Seit 34 Jahren vermisst

20. September 2019 04:47; Akt: 20.09.2019 08:58 Print

Der ungeklärte Fall eines verschollenen Kindes

von R.Casablanca - Noch immer beschäftigt der Fall Sarah Oberson die Walliser Polizei. Vor 34 Jahren verschwand das damals 5-jährige Mädchen spurlos.

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Immer wieder verschwinden im Wallis auf rätselhafte Weise Menschen, 19 Personen konnten die dortigen Ermittler trotz der Nachsuche nicht wieder auffinden. «In den meisten Fällen sind es Vermisste Bergsteiger, die beispielsweise in eine Gletscherspalte fallen», sagt Markus Rieder von der Kantonspolizei Wallis. Wenn jedoch ein kleines Kind vermisst wird, sei dies ein spezieller Fall, so Rieder. So wie im Fall der 5-jährigen Sarah Oberson, die vor 34 Jahren in Saxon VS verschwand und seither nie wieder gesehen wurde.

Nach wie vor wird nach Sarah Oberson gesucht: «Noch heute erhalten wir regelmässig Hinweise zum Verschwinden von Sarah», sagt Evelyne Monnay von der «Fondation Sarah Oberson». Die Stiftung setzt sich für Kinderrechte ein und arbeitet unter anderem an einem Alarmsystem, das die Suche nach Vermissten vereinfachen soll. Im Stiftungsrat sind neben den Eltern von Sarah Oberson auch deren beide Schwestern vertreten. Auch wenn Sarah das letzte Mal vor über 30 Jahren gesehen wurde, gibt die Institution die Suche nach ihr nicht auf: «Das Verschwinden von Sarah wird niemals zu den Akten gelegt werden», heisst es bei den Angehörigen.

Die Walliser Tragödie

Der Fall Oberson hielt im Jahr 1985 die ganze Schweiz in Atem, das Vorgefallene wühlte auf: Die 5-jährige Sarah aus Saxon VS will in jenem September vor 34 Jahren mit dem Velo die Grossmutter besuchen, kommt jedoch nie dort an. Vom kleinen Mädchen fehlt seit dem 28. September, 17.30 Uhr, jede Spur. Einzig das Fahrrad der Vermissten wird noch am selben Abend auf dem örtlichen Pausenplatz vor der Turnhalle gefunden.

In den folgenden Tagen stellten Soldaten, Polizisten und freiwillige Helfer die ganze Region auf den Kopf, um das Mädchen aufzuspüren. Doch ohne Erfolg. Sarah Oberson bleibt verschollen. Im Dezember diesen Jahres würde sie 40 Jahre alt. Was mit ihr in der Zwischenzeit geschehen ist, konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.


An diesem Ort wurde Sarah Obersons das letzte Mal gesehen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Lange wurde vermutet, dass das Mädchen nach Österreich entführt wurde. Bei der Kantonspolizei Wallis gingen diesbezüglich mehrere Meldung ein. Einmal soll das Mädchen in Wien gesichtet worden sein, ein andermal in Bregenz. Die Solidaritätsbewegung setzte gar 50'000 Franken Belohnung für das Auffinden von Oberson aus. Auch das brachte keine Erkenntnisse; das Mädchen blieb unauffindbar.

Obwohl der Fall eigentlich längst verjährt ist, gibt auch die Kantonspolizei Wallis die Suche nach Sarah nicht auf: «Vermisstmeldungen werden von uns generell nicht ad acta gelegt», sagt Markus Rieder, Kommunikationschef der Kapo Wallis. Man sei für jeden Hinweis dankbar und verfolge ihn auch.

Vermisste Personen
Auch diese Personen werden noch immer vermisst.

Kein Einzelfall

Neben Sarah Oberson gibt es noch vier weitere ungeklärte Fälle von Schweizer Kindern, die seit Jahrzehnten verschwunden sind. Eines davon ist Peter Roth aus dem Kanton St.Gallen. Der damals 8-jährige Junge wurde das letzte Mal am 12. Mai 1984 in einem Dorflädeli in Mogelsberg SG gesehen, indem der er für sich und einen Freund je eine Packung Chips kaufte. Die leere Chips-Packung wurde später 300 Meter von seinem Elternhaus entfernt gefunden, vom Jungen fehlt jedoch bis heute jede Spur.

Die weiteren Fälle sehen Sie in der Diashow.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Livia am 20.09.2019 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mitgefühl

    Es gibt keinen grösseren Alptraum... mein Mitgefühl mit dieser unerträglich Ungewissheit gilt den Angehörigen.

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  • Desmodus am 20.09.2019 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verjährung aussetzen

    Verschwundene Kinder, unaufgeklärte Mordfälle sind ein trübes Kapitel und sind für die Hinterlassenen sehr schwer, diese Schicksale zu verarbeiten. In diesen Fällen dürfte es niemals zur Verjährung kommen.

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  • Sebi am 20.09.2019 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    kein Fan der Schweizer Ermittlungs- und Justizbehö

    Es ist mir völlig unverständlich, dass gegen Hans Urs von Aesch oder den Mörder von Ruth Steinmann (Name unbekannt) und andere mutmassliche Serien-Kindermörder nicht mehr ermittelt wird. Nur eine Handvoll Kantonspolizisten ermittelt hobbymässig auf Sparflamme, wenn überhaupt. Dank dem Kantönligeist werden die Fälle der vermissten Kinder wohl nie aufgedeckt. In der Schweiz auch schon aufgrund der Gesetzeslage undenkbar, dass cold cases wie im Stile der USA nach Jahrzehnten noch aufgeklärt werden können (wie z.B. der Golden State Killer). Für einmal wären amerikanische Verhältnisse wünschenswert

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Die neusten Leser-Kommentare

  • chilled am 20.09.2019 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unvergesslich

    Ich war damals ein kleiner Junge (5jahre) als ich vom verschwinden von Sarah hörte. Mich liess dieses Schicksal niemehr los. Der Fall ist mir bis heute present und ich hoffe zu tiefst das Sarah noch lebt und irgendwann gefunden wird.

  • H. B. aus Zürich am 20.09.2019 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hansli Eichenberger

    Seit anfangs der 50er Jahre ist Hansli vermisst. Und heute bereits vergessen. Legen Sie mit mir eine Gedenkminute für ihn ein.

  • Spaniel am 20.09.2019 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kampusch - indentisch ?

    Bei solchen Vorkommnissen erinnere ich mich auch immer an die Geschichte Kampusch....

  • Theres am 20.09.2019 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    nie endender Albtraum

    Man mag es sich gar nicht vorstellen wie das ist für die Angehörigen. Der schrecklichste Albtraum hat einmal ein Ende, aber aus so einem wacht man nie auf. Auch die Angst der betroffenen Kinder, entsetzlich.

  • Petruschka am 20.09.2019 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wallis

    3/4 der Fälle von Verschwundenen war im Wallis. Schon komisch.