Bergbahn-Königin

01. Januar 2012 21:20; Akt: 02.01.2012 18:02 Print

Die Jungfrau hat ein Schweizerkreuz

Eine riesige Lichtinstallation des Schweizer Künstlers Gerry Hofstetter lässt die Nordwand der Jungfrau erstrahlen. Der Grund: Ein 100-jähriger Geburtstag.

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Aus Anlass des 100. Geburtstags der Jungfraubahn hat der Schweizer Lichtkünstler Gerry Hofstetter ein riesiges Schweizerkreuz auf die Jungfrau projiziert. Es ist eine temporäre Installation auf 3454 Meter über Meer; in der ersten Januarwoche werden Hofstetter und sein Team unterhalb des Gipfels der Jungfrau in einem Zeltlager wohnen. Auf 3300 Meter über Meer haben sie ein Biwak eingerichtet und wohnen mitten auf dem Gletscher - bei Minustemperaturen von bis zu 30 Grad.

Für drei Wochen wurden Essensvorräte mitgenommen, denn bei schlechtem Wetter könnte kein Helikopter die Gruppe retten. An der Nordwand der Jungfrau werden das Schweizerkreuz, ein Porträtbild von Adolf Guyer-Zeller (1839-1899), dem Gründer der Jungfraubahn, und ein Bild eines Jungfraubahnzugs abgebildet werden.

Sie gilt vielen als Königin der Bergbahnen: 2012 kann die Jungfraubahn ihren hundertsten Geburtstag feiern. Was einst mit ein paar kühnen Federstrichen eines Zürcher Industriellen begann, wurde zu einem Pionierwerk, von dessen Strahlkraft auch heutige Generationen noch profitieren.

Königin der Bergbahnen

Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste das Bergbahnfieber die Schweiz. Klar, dass die ausladende, vergletscherte Jungfrau im Berner Oberland bald die Phantasie der Bergbahnenthusiasten beflügelte. Abenteuerliche Projekte entstanden, um wenig später wieder begraben zu werden.

Der Durchbruch gelang schliesslich dem Zürcher Industriellen Adolf Guyer-Zeller 1893. Anders als seine Vorgänger wollte Guyer- Zeller die Jungfrau nicht vom Talboden, sondern von der höher gelegenen Kleinen Scheidegg aus erschliessen.

Italiener schuften am Berg

1896 erfolgte der Spatenstich. Von da an pickelte, schaufelte und sprengte sich ein Heer vorwiegend italienischer Gastarbeiter durch die Bergflanken hoch. Unter schwersten Bedingungen schufteten die Männer im Berginnern. Gehaust wurde in kargen Arbeiterbaracken am Eigergletscher auf über 2000 Metern über Meer - auch im Winter.

1898 wurde die erste Etappe bis zum Eigergletscher eröffnet. 1903 folgte die Station Eigerwand, 1905 die Station Eismeer und im Februar 1912 wurden schliesslich mit viel Dynamit die letzen Felsen auf dem 3454 Meter hohen Jungfraujoch durchschlagen.

Vor dem letzten Teilstück hoch zum Jungfraugipfel mussten die Bahnbauer allerdings kapitulieren. In der Krisenzeit vor dem ersten Weltkrieg fehlte das Geld. Ausserdem gab es praktische Gründe, die Endstation nicht auf dem Gipfel, sondern auf dem wesentlich mehr Platz bietenden Jungfraujoch zu bauen.

Internationaler Touristenmagnet

Seither entstanden auf dem Jungfraujoch diverse Gebäude, so 1924 ein Gästehaus und 1937 eine alpine Forschungsstation. 1972 wurde das Berghaus mit seinem Jugendstilsaal ein Raub der Flammen und 1987 durch ein neues ersetzt.

Dort und auf der gedeckten Aussichtsterrasse der Forschungsstation Sphinx lässt sich bei angenehmer Zimmertemperatur die hochalpine Gletscherwelt bestaunen. Eine internationale Touristenschar tummelt sich jahrein, jahraus auf dem «Joch». Die Lautsprecheransagen der Bahn ertönen mittlerweile in sieben Sprachen.

Heute zählt die Jungfraubahn-Gruppe zu den grössten Bergbahnunternehmen des Landes. Jährlich transportiert die Bahn über 650 000 Personen auf das Jungfraujoch. Zu den treusten Gästen gehören die Japaner.

