Bern

05. September 2019 04:48; Akt: 05.09.2019 09:51 Print

Wie Kreditkarten-Diebe in Imbiss zu Bargeld kommen

Der Diebstahl ihrer Kreditkarte kommt eine Bernerin teuer zu stehen. Offenbar konnte der Dieb dank dem Kontaktlos-System Bargeld beziehen.

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Es ist Mittwoch und spät nachts, als F. K.* in der Berner Innenstadt bestohlen wird. Ein Dieb klaut der Frau in einer unachtsamen Minute das Smartphone – mitsamt ihrer Kreditkarte. Als die Bernerin schliesslich beim Cardcenter anruft, um die Karte zu sperren, der Schock: Weit über 200 Franken sind ihr in den letzten Minuten belastet worden. K. erfährt zugleich, wo die Buchung vorgenommen wurde: bei einem Kebabimbiss in der Berner Aarbergergasse. Sie will den Dieb stellen und macht sich sofort auf den Weg dorthin.

Noch vor Ort entdeckte sie den Schuldigen. Polizisten, die wegen einer Personenkontrolle zufällig in der Nähe waren, schnappten den Dieb noch an Ort und Stelle. «Er gab später zu, dass er mit meiner Kreditkarte Geld beim Imbiss bezogen hatte», erzählt K. Zuerst habe er für 38 Franken Essen gekauft. «Dann habe er 200 Franken bezogen, immer in 40er-Tranchen, damit er dies über das Kontaktlos-System tun und die Pin-Eingabe umgehen konnte.» Der Döner-Verkäufer habe schliesslich noch 20 Franken Bearbeitungsgebühr verlangt, so K. Auch diese seien über die Karte abgebucht worden.

Ein Blick auf die Kreditkartenabrechnung, die 20 Minuten vorliegt, zeigt: In der Tat wurden der Karte im Fastfood-Geschäft 258 Franken belastet. Um 2.27 Uhr erfolgt die erste Buchung, um 2.41 Uhr die letzte, immer maximal 40 Franken.

Wieso hat man beim Imbiss nichts bemerkt?

Laut einem Informanten, der anonym bleiben möchte, ist es in der Vergangenheit mehrmals vorgekommen, dass in der Dönerbude gestohlene Kreditkarten zum Einsatz gekommen sind. Und auch für K. ist klar: «Das hat entweder System oder dann wird dort sehr nachlässig mit Kreditkarten umgegangen.»

20 Minuten hat die Inhaber mit den Vorwürfen konfrontiert. Dort versichert man, dass per Kontaktlos-System kein Geld bezogen werden könne: «Das wäre für uns auch ein Verlustgeschäft – wegen der Kommission, die wir abgeben müssen», so einer der Inhaber im Gespräch. Er erinnere sich zudem genau an den Vorfall und meint: Die Abbuchungen seien auch keine runden Beträge gewesen. Der Dieb habe einfach Esswaren und Getränke gekauft. Diese Aussage deckt sich jedoch nicht mit der Abrechnung von K.

Auch die Polizei war vor Ort

Nach dem Vorfall, der sich vor einigen Wochen zutrug, hätten sie im Geschäft Besuch von der Polizei bekommen, die nach den Videoaufnahmen gefragt hätte. «Diese haben wir selbstverständlich ausgehändigt.» Ihnen sei bekannt, dass mit verschiedenen gestohlenen Kreditkarten im Geschäft bezahlt worden sei: «Wenn Kunden über das Kontaktlos-System zahlen, haben wir keine Möglichkeit, die Namen zu überprüfen.» Die beiden Betreiber versprechen, in Zukunft jedoch vorsichtiger zu sein.

Die beiden tun gut daran: «Wenn bei einem Händler immer wieder gestohlene Karten eingesetzt werden, dann fällt das schnell auf», sagt Mastercard-Sprecherin Juliane Schmitz-Engels. Kartenherausgeber würden solche Geschäfte dann genauer unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls sperren. «Ausserdem findet in solchen Fällen auch ein Austausch mit den Behörden statt.» Mastercard habe derzeit keine Kenntnisse bezüglich dem Imbiss in der Aarbergergasse.

Anspruch auf Rückerstattung

Laut UBS, der Herausgeberin der Kreditkarte von K., werde das Kontaktlos-System selten für Betrügereien genutzt: «Schadensfälle mit dem Missbrauch der Kontaktlos-Funktion sind selten und es handelt sich jeweils um kleine Beanstandungssummen», sagt UBS-Sprecher Markus Germann. Sofern sich Kunden an die Sorgfaltspflicht halten würden, hätten sie Anspruch auf Rückerstattung des gestohlenen Geldes.

Die Kapo Bern bestätigt, dass in der besagten Nacht ein Mann wegen mutmasslichen Diebstahls in der Aarbergergasse angehalten und auf den Posten gebracht wurde. «Bezüglich des genannten Lokals ist uns in diesem Zusammenhang keine Häufung bekannt», sagt Sprecher Dino dal Farra

*Name der Redaktion bekannt

(cho)