Klima-Flitzer am Cupfinal

23. Mai 2019 04:48; Akt: 23.05.2019 09:44 Print

«Den Platz zu stürmen, war einfacher als erwartet»

von S. Ulrich - Flitzen für das Klima: Beim Cupfinal am Sonntag rannten plötzlich sechs junge Klima-Aktivisten auf den Kunstrasen. 20 Minuten sprach mit den Teenagern über ihre Aktion.

Lena Bühler (16) sagt, warum sie am Cupfinal flitzte und was das mit Klima zu tun hat. (Video: km)
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Die Basler und Thuner Spieler waren überrascht, als beim Cupfinal unmittelbar nach Anpfiff ein drittes Team auf den Platz stürmte. Mit Transparenten und Schildern («No Cup on a Dead Planet», «Es gibt keine Nachspielzeit») warben sechs Aktivistinnen und Aktivisten im Alter zwischen 14 und 17 Jahren für die Klimastreiks vom 24. Mai und versuchten, die Zuschauer für ihre Anliegen zu gewinnen.

Eine von ihnen war Lena (16). Kurz vor Spielbeginn sei die Anspannung in der Gruppe gross gewesen, erzählt sie: «Wir wussten nicht, ob wir es überhaupt aufs Spielfeld schaffen und wie die Sicherheitskräfte reagieren werden.» Beim Anpfiff dann rannten die Schüler wie die Teufel – und waren überrascht, auf wie wenig Gegenwehr sie stiessen: Abschrankungen gabs keine und bis die Stewards wussten, wie ihnen geschah, tobte sich bereits die Hälfte der Truppe auf dem Rasen aus. «Den Platz zu stürmen war viel einfacher, als wir erwartet hatten», so die Gymnasiastin aus Hofwil BE.

«Endspiel Erde»

Obwohl die Ordner ihre Arbeit dann noch verrichteten und die jungen Demonstranten abführten, werten diese ihre Aktion als Erfolg. «Sie hat gerade bei Jugendlichen eine Riesen-Diskussion darüber ausgelöst, wie relevant das Thema Klimawandel ist und ob es auch an einem Grossanlass wie dem Cupfinal Platz haben darf», sagt der Zürcher Gymnasiast Andri Gigerl, der den Platzsturm koordinierte. Er findet: Ja, darf es! Denn: «Der Preis von zwei Minuten Spielverzögerung ist ein kleiner im Vergleich zu dem eines ungebremsten Klimawandels.»

Das sind die Klima-Flitzer vom Stade de Suisse

Doch warum ausgerechnet der Cupfinal? Das Thema Klimawandel sei trotz Klimastreiks in der nationalen Politik noch zu wenig präsent, meint Gigerl. Deshalb habe es ein deutlicheres Zeichen sowie eine grössere Plattform gebraucht. Der Cupfinal präsentierte sich als die perfekte Bühne – nicht nur, weil man dort ganz andere Menschen als bisher habe erreichen können: «Der Event passte hervorragend zum Thema. Denn auch für das Klima und unsere Zukunft ist der entscheidende Moment angebrochen.» Analog zum sportlichen Showdown nannten die Klimastreikenden ihre Aktion «Endspiel Erde».

«Bereit, die Konsequenzen zu tragen»

Während das Flitzer-Spektakel bei den einen Beifall erntete, bezeichneten andere es als «billige Politpropaganda», «Eigentor» oder «Dummheit». Ein Twitter-User schrieb: «Liebe Klima-Jugend, das ist diesmal die falsche Art und Bühne.» Könnte die Aktion der Klimadebatte letztlich mehr schaden als nützen? Lena glaubt dies nicht: «Wir waren friedlich und haben das Spiel nicht gross gestört.» So sei man bewusst gleich bei Anpfiff aufs Feld gerannt, um den Spielverlauf so wenig wie möglich zu beeinflussen. «Es gibt keinen falschen Ort, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen», fügt sie an.

Rechtlich gesehen gilt das selbstverständlich nicht – das wissen auch die jungen Aktivisten. «Wir sind bereit, die juristischen Konsequenzen für unser Handeln zu tragen», sagt Gigerl.

SFV will «Augenmass walten» lassen

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) kritisiert die Aktion. «Der Cupfinal ist eine apolitische Veranstaltung, die nicht missbraucht werden darf, um politische Botschaften zu verbreiten», sagt Sprecher Marco von Ah. Es sei bedauerlich, dass die Demonstranten diesen Weg gewählt hätten und nun teilweise Häme einstecken müssten – «zumal sie sich im Kern ja für eine gute Sache einsetzen.»

Der SFV kläre derzeit ab, «wie wir rechtlich mit dem Fall umgehen wollen.» Man sei bemüht, «Augenmass walten zu lassen». Es klingt eher danach, als würden die Klima-Flitzer zu ein paar Sozialstunden verknurrt statt verklagt.


Unmittelbar nach dem Anpfiff stürmten die Schüler auf das Spieldfeld. (Video: zVg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ali G. am 23.05.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr wie früher

    Also früher hat man das wenigstens noch nackt gemacht... Wo sind die Manieren geblieben?