(kub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andrea S. am 04.01.2012 03:27 Report Diesen Beitrag melden

    Muss denn alles leuchten?

    Ich denke nicht, dass diese Beleuchterei gut ist für die Natur.

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  • Andrea S. am 04.01.2012 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer bezahlt das?

    Lichtverschmutzung pur! Arme Tiere!

  • Nur so mein Kommentar... am 02.01.2012 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so mein Kommentar...

    Ich hab ein paar Kommentare gelesen... und ja Kommentarleserin muss ich auch zu stimmen aber sie hätten auch mal an die Tiere denken sollen und das mit den Sparlampen bevor sie das Schweizerkreuz auf die Nordwand der Jungfrau strahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan S. am 04.01.2012 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir vielleicht doch Egoisten?

    Ehrlich gesagt: ich finde es traurig, dass die meisten Leute da, dieses "Kunstwerk" begrüssen, schön und gut finden. Es tut mir Leid, wenn ich das anders sehe: die Natur, besonders die nachtaktiven Tiere werden sich bestimmt nicht gut fühlen - bei dieser Sache! Warum denken wir nur an uns?

  • Andrea S. am 04.01.2012 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer bezahlt das?

    Lichtverschmutzung pur! Arme Tiere!

  • Susi t. am 04.01.2012 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    völlig nix spezielles...

    Also jetzt muss ich auch mal... Als jahrelanger ausführender Beleuchter mit Pani Projektoren bin ich einst von einem gross Anlass zu nächsten und wir haben ganz einfach gerastert - perspektivisch und proportional angepasst... Aber naja profesionalität zählt heute nix mehr, sonst hätte Hofstetter definitiv nicht so erfolg. Sein Glück ist, dass er nur noch der einzige ist in der schweiz der so was macht - klar nach dem er gemäss den Medien die Firma l-visions (einst sein Stiefsohn glaube ich) zerstört hat. Die Page gibt es noch und so wie ich sah ist es dort richt profesionell gewesen...

    • Christoph am 04.01.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      Wie wahr

      Du sprichst mir aus dem Herzen. Handwerkliche Professionalität = Null

    • Andrea S. am 04.01.2012 22:39 Report Diesen Beitrag melden

      Wie egoistisch! Denken wir nur an uns?

      Völlig sinnloses Handwerk! Ich bin dafür, dass man diese Projektoren nicht mehr herstellt und auch nicht mehr braucht. Man denke nur schon an die Natur (dazu gehören besonders die Tiere). Wir denken einfach: "hier bin ich und ich kann einfach alles tun mit allem, wo ich habe". Das ist rücksichtslos und sollte verboten und/oder eingeschränkt werden! Ich weiss nicht... Denken wir nur an uns?

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  • Tom Meier am 04.01.2012 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Gute Idee mit dem Schweizer Kreuz...ist vielleicht eine gute Ansage!? Bin jedenfalls froh, dass man keine EU-Flagge an die Jungfrau geleuchtet hat ;-) !

    • U. K. am 04.01.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      Medienpräsenz ist wichtig

      Ist klar. Ganz Deiner Meinung. Aber der "Gag" wäre, wenn man während der Aktionswochen jeweils die Flagge des entsprechenden Landes proizieren würde. Sofern nicht zu kompliziert. Kenne die japanere ein bisschen. Die würden vor Ergriffenheit auf die Knie sinken. Und dann natürlich die Medienpräsenz in Japan selbst. Nicht zu überbieten!

    • Tom Meier am 04.01.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Why not!

      @U.K. Gute Idee...vielleicht noch unterlegt mit Sushi!? Nein, Spass beiseite...weiss mit einem roten Tupf wäre tatsächlich hammermässig! Hoffentlich lesen das die Tourismusverantwortlichen!

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  • Andrea S. am 04.01.2012 03:27 Report Diesen Beitrag melden

    Muss denn alles leuchten?

    Ich denke nicht, dass diese Beleuchterei gut ist für die Natur.

    • Häberli am 04.01.2012 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      Oh Schreck, lass nach....

      Könnte es eventuell sein, dass das Rot auf die Wolken abfärbt. Dann würden bald überall auf der Welt rote Wolken herumgeistern. Wclch schreckliche Vorstellung. Kann desswegen kaum noch schlafen!

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