Streit im Nobelort

15. Februar 2019 05:46; Akt: 15.02.2019 09:03 Print

Ein Spiegel-Chalet spaltet Gstaad

von B. Hostettler - Gstaad hat ein neues Aushängeschild: Inmitten der Saaner Bergwelt steht seit einigen Tagen ein neues Chalet. Nicht alle freuen sich darüber.

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Gstaad im Berner Oberland ist bekannt für seine extravaganten Häuser, Villen und Hotels. Das neuste exklusive Projekt nennt sich «Mirage Gstaad» und befindet sich am Winterwanderweg zwischen Schönried und Gstaad. Dabei handelt es sich um ein futuristisch anmutendes Chalet, das vollständig reflektiert.

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«Mirage Gstaad» ist Teil einer regionalen Ausstellung und wurde vom US-Künstler Doug Aitken konzipiert. Mithilfe der Lichtfrequenzen soll das Haus die feierliche Alpenlandschaft als Teil einer sich ständig wandelnden Begegnung reflektieren. Bis 2021 soll «Mirage Gstaad» bestehen bleiben.

«Diese Konstruktion ist unnötig»

Dieses temporäre Bauwerk ist zwar ein Hingucker, doch nicht allen gefällts. Im nahe gelegenen Dorf Schönried wird derzeit über das Kunstwerk kontrovers diskutiert: «Was soll das? Ist ja nur Glas», meint ein Anwohner gegenüber 20 Minuten. Die wunderbare Landschaft könne man mit blossem Auge anschauen und brauche dafür keine Spiegel. «Der Panoramaweg ist gut besucht, auch ohne das Chalet. Diese Konstruktion ist unnötig.»

Andere Anwohner werden die Ausstelllung zwar nicht besuchen, stören sich aber auch nicht am verspiegelten Kunstobjekt: «Das Chalet sieht merkwürdig, aber dennoch schön aus», sagt eine Einheimische.

Spiegel als Gefahr für Vögel

Etwas kritischer sieht Wildtierexperte Andreas Boldt die Konstruktion: «Verspiegelte Gebäude sind ein grosses Problem für Vögel.» In Studien über gespiegelte Industriegebäude habe man herausgefunden, dass Vögel häufig hineinfliegen und sterben. «Auch für kleinere Tiere wie zum Beispiel Insekten könnte ein Zusammenprall mit dem Chalet tödlich enden.» Auch für grössere Tiere seien die reflektierenden Scheiben gefährlich – «sie können in Schrecken geraten».

Positive erste Resonanz

Bei der Tourismusdirektion Gstaad freut man sich dennoch über das neue Kunstwerk: «Es ist ein neuer Publikumsmagnet, das Traumpanorama wird durch die Spiegelung aufgewertet», sagt Direktor Sébastien Epiney. Die Feedbacks seien bisher nur positiv ausgefallen und durch Social Media werde das Motiv zurzeit in die ganze Welt hinausgetragen. Die Umgebung sei wie geschaffen für das Chalet: «Kunst kennt keine Grenzen.»

Genaue Besucherzahlen gibt es derzeit noch nicht. Aber auch Toni von Grünigen, Gemeindepräsident von Saanen, zeigt sich gegenüber 20 Minuten erfreut über das spezielle Bauwerk: «Die Resonanz ist bisher gut.» Das vorliegende Projekt sei beeindruckend. Problematisch könnte aber das Verkehrsaufkommen werden, wenn das Fahrverbot nicht beachtet werde: «Die Leute wollen mit dem Auto möglichst nahe parkieren