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  • Fussballfan am 23.05.2019 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Trend: Ökohooligans

    «zumal sie sich im Kern ja für eine gute Sache einsetzen.» Na und? 2 Jahre Stadionverbot und Eintrag in Hoogan gibt es hoffentlich trotzdem. Es ist doch egal weshalb man das Spielfeld betritt. Gleiche Regeln für alle. Ansonsten wird bald jeder Spendensammler im Namen des Guten den Platz stürmen.

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  • Giussi am 23.05.2019 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alke gleich?

    Gemäss dem Recht sind alle vor dem Gesetz gleich. Also sollen die auch wie jeder andere behandelt und nicht gehätschelt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 23.05.2019 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Müssen sie nun als Strafe beim nächsten Streik unter Ausschluss der Öffentlichkeit Streiken?

  • muss los sos am 23.05.2019 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha

    Klimawandel aha. Die wissen noch nicht einmal wv abgase es in der Luft hat es sind 0,2 % der Rest ist Stickstoffe und Edelgase. Die sollten eher Mal auf die Natur schauen...

  • KlimaKid am 23.05.2019 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Eingeschränkte Bevölkerung

    So! Manche Leute haben das Gefühl sie können nichts gegen den Klimawandel erzielen. Nun Schade. Es gibt (leider) viel zu viele Leute, die für eine Kurze Strecke, welche man mit dem Fahrrad absolvieren könnte, das Auto nehmen. Am besten Natürlich noch einen protzigen Audi Q6 oder sonst nen Benzinschlucker. Schade dass sich viele Leute nichtmal bewusst sind, was der Klimawandel bewirkt. Denkt doch bitte an eure Enkel- oder Grossenkelkinder. Es heisst immer nur die Jugend sei nicht berreit auf gewissen Luxus zu verzichten. Währd ihr denn dazu bereit? Macht es doch der Jugend vor, Gopferdammi!

    • jugendlicher am 23.05.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @KlimaKid

      Ihr Klimakids seit ja so unheimlich klug und gut und wisst natürlich was das Beste für alle Anderen ist. Wenn Jeder wie Ihr wärt würden wir uns Alle die Hand geben und zusammen Kumbaja singen, da ihr ja Alle die Weisheit mit Löffeln gefressen habt... Ich mag euch narzisstischen Klimakids nicht mehr hören. Wenn man den Planet retten will, macht das jeder für sich und schreit nicht jeden Freitag oder jetzt sogar noch an einem Fussballfest rum und macht Andere für deren Fehler verantwortlich

    • jugendlicher am 23.05.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @KlimaKid

      Ihr Klimakids seit ja so unheimlich klug und gut und wisst natürlich was das Beste für alle Anderen ist. Wenn Jeder wie Ihr wärt würden wir uns Alle die Hand geben und zusammen Kumbaja singen, da ihr ja Alle die Weisheit mit Löffeln gefressen habt... Ich mag euch narzisstischen Klimakids nicht mehr hören. Wenn man den Planet retten will, macht das jeder für sich und schreit nicht jeden Freitag oder jetzt sogar noch an einem Fussballfest rum und macht Andere für deren Fehler verantwortlich!

    • Alex F. am 23.05.2019 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      Ruuuuhig Brauner.

      Kein Teil unserer Gesellschaft ist so dermassen luxusorientiert wie unsere Jugendlichen. Wenn ihr was bewegen wollt, werdet aktiv und hört auf immer nur zu fordern. Gib dein in China produziertes Smartphone ab und hör auf, deinen Starbucks-Kaffee in Takeaway-Bechern zu trinken, dann reden wir weiter.

    • Bergler am 23.05.2019 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      Och nein

      Ihr armen Klima schreier. Wahrscheinlich noch keine Minute gearbeitet, aber grosse Röhre und Treansparente hochheben. Ihr habt ja nicht mal eine Ahnung was es heisst, den Klimanotstand auszurufen. Bleibt mal ruhig auf dem Boden. Alle Sündigen. Absolut ALLE!

    • Joe Pere am 23.05.2019 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte erkläre erst einmal.

      Was für ein Klimawandel, und was soll daran schlecht sein? Bitte erst einmal das erklären. Oder plapperst Du nur Plattitüden nach von denen du absolut nichts verstehst?

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  • Fritzli am 23.05.2019 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich und gleich?

    Seit Jahren wird zugeschaut wie sich die Umwelt-Terroristen von Greenpeace benehmen und keiner unternimmt wirklich Entscheidende Schritte! Dann ist es klar, dass bei der Jugend die Nachahmer vorhanden sind! Wenn Ihr schon bei den grossen zuschaut, dann lässt doch diese Kinder auch springen!

  • Gwendolin am 23.05.2019 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nackt fürs Klima demonstrieren

    Die gut genährte junge Dame mit dem Erdnüssli-Gesicht hätte nackt aufs Spielfeld rennen sollen, dies hätte das Thema "Klimanotstand" (zu heiss für jede Kleidung!) weitaus stärker befeuert als dieses Softy-Aktiönli am Cupfinal.