourismus der Uni Bern, kein Zufall: «Je grösser ein Hotel ist, desto anspruchsvoller wird es, bei den Gästen als ‹gastfreundlich› eingestuft zu werden», sagt die Tourismus-Expertin. Dies habe eine statistische Analyse ergeben, bei der 1000 Hotels auf deren Gastfreundlichkeit geprüft worden seien.

Gäste würden durchaus gewisse Mängel verzeihen, wenn die Gastfreundlichkeit gegeben sei: «Wenn man sich mit dem Gastgeber verbunden fühlt, kann es gut sein, dass zum Beispiel ein Sprung im Spühlkasten keinen Einfluss auf die Bewertung hat», sagt Bandi.

Mischformen sind die Zukunft

Hotels, Pensionen und Unterkunftsarten würden sich laut Bandi immer mehr vermischen. Das liege unter anderem an unserem Lebensstandard: «Wir wohnen sehr grosszügig und wollen in unseren Ferien kaum Rückschritte hinnehmen.» Derlei Mischformen würden deshalb immer beliebter: «Sie bieten oftmals nicht nur ein Bett, sondern auch Räume zum privaten und individuellen Wohlfühlen.» Dies trifft auch auf die Casita zu: «Die Unterkunft ist sicherlich kein typisches Hotel», sagt die Expertin.

Im Hotel Schweizerhof sieht man die punktemässige Unterlegenheit gelassen: «Bezüglich Bewertungen spielt es keine Rolle, wie gross ein Hotel ist. Es kommt viel mehr darauf an, wie viele Leute es bewerten», sagt Iris Flückiger, General-Manager im Hotel Schweizerhof.

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Melikae am 02.08.2019 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    ich vertraue den Bewertungen trotzdem nie 100 Prozent. viele geben irgendwelchen Hotels und airlines wegen ihrer eigenen Blödheit schlechte Bewertungen

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  • Boris am 02.08.2019 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz gleich gemessen...

    Mit 91 Bewertungen ist es einfacher eine Gesamtbewertung von 9.8 zu erreichen im Gegensatz zu den knapp 700 Bewertungen des Hotel Schweizerhofs. Trotzdem ein sehr sympathisches Hotel.

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  • Enme am 02.08.2019 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unlogischer Vergleich

    Was hat diese Unterkunft mit einem gross Hotel zu tun ? Es werden Punkte vergeben wobei die Skala bei zehn aufhört. Und ja, ein kleines Hotel mit geringerer Auswahl (1 Zimmer) ist einfacher zu halten und zu pflegen als ein Gross Hotel. Keine Wäscherei für die Gäste, kein fitness center, 24 std. Reception, etc. Wobei sich die Frage stellt, darf eine Unterkunft mit 1 Zimmer sich überhaupt Hotel nennen ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Traveler am 02.08.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Unterkünfte

    Sea Breeze Haus, Khanom/Thailand: 9.5/10

  • Sofis am 02.08.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Lug und Trug im Internet

    Internet-Bewertungen sind mit äusserster Vorsicht zu interpretieren, denn das Meiste ist Lug und Trug. Besonders bei kleinen Anbietern kann man davon ausgehen, dass der ganze Freundeskreis gerne viele wohlwollende Rezensionen verfasst hat. Klingt komisch, ist aber so.

  • Chris am 02.08.2019 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vordergründig ist die Leistung

    Auch wenn der Vergleich zugegebener Massen in manchen Punkten etwas hinkt, sollte man den Verdienst dieser beiden Leute würdigen. Sie haben aus eigenem Antrieb etwas einzigartiges auf die Beine gestellt, was für Bern eindeutig einen Mehrwert darstellt. Also, warum kleinreden?

  • kira am 02.08.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Masse

    so und nun schauen wir uns dich Mal die Anzahl der Bewertungen beider Häuser an.

  • Marcel am 02.08.2019 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    also wenn ich ein 5 Sterne hotel buche dann habe ich andere Erwartung als an ein Mini Hotel.