«Fasaan sy»

31. Mai 2018 20:50; Akt: 31.05.2018 20:50 Print

So nennen es die Sensler, wenn sie betrunken sind

Der Wünnewiler André Perler erforscht für seine Masterarbeit Mundart-Begriffe für «betrunken sein». Erste Ergebnisse zeigen: Die Sensler sind in dieser Hinsicht sehr fantasievoll.

André Perler (26) hat für seine Masterarbeit Sensler Redewendungen für sich betrinken und betrunken sein gesucht. Sehen Sie einige Müsterchen im Video. (Video: ber)
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Der Germanist André Perler rief Anfang Jahr die Sensler dazu auf, ihm ihre Ausdrücke für «sich betrinken» oder «betrunken sein» zu schicken. Rund 700 Einsendungen kamen daraufhin beim Wünnewiler an. Diese bilden die Grundlage für seine Masterarbeit in Dialektologie.

Speziell angetan zeigt sich der 26-Jährige von den kreativen Wortschöpfungen «as paar Hektolyter va Pömppùs Starchpronenùm i d Gamäla chlöpfe» und «hunds­eelendig d Läbera ga vertopfe». Fazit des Sprachforschers: «Die Sensler sind sehr kreativ, um den Zustand des Betrunkenseins oder des Trinkens zu umschreiben.» Ein weiterer Sensler-Ausdruck ist «Fasaan syy». Dies leitet sich von «va Sinn syy» («von Sinnen sein») ab.

«Kaum Wendungen aus dem Französischen»

Die Altersspanne der Einsender ist breit: Die älteste Person, die Perler Begriffe zusandte, ist 98-jährig, die jüngste 19 Jahre alt. So konnte der Freiburger Dialektologiestudent auf die ganze Bandbreite der Generationen zurückgreifen.

Eine erste Auswertung zeigt, dass im Sensegebiet von derselben Altersgruppe hauptsächlich die gleichen «Suff-Wendungen» verwendet werden, egal, aus welchem Gebiet jemand kommt. Dies liege daran, dass sich die Jugend im Ausgang trifft und sich die Begriffe so gegenseitig abgleichen.

Jedoch gebe es auch Ausdrücke, die generationsübergreifend gebraucht werden. «Iis ga lööte», «iis ga schnappe» oder «a Chiib ha» sind seit Jahrzehnten im Sprachgebrauch der Sensler. Erstaunlich: «Jüngere und ältere Personen haben in etwa gleich viele Redensarten aus anderen Sprachen übernommen.» Dies sei übrigens meistens Hochdeutsch und nicht Französisch, wie man im zweisprachigen Kanton Freiburg vermuten könnte.

«Und das kannst du an der Uni machen?»

Doch wieso Redewendungen für Alkoholkonsum? «Die Idee stammt von meiner Professorin», erklärt Perler, «ich wollte etwas über Redensarten machen und sie sagte: ‹Du musst dich auf einen Themenbereich beschränken, zum Beispiel Alkohol.› Da war mir sofort klar, dass ich dies machen möchte» Einige zeigten sich irritiert über das Masterarbeits-Thema des 26-Jährigen: «Ich hörte oft: ‹Und das kannst du wirklich an der Uni machen?›»

Sogar einen sehr kritischen Brief hat Perler wegen seiner Masterarbeit erhalten: «Ein älterer Mann hat sich darüber aufgeregt, dass ich den Alkoholkonsum verharmlose.» Das stimme aber nicht – es gehe ihm darum, den Dialekt zu einem Thema zu untersuchen, zu dem praktisch alle Generationen einen Zugang hätten.

Nun macht sich Perler bald daran, die Ergebnisse zu vertiefen. Beispielsweise, wie sich die Sensler-Suff-Redewendungen zu anderen Schweizer Dialekten verhalten. So wird der 26-Jährige auch noch die Begriffe der bernischen Nachbarschaft und einer komplett anderen Ecke der Schweiz unter die Lupe nehmen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede eruieren zu können.

(ber)

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  • marko 33 am 31.05.2018 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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    Wirklich jetzt!

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