Einst ausgestorben

17. April 2019 04:47; Akt: 17.04.2019 09:03 Print

Die Wildkatze erobert sich die Schweiz zurück

von S. Ulrich - Nicht nur im Jura, sondern auch im Mittelland und im Alpenraum wurden in den letzten Jahren vermehrt Wildkatzen gesichtet. Was führte zur Renaissance der kleinen Raubtiere?

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Auf dem Vormarsch: Die europäische Wildkatze breitet sich in der Schweiz wieder aus. Während sie noch vor zehn Jahren ausschliesslich im Jura auftauchte, ist sie inzwischen ins Mittelland und bis in die Voralpen vorgedrungen. Die Wildtierfachstelle Kora hat seit einigen Tagen im Bezirk Bucheggberg SO und in südlich angrenzenden Berner Gemeinden Fotofallen aufgestellt. Bereits an neun dieser Standorte wurden die flauschigen Jäger geknipst. In die Nähe der Fotofallen wurden mit Baldrian besprühte Lockpfosten gestellt. Durch den Duft der Baldrianwurzel werden Wild-wie Hauskatzen angezogen. Maronde: «Die Katzen reiben sich manchmal daran und hinterlassen Haare, die für eine genetische Analyse genutzt werden können.» «Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Wildkatze in diesem Gebiet wieder angesiedelt hat», sagt Projektleiterin Lea Maronde. Für die Ausbreitung der Wildkatze hierzulande dürften unterschiedliche Faktoren verantwortlich sein. Zum einen ist die Art seit 1962 geschützt. Die Schweiz hat ausserdem von der Zuwanderung aus Frankreich profitiert, wo die Tiere nie ganz verschwunden seien. Und auch der Klimawandel hatte wohl seine Finger im Spiel, verkürzt er doch die Perioden geschlossener Schneedecken, die die Jagd nach Wühlmäusen erheblich erschweren. Fest steht: Waldkatzen, wie sie auch genannt werden, sind anpassungsfähiger, als wir bisher gedacht haben. «Sie sind nicht wie angenommen an den Wald gebunden, sondern sind teils auch auf Feldern unterwegs», so Maronde. Auch dies deute auf eine Zunahme der Population hin. «Je grösser die Dichte an Wildkatzen, desto eher suchen sie nach alternativen geeigneten Lebensräumen.»

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Jahrzehntelang galt sie in der Schweiz als praktisch ausgerottet. Nun aber erobert sich die Europäische Wildkatze ihren Lebensraum nach und nach zurück – und breitet sich womöglich sogar darüber hinaus aus: Während sie noch vor zehn Jahren ausschliesslich im Jura auftauchte, ist sie inzwischen ins Mittelland und in die Voralpen vorgedrungen.

Das zeigen neuste Untersuchungen der Wildtierfachstelle Kora. Diese hat seit einigen Wochen im Bezirk Bucheggberg SO und in angrenzenden Berner Gemeinden Fotofallen aufgestellt. Bereits an neun dieser Standorte wurden die flauschigen Jäger geknipst. Eine derart hohe Zahl hat Projektleiterin Lea Maronde nicht erwartet. «Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Wildkatze in diesem Gebiet wieder angesiedelt hat», sagt die Wildtier-Ökologin.

Davor konnten bereits am Jurasüdfuss an zehn Standorten Schnappschüsse gemacht werden. Zudem lebt am Südufer des Neuenburgersees nachweislich eine Population.

Artenschutz, Zuwanderung, Klimawandel

Für die Ausbreitung der Wildkatze dürften unterschiedliche Faktoren verantwortlich sein. Zum einen ist die Art in der Schweiz seit 1962 geschützt (siehe Box). «Bis ein solcher Schutz greift und sich die Bestände erholen, dauert es eine Weile», sagt Maronde. Die Schweiz habe ausserdem wohl von der Zuwanderung aus Frankreich profitiert, wo die Tiere nie ganz verschwunden seien.

Ferner könnte die Verbesserung des Nahrungsangebotes, sprich die Erholung der Nagetierbestände, zur Renaissance der Wildkatzen beigetragen haben. Und auch der Klimawandel hatte wohl seine Finger im Spiel, verkürzt er doch die Perioden geschlossener Schneedecken, die die Jagd nach Wühlmäusen erheblich erschweren. «Das sind aber erst Spekulationen, zu denen noch keine gesicherten Daten vorliegen», mahnt die Wissenschaftlerin.

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Anpassungsfähiger als angenommen

Fest steht: Die Waldkatze, wie die Europäische Wildkatze auch genannt wird, ist anpassungsfähiger als bisher angenommen. Das zeigt eine Studie von Kora in Zusammenarbeit mit der ZHAW am Neuenburgersee, wo zehn Wildkatzen mit GPS-Halsbändern ausgerüstet wurden. «Sie sind nicht ausschliesslich an den Wald gebunden, sondern zum Teil auch auf Feldern und im Schilf unterwegs», so Maronde. Auch dies deute auf eine Zunahme der Population hin. «Je grösser die Dichte an Wildkatzen, desto eher suchen sie nach alternativen, geeigneten Lebensräumen.»

2011 schätzte das Bundesamt für Umwelt den Wildkatzen-Bestand in der Schweiz auf 450 bis 900 Tiere.

Paarung mit Hauskatzen kann gefährlich sein

Im Zuge ihrer Ausbreitung könnten sich Wildkatzen vermehrt mit freilaufenden Hauskatzen paaren. Die Vermischung, in der Fachsprache Hybridisierung genannt, stellt eine mögliche Bedrohung der Art dar. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Frankreich und Deutschland hätten zwar gezeigt, dass die Hybridisierungsrate bei einer stabilen Dichte der Wildkatzenpopulation eher gering sei, sagt Maronde. «In Gebieten, in denen der Bestand noch gering ist, könnte es aber sein, dass Hybridisierung vermehrt auftritt, da die Wildkatzen keine Artgenossen zur Fortpflanzung finden.»

Um mehr darüber herauszufinden, werden jeweils mit Baldrian besprühte Lockpfosten zu den Fotofallen gestellt. Durch den Duft der Baldrianwurzel werden Wild- wie Hauskatzen angezogen. Maronde: «Die Katzen reiben sich manchmal daran und hinterlassen Haare, die für eine genetische Analyse genutzt werden können.»