Neue Airline in Bern

02. November 2019 14:13; Akt: 02.11.2019 14:13 Print

«Viele Reisende sind etwas schizophren»

In Bern-Belp soll schon bald die neue Arline «FlyBair» abheben. Luftfahrtexperte Stefan Eiselin hat Zweifel.

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Eine neue, virtuelle Airline namens «FlyBair» soll den Flughafen Bern-Belp aus der Misere führen. Ein Crowdfunding soll das Projekt finanzieren.

Stefan Eiselin, Sie sind Luftfahrt-Experte, was halten Sie von den Plänen aus Bern-Belp?
Die Initianten haben viel richtig gemacht, etwa dass sie auf eigene Flugzeuge verzichten. Auf diese Weise sparen sie bereits massive Fixkosten. Trotzdem bleibt die Frage, ob Bern tatsächlich eine eigene Airline – wenn auch eine virtuelle – braucht.

Bei FlyBair ist man davon überzeugt. Sie nicht?
Es gibt im Sommer bereits Charter-Flieger, die von Bern aus die klassischen Feriendestinationen anfliegen. Ob es dieses Zusatzangebot tatsächlich braucht? Und ab Herbst 2020 sind ja von FlyBair auch Linienflüge geplant. Genau das hat auch Skywork versucht - mit bekanntem Ende. Die Frage ist in Bern schlussendlich immer die gleiche: Ist die Nachfrage in der Region gross genug?

Was spricht dagegen?
Bern ist umgeben von einem breiten und attraktiven Flug-Angebot. Nehmen wir etwa Basel, das mit Easyjet über eine gigantische Auswahl an Ferienflügen besitzt und relativ nah ist. Aber auch der Flughafen Zürich ist für die Berner Bevölkerung einfach erreichbar und von dort fliegt man oft nonstop in die ganze Welt.

2,5 Millionen Franken will FlyBair für die ersten zwei Jahre Flugbetrieb zusammen kriegen. Ist diese Summe dafür realistisch?
Das kommt darauf an, wie viele Personen angestellt werden sollen. Ich denke aber, dass es zum Start ein vernünftiger Betrag ist. Das reicht für einen Anfang sicherlich aber nicht für Höhenflüge. Und wenn sich dann schnell Verluste anhäufen, ist das Geld schnell weg.

Das Geld soll via Crowdfunding zusammenkommen. Kann das klappen?
Es ist sicherlich ein sehr sportliches Ziel. Wenn man die Bevölkerung fragt, ob sie einen Flugbetrieb in Bern Belp befürwortet und unterstützt, ist die Antwort fast immer: Ja! Sobald es dann jedoch das eigene Portemonnaie betrifft, sind sehr viele Reisende mit der Unterstützung zurückhaltend bis geizig. Ich denke, es braucht einige grössere Investoren, die Hunderttausende Franken einbringen, sonst wird es schwierig. Man muss sich einfach vor Augen führen: Wenn die Identifikation der Berner mit dem Belpmoos wirklich so gross wäre, dann hätte Skyworks nie Konkurs anmelden müssen.

Geniesst die Fliegerei in Zeiten der «Grünen Welle» noch genügend Rückhalt beim Volk für solche Projekte?
Die Schweizer überlegen sich heute mehr beim Reisen. Es kommt beispielsweise für viele nicht mehr in Frage, mit dem Flugzeug nach Paris zu reisen. Der Zug ist schnell und umweltfreundlicher. Aber für andere Ziele gibt es keine Wahl. Zugleich sind viele auch etwas schizophren. Sie sind für Ökologie und Umweltschutz, aber wollen dann selber trotzdem möglichst komfortabel und billig reisen – steigen also trotzdem in den Flieger.

Das Projekt «FlyBair» wurde am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt:

Video: km

(cho)