Thun

29. September 2008 09:17; Akt: 29.09.2008 10:59 Print

Der «Fulehung» hält Thun in Atem

Die Thunerinnen und Thuner feiern seit Sonntag ihre drei schönsten Tage im Jahr. Der Volksbrauch des Ausschiessets lockt jeweils Tausende in die Innenstadt. Der Montagmorgen steht jeweils im Zeichen des «Fulehung», der den Kindern nachjagt.

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Pünktlich auf den fünften Glockenschlag erschien die Narrengestalt des «Fulehung» am Montagmorgen auf dem Rathausplatz, wo bereits mehrere tausend Leute warteten. Ausgerüstet mit einem Strauss Schweineblasen und einem Scheit jagte der «Fulehung» dann traditionsgemäss Kinder und Erwachsene durch die Altstadtgassen.

Wichtiger Bestandteil des Ausschiessets ist nicht nur der «Fulehung», sondern auch das Thuner Kadettenkorps, eine Jugendorganisation, die auf eine über 150-jährige Tradition zurückblicken kann.

Während früher die Knaben als Kadetten auf eine militärische Ausbildung vorbereitet wurden, stehen heute Sport, Spiel, Musik und Kameradschaft im Mittelpunkt. Auch Mädchen gehören natürlich längst dazu.

Am Sonntag beginnt der Ausschiesset jeweils traditionell mit einem Umzug der Kadetten durch die Stadt. Als Gastformation waren die Moskauer Suworow-Kadetten zu sehen und hören.

Der Montag gehört dem «Fulehung» und am Dienstag findet das Armbrustschiessen beim «Knabenschützenhaus» statt. Abschluss des Ausschiesset ist der Kadettenball am Dienstagabend, eine Art Debütantenball.

Am Ausschiesset finden jeweils auch zahlreiche Klassen- oder Jahrgängertreffen statt. Heimweh-Thuner nehmen das Fest gerne als Anlass für einen Besuch in der alten Heimat.

Schützenfest

Der Ausschiesset ist, wie der Name nahelegt, eigentlich ein Schützenfest. Im Laufe der Zeit hat sich der Anlass aber zu einem eigentlichen Volksfest entwickelt. Der «Fulehung» war ursprünglich der Zeiger der Schützengesellschaft. Sein Erscheinen am Ausschiesset lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen.

Die Teufelsmaske des Narren soll laut Überlieferung von den Thunern in der Schlacht von Murten 1476 erbeutet worden sein und dem Hofnarren Karls des Kühnen gehört haben.

(sda)