Exoten im Wahlkampf

24. September 2019 19:24; Akt: 25.09.2019 11:17 Print

Kennen Sie «die liebe, sehr sehr liebe Partei» schon?

Haben Sie genug von den etablierten Parteien? Bei den kommenden Wahlen gibt es auch einige exotische Gruppierungen. Wir stellen ihnen vier von ihnen vor.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 20. Oktober wählt die Schweiz ein neues Parlament. Während ein Grossteil der Kandidierenden einer etablierten Partei angehört, gibt es auch heuer mehr mehr oder weniger exotische Gruppierungen. Hier sind vier aus dem Mittelland:

BERN
Die liebe, sehr sehr liebe Partei

Unsere Politik ist kein Abbild der Gesellschaft, ist Die liebe, sehr sehr liebe Partei (DLSSLP) überzeugt. «Deswegen lasst uns gemeinsam aufbrechen aus diesem schwarz-weissen Brachland, wo Ungleichheit und Gegeneinander herrschen», fordert sie in ironisch-pathetischem Ton auf ihrer Webseite. Ziel der Reise sei das «buntgefärbte Land der Liebe», wo sich der «Schmetterling als Bote der Freude, des Lichts und der Wärme in die Luft» schwinge und schliesslich «direkt in die Herzen aller» fliege.

Wem das zu blumig und abstrakt klingt, findet im Parteiprogramm weitaus konkretere Forderungen: Ein sonntägliches Handyverbot, Twerken als Wahlpflichtfach oder die Deklaration der Musik von Gölä und Trauffer als Lärmbelästigung. Auch in der Gesundheitspolitik will die Partei Nägel mit Köpfen machen: Die Zahnarztkosten sollen vollumfänglich von der Nestlé AG übernommen werden.

Nimmt sich die Partei selbst überhaupt ernst? Durchaus, sagt Parteimitglied Christoph Gosteli – und zeigt sich zugleich überrascht ob der Frage: «In Anbetracht ihrer Skandale und Verstrickungen sollte man auch die grossen Parteien einmal fragen, ob sie es wirklich ernst meinen.»

BERN
Die Musketiere

Um ritterliche Tugenden wie Demut, Treue und Dienstbereitschaft ist es heute nicht mehr zum Besten bestellt, finden die Musketiere – eine Partei «bodenständiger, leidenschaftlicher und lebensbejahender Bernerinnen und
Berner», wie sie sich selber beschreiben. Doch wie lässt sich der Gesellschaft wieder mehr Ritterlichkeit und Edelmut einimpfen? Die Musketiere fordern einen wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln und Bauern, einen besseren Schutz der Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution sowie die Eindämmung des Machtmissbrauchs von Grosskonzernen. En garde!

FREIBURG
Direkte Demokratie, Spiritualität und Natur

Die letzten August gegründete Bewegung Direkte Demokratie, Spiritualität und Natur (D.D.S.N.) ist eine Verfechterin der Mikrosteuer: Dabei würde der Bund auf sämtliche bargeldlosen Zahlungen einen einheitlichen Mikrosteuersatz von einem Tausendstel erheben. Im Gegenzug, so die Idee, könnten herkömmliche Steuern wie die Mehrwert- oder Bundessteuer gestrichen werden. «Die Arbeit wird immer mehr belastet, während Finanztransaktionen praktisch steuerfrei bleiben», kritisiert Bewegungsmitglied Ruedi Raemy.

Umkrempeln will D.D.S.N. aber nicht nur das Schweizer Steuer-, sondern auch das Rechtssystem. Die Justiz, sagt Raemy, sei abhängig von der Politik. «Die Richter müssen deshalb per Losentscheid gewählt werden.» Auf die Fahne geschrieben hat sich die Bewegung, von der es auch Ableger in den Kantonen Waadt und Genf gibt, ausserdem den Kampf gegen 5G.

FREIBURG
Künstler-Partei

Zuoberst auf der Agenda der Künstler-Partei steht nicht etwa die Unterstützung von Kunstschaffenden, wie man dies vermuten könnte, sondern die Ernährung: Die Partei fordert die Einführung eines veganen Wochentags in allen öffentlichen und halb-öffentlichen Kantinen. Das sei gut für das Klima, die Gesundheit und die Tiere, meint Musiker Claudio Rugo, der die Partei im Freiburger Stadtrat vertritt und nun für den Ständerat kandidiert. Weiter sollen gut integrierte Sans-Papier leichter eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten und Cannabis legalisiert werden.

(sul)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Möchtegern-Greta am 24.09.2019 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klingt doof ist aber so..

    Jede grössere Partei ist im Prinzip nicht vertrauenswürdig, da viel zu viele Lobbyisten angehörig sind welche IHRE eigenen Interessen vertreten.. Selbst wenn man mit einer Partei symphatisiert merkt man schnell, dass es innerhalb deren zu viele Schwätzer gibt - egal ob grün rot oder rechter Flügel!!!

  • Gegenwind am 24.09.2019 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windrose

    Ich bin mir am überlegen, ob ich neu die EWFP "Eidgenössische Wind-Fähnli Partei" gründen soll. Oh, nein, geht nicht, dieses Programm ist ja schon von mehreren "Gruppierungen" besetzt :-)

    einklappen einklappen
  • Aus Christians Denkfabrik am 24.09.2019 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Partei ist besser .

    .. ich dachte immer, Parteien sollte man abschaffen. Dann stellte ich fest, dass auch der Mensch ein Leittier braucht. Das ist ein Instinkt der in den Genen beheimatet ist. . Ohne Leittiere würden viele Lebewesen kopflos umherirren.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Reuse am 06.10.2019 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Krieg von der Schweiz! Es hat leider! Es ist leider wirklich so! Traurig es zu bemerken! Man hätte gedacht, dass die Schweizer besser waren! Es scheint falsch!

  • Sylvia am 06.10.2019 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Es wäre wünschenswert,wenn es nur noch zwei Parteien gäbe.Alles andere kostet uns nur viel,und nützt nur den gut verdienenden Politikern.

  • Romero am 29.09.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Melonen-Partei

    Die sogenannte Melonen-Partei sollte man auf keinen Fall wählen, aussen grün und innen tiefrot. Die Grünen sind vermischt von ein bisschen grün, Sozialismus und Neo- Kommunismus. Das wirkt sich im Parteiprogramm aus.

    • Xeno72 am 02.10.2019 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Inhalte?@Romero

      "Klein" ist doch kein valables Kriterium für ein Parteiprogramm ("gross" natürlich auch nicht).

    einklappen einklappen
  • hofer münggu am 29.09.2019 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommt schon gut ...

    wählt - Grün - Grün - Rot ! alles was am Gelde hängt.... wird im Geld ertränkt. mit Bestimmtheit seid ihr dann eurer Geldsorgen sicher... für die nächsten 20jahre.

  • Silvia Kross am 29.09.2019 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Parteilos und klein wählen

    Unbedingt die kleinen wählen! Die grossen Parteien sind nur hinter dem Geld her.