Drei Aaretote in drei Tagen

28. Juli 2019 18:50; Akt: 28.07.2019 18:50 Print

«Die Gefahr geht von den Schwimmern selbst aus»

Die offenen Gewässer in der Region bergen viele Risiken. Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Lebensretter-Gesellschaft, erklärt das richtige Verhalten beim Baden.

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Es ist eine traurige Bilanz: Zwischen Mittwoch und Freitag ertranken in der Aare bei Bern und Solothurn gleich drei Menschen. Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Sektion der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) stellt unmissverständlich klar: «Die Gefahr beim Schwimmen geht nicht unbedingt von den Gewässern aus, sondern von den Schwimmern, die sich überschätzen.»

Meist würden die Verunfallten über für die Situation ungenügende Schwimmkenntnisse verfügen und die eigenen Fähigkeiten nicht kennen. «Schwimmen im See oder im Fluss ist nicht dasselbe wie Schwimmen im Hallenbad», erklärt der langjährige Lebensretter, «es gibt dort keine Schwimmleine zum Fetshalten und den Grund kann man auch nicht sehen».

Mehr Wasser als letztes Jahr

Im Bereich von Stauwehren darf nicht geschwommen werden, denn diese bergen grosse Risiken aufgrund des enormen Wassersoges. Zusätzliche Gefahren entstehen, wenn sich das Wasser aufgrund eines Gewitters eintrübt und allfällige Hindernisse nicht mehr sichtbar sind. «Diesen Sommer hatten die Flüsse zudem mehr Wasser als letztes Jahr zur selben Zeit», sagt Fleuti. Die Folge: Das Wasser hat mehr Kraft.

In den Seen bildet die Hauptgefahr weniger die Strömung als vielmehr der starke Wind, der die Schwimmer wegtreiben kann, sagt Fleuti. Die Statistiken der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zeigen, dass sich die Todesfälle auf Flüssen und Seen ungefähr die Waage halten.

Vorsichtsmassnahmen beim Schwimmen

Zu den wichtigsten Baderegeln zählt, dass Schwimmer nicht überhitzt ins Wasser springen, sondern sich erst annetzen sollen, erläutert der Berner Lebensretter. Es komme immer wieder vor, dass Menschen wegen Nicht-Beachtung dieses Grundsatzes bewusstlos und werden ertrinken würden.

Ferner sei wichtig, die Schwimmstrecke zu kennen und ohne Einfluss von Alkohol und Drogen ins Wasser zu gehen. «Es muss einem bewusst sein, dass man schwimmen und nicht einfach nur ein bisschen planschen geht», mahnt Fleuti.

Für ausländische Bürger Sicherheitsplakate übersetzt

Als die grosse Flüchtlingswelle 2015 die Schweiz erreichte, musste auch die SLRG reagieren. «Die Bade- und Flussregeln wurden in verschiedene Sprachen übersetzt, damit die Leute direkt angesprochen werden», sagt der Berner Lebensretter.

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«Sobald die Wassertemperaturen steigen, gehen sehr viele Leute baden, die sonst nicht in einem Fluss oder See schwimmen gehen würden», sagt Fleuti. «Ein Nachahmeffekt». Vor allem Ausländer seien nicht mit dem Wasser aufgewachsen und würden die Kultur des Schwimmens nicht kennen. «Sie bringen sich meist unbewusst in Gefahr.» Statistiken der BfU zeigen, dass der Anteil ausländischer Staatsangehöriger unter den Ertrunkenen steigt und die Ursache meist die Unwissenheit über die Eigenheiten der Seen und Flüsse ist.

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • N.N. am 28.07.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorri

    Die Aare trifft keine Schuld.

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  • MeU am 28.07.2019 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flüsse haben es in sich!!!

    das Gros der badenden Leute unterschätzt den Zug eines Flusses und überschätzt die eigenen Schwimmkentnisse.

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  • Söne am 28.07.2019 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Respekt

    Wer kein Respekt hat vor den Gewässer ist selbst Schuld. Dasselbe gilt für Skifahrer die abseits der Piste fahren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schwupps am 29.07.2019 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kenne mich selbst am besten

    Ich würde mich als gute Schwimmerin bezeichnen, allerdings nur in einem Schwimmbecken. Da schwimme ich locker 2000m ohne Pause, aber in einem Fluss oder See fühle ich mich nicht wohl und würde deshalb auch nie auf meine Kraft vertrauen! Ausserdem habe ich schon als Kind gelernt, weder mit leerem noch zu vollem Magen ins Wasser zu gehen und sich unbedingt vor dem endgültigen Eintauchen ins Wasser nass zu machen!

  • Bölimaa am 29.07.2019 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Leute werden immer dümmer

    Alle diese Tips und Regeln sollten jedem Drittklässler schon bekannt sein. Aber wenn halt über die Hälfte eine Schwimmdispens hat ist das nicht verwunderlich. Alle reden von der Natur und vom Natur-und Tierschutz, aber rausgehen und es lernen, das will dann keiner man könnte ja schmutzig werden

    • Urs am 29.07.2019 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht mal viielleicht

      Was soll ein Drittkläsler in der Aare?

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  • Sandro Studer am 29.07.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Aare ist immer noch die gleiche

    Die Aare hat sich nicht verändert, ich bin dort aufgewachsen und oft schwimmen gegangen. Es gab nur den Unterschied, es gingen nur gute Schwimmer in den Fluss, wir gingen in Gruppen und wenn mal etwas passierte wurde nicht in der ganzen Schweiz berichtet und eine Hysterie losgetreten. Heute gibt es bereits eine Nationale Gefahrenmeldung wenn ein Sommergewitter aufzieht. Wie gesagt, die Aare ist immer noch die gleiche. Hört doch mal auf mit den überzogenen "es ist gefährlich" Meldungen.

  • Tim am 29.07.2019 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Wo ist jetzt der beste Kommentar mit dem Mittelmeer? Ja die Wahrheit tut heute weh.

    • Peter am 29.07.2019 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Tim

      Der war nicht gut sondern einfach nur daneben. Der hatte auch nichts mit der Wahrheit zu tun sondern nur mit niederträchtiger Gehässigkeit.

    • Reto am 29.07.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist doch so

      All die super Männer die da kommen.

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  • Karl am 29.07.2019 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Fachkräfte am Limit

    Tja. "Fachkräfte" sehen wie Einheimische in Flüssen schwimmen. Und da denken die, das können sie logischerweise auch. Sie halten sich ja oft für Übermenschen. Ich nenne es auch natürliche Selektion. Bei den Einheimischen war es eigentlich immer ein medizinisches Problem.