Food-Waste

27. November 2019 04:46; Akt: 27.11.2019 09:10 Print

Tausende Abfall-Rüebli auf Feld sorgen für Empörung

Auf einem Feld bei Sugiez FR liegen unzählige weggeworfene Rüebli herum. Ein Leser ist entsetzt darüber. Der Bauer allerdings hat für den Ärger wenig Verständnis.

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Leser-Reporter David* war letzten Sonntag mit seiner Frau zwischen Ins BE und Sugiez FR unterwegs, als sich ihm ein unschöner Anblick bot: Auf einem Feld direkt an der Hauptstrasse lagen Tausende Rüebli. «Sie entsprechen wohl nicht der gewünschten Norm, deshalb werden sie achtlos liegengelassen», vermutet David. Auch Salat und Sellerie gesellen sich zum Karotten-Teppich. Noch nie habe er eine solche Masse an weggeworfenem Gemüse gesehen, sagt der konsternierte Leser.

Das Paar hielt schliesslich an, sammelte einige Karotten ein und kochte sie zu Hause. «Sie waren schmackhaft, es gab nichts zu beanstanden», sagt David. Andere Leute hätten es ihnen gleichgetan.

Rüebli als Bodenverbesserer

Laut dem Besitzer des Feldes handelt es sich um Rüstabfälle, die er wöchentlich bei den Kollegen einsammle. «Die Rüebli entsprechen nicht den Qualitätsbestimmungen und sind deshalb nicht in den Verkauf gekommen», erklärt der Landwirt aus Kerzers FR. Nun würden sie den Boden auf den Feldern ein wenig aufbessern.

Die Empörung des Lesers findet der Bauer scheinheilig: «Wenn im Laden mal ein Rüebli etwas krumm oder fleckig ist, lassen es die Leute liegen.»

Coop: Verkauf krummer Rüebli steigt

Bei Coop hat man andere Erfahrungen gemacht. Unter der Eigenmarke Ünique verkauft der Grossverteiler seit 2013 Früchte und Gemüse, die aus der Norm fallen. Das Label sei «ein voller Erfolg» und komme bei den Kunden sehr gut an, sagt Sprecherin Andrea Bergmann: «Die Nachfrage nach Ünique-Produkten steigt jedes Jahr.» Über 870'000 Kilogramm Früchte und Gemüse habe Coop letztes Jahr unter dem Siegel verkauft.

Bei Migros gibt es kein eigenes Label für krumme Rüebli und Gurken. Unförmige Exemplare von Früchte- und Gemüsesorten seien in die M-Budget-Linie integriert, heisst es auf Anfrage. 
Man erachte dies als effizienter und flexibler als eine Eigenmarke nur für unförmiges Gemüse.

99 Prozent der Abfälle für Dünger oder Futter verwendet

Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) fallen in der Landwirtschaft jedes Jahr 225'000 Tonnen Lebensmittelverluste an. Dabei handelt es sich um Ernterückstände oder Ernteausschüsse. Mit technischen oder organisatorischen Massnahmen wäre es laut dem Bafu möglich, rund 90 Prozent der Abfälle zu vermeiden – also rund 200'000 Tonnen.

Gründe für die Verluste sind laut Bafu geltende Industrienormen nachgelagerter Branchen sowie technische Bedingungen und unzweckmässige Lagerung. Nur gerade 2000 Tonnen – 1 Prozent der Verluste – werden in der Abfallwirtschaft thermisch zu Elektrizität und Wärme verwertet. Der Rest wird als Dünger oder zur Bodenverbesserung auf den Feldern ausgebracht oder an Tiere verfüttert.

*Name der Redaktion bekannt


(rc/sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JoHo am 27.11.2019 05:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht weggeworfen

    Natürlich ist es schade, wenn Lebensmittel nicht für den Zweck verwendet werden, für den sie produziert wurden. Die Bauern würden das ausserhalb von sinnlosen Normen liegende Gemüse bestimmt lieber verkaufen, als es als Tierfutter oder als Bodenverbesserer zu verwenden. Wenn sie (die Landwirte) es für diese Zwecke verwenden, kann aber nicht davon gesprochen werden, dass sie es weggeworfen haben. Vielmehr wird es dadurch dem natürlichen Kreislauf zugeführt, und es erfüllt dadurch einen wichtigen Zweck bei der Ernährung von Mensch und Tier.

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  • Ceco am 27.11.2019 05:42 Report Diesen Beitrag melden

    Auweh, die Stadtmenschen wieder!

    Dünger! Das ist Dünger! Und erst noch so "Bio" wie es nur geht. Aber der Stadtmensch versteht das nicht, der muss seine tägliche Portion Empörung haben. Ja, das Leben ohne "social Media" war tatsächlich besser, weniger Stuss. Alles, was "auf dem Boden liegt" ist ja "weggeworfen". Aber noch ein paar Rüebli klauen um die künstliche Empörung zu untermauern, DAS ist dann natürlich in Ordnung.

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  • Buuretochter am 27.11.2019 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann's verstehen

    Da muss ich dem Landwirt recht geben. Arbeite im Verkauf und die Kundschaft wird immer wie eitler.... Und ausserdem ist das doch Diebstahl was diese Leute da machen. Die haben auf dem Feld nichts verloren!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan unbekannt am 28.11.2019 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Coop

    Wenn ihr wüsstet was coop jeden tag wegwirft..

  • Landei am 28.11.2019 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare der Stadtmenschen?

    was der Bauer hier macht, ist fast das einzig Richtige. Er wirft die Rüebli nicht weg, sondern verwendet sie als Dünger und die Wildtiere haben auch noch was davon. Ich wüsste gerne von den Personen mit den negativen Kommentaren was der Bauer sonst tun hätte sollen, ausser die Rüebli der Natur zurück zu geben. Dass dies viele (vermutlich Stadtmenschen) nicht verstehen können, wundert mich nicht.

  • Susi Staub am 27.11.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach mitnehmen

    Einfach mitnehmen und kochen?! Das ist Diebstahl!!! Habe schon des öfteren beim wandern auch Leute beim Äpfel vom Baum holen beobachtet... egal ob man es gut oder schlecht findet es gehört dem Bauern und ist nicht einfach mitzunehmen

  • Reto am 27.11.2019 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin entsetzt

    Food-Waste vom Feinsten. Ich habe ein schlechtes Gewissen . Wo kann ich Spenden um mein Gewissen wieder zu beruhigen?

  • Emil Bumann am 27.11.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dünger aus Gemüse

    Abfall-Rüebli? Dank grosszügigen Subvention ist so etwas möglich! Da muss man sich vor jenen Menschen die Hunger haben ( auch in der Schweiz und Europa) schämen! Auch wenn niemand das Gemüse will, gäbe es immer noch die Möglichkeit das Gemüse an Tierparks und Zoos abzugeben. Rüebli sind bei vielen Tieren beliebt.