Kanton Solothurn

14. März 2019 07:54; Akt: 14.03.2019 07:54 Print

Bitcoin-Betrug bringt Behörden ins Schwitzen

Erstmals beschäftigt sich die Solothurner Staatsanwaltschaft mit einem grösseren Anlagebetrug mit Kryptowährungen. Die Ermittlungen gestalten sich aufwendig.

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Die Anzeigen wegen Vergehen und Verbrechen haben bei der Solothurner Staatsanwaltschaft im Jahr 2018 einen neuen Höchstwert erreicht (siehe Box). Besonders gefordert war sie im Bereich der Wirtschaftskriminalität, wie sie im am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht schreibt.

Denn erstmals läuft eine grössere Untersuchung, bei der der An- und Verkauf von Kryptowährungen eine zentrale Rolle spielt. «Es handelt sich um einen Fall von Anlagebetrug in Millionenhöhe mit mehreren hundert Geschädigten», sagt Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck. Diese seien über Internetforen, aber auch an Versammlungen angesprochen und zu den Investitionen motiviert worden. Weitere Angaben zum Tatvorgehen will Brodbeck aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen.

Hilfe von externen Experten

Die Betrugssumme wurde primär in Bitcoin erzielt, die schädigenden Tathandlungen wurden unter anderem auf der Blockchain abgewickelt. Dadurch gestalteten sich die Vorermittlungen wesentlich aufwendiger als bei herkömmlichen Wirtschaftsdelikten. «Wir mussten erst einmal die Grundlagen erarbeiten, um bei den notwendigen Hausdurchsuchungen erkennen zu können, ob vor Ort noch zu beschlagnahmende Kryptowährungen vorhanden sind und wie wir sie sicherstellen können», erklärt Brodbeck.

Gerade die Sicherung von Kryptowährungen stelle einen komplexen Vorgang dar. «Hierfür steht die Staatsanwaltschaft Solothurn im Austausch mit externen Fachpersonen.»

Herausforderungen und Chancen bei Blockchain

Auch die Sachverhaltsermittlung gestalte sich schwieriger als gewohnt: Während in üblichen grösseren Fällen von gewerbsmässigem Betrug anhand von Kontoauszügen oft relativ rasch eine Datenspur bis hin zum Barbezug der Gelder erstellt werden könne, verlagere sich der Geldfluss in diesem Fall zu grossen Teilen auf die anonymisierte Blockchain. «Der wirtschaftlich Berechtigte bleibt so weitgehend im Verborgenen», so Brodbeck.

Andererseits könnten alle auf der Blockchain getätigten Transaktionen ohne weiteres öffentlich abgerufen werden. «Hier zeigt sich auch eine Chance für die Ermittler, um den Sachverhalt klären zu können», sagt der Oberstaatsanwalt. Die Angelegenheit werde der Staatsanwaltschaft auch 2019 noch einiges an Ressourcen abverlangen. «Es ist ein spannender Fall, bei dem wir viel dazulernen können», so Brodbeck.

Er ist überzeugt: Mit Verbrechen im Cybercrime-Bereich wird sich die Staatsanwaltschaft künftig vermehrt beschäftigen. «Je mehr sich das Leben der Menschen im Cyberspace abspielt, desto mehr Delikte gibt es dort auch.»

(sul)