Cäsium-Uhr

18. Dezember 2018 18:20; Akt: 19.12.2018 08:42 Print

Die langsamen Berner geben den Welttakt an

In Wabern BE steht ein neuer, spezieller Zeitmesser. Die komplexe Apparatur ist einer von rund 12 High-Tech-Uhren, welche die Zeit auf der Erde angeben.

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Dass die sprichwörtlich langsamen Berner sich oft alle Zeit der Welt nehmen, ist bekannt. Dass sie aber auch die Weltzeit mitbestimmen, ist neu: Am Institut für Metrologie (Metas) in Wabern bei Bern steht dazu eine ganz spezielle Uhr. Sie trägt den Namen Fontaine Continue Suisse, kurz FoCS. Entwickelt hat sie Metas zusammen mit der Universität Neuenburg. Sie gleicht eher einem Labor als einem Zeitmesser: «Die Uhr funktioniert mit dem chemischem Element Cäsium», so Jacques Morel vom Metas.

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«Wir sind neu dafür zuständig, die Sekunden für die Schweiz zu realisieren», so der Labor-Leiter zu 20 Minuten. Seit Kurzem ist die FoCS vom Internationalen Büro für Mass und Gewicht in Paris als sogenannte Primärfrequenznormale anerkannt. Die Institution ermittelt aus Daten von rund 350 Atomuhren rund um den Globus eine Weltzeit, die für alle Zeitzonen den Takt angibt.

In Bern nicht langsamer

Für die Feinjustierung der Weltzeit spielen speziell genaue Atomuhren eine Rolle. Diese werden Primärfrequenznormale genannt. Rund ein Dutzend solcher Zeitmesser tragen auf der ganzen Welt zu einem exakten Ergebnis bei. Mit der FoCS leistet die Schweiz erstmals einen direkten Beitrag zur Feinjustierung der Weltzeit.

Dass die Uhr in Bern stehe, habe nichts mit dem Ruf des Kantons zu tun: «Auch wenn man immer sagt, die Berner seien langsamer, versichere ich, dass dies keinen Einfluss auf unsere Zeitmessung hat», so Physiker Morel. Die Uhr funktioniere unter anderem mit Cäsium-Atomen und einem Mikrowellensignal.

Sehen Sie die Erklärung des Zeithüters Morel im Video oben.

Sekunden und Kilos, die keine mehr sind

Ursprünglich war die Einheit der Zeit die Sekunde. Sie wurde aus der Drehung der Erde um ihre eigene Achse ermittelt. Seit gut 50 Jahren geht es aber noch viel präziser: Forscher fanden heraus, dass die Schwingungen in Cäsiumatomen so regelmässig sind, dass man mit Atomuhren die Zeit mit höchster Genauigkeit bestimmen kann.

Im Metas in Wabern steht übrigens auch das Ur-Kilogramm der Schweiz, eine exakte Kopie des Ur-Kilos in Paris. Doch in einigen Jahren dürfte der Zylinder aus Platin und Iridium im Museum landen: Ab kommendem Sommer soll auch das Kilo nicht mehr durch ein physisches Objekt, sondern durch eine Naturkonstante definiert werden.

Denn die Wissenschaft ist auf höchst exakte Messungen angewiesen – und der Platin-Zylinder in Paris schrumpft ganz langsam. Wer nun hofft, dass bald die überflüssigen Pfunde purzeln, wenn er auf die Waage steigt, irrt sich aber: Die Veränderungen bewegen sich im Mikrobereich.

(20 Minuten/sda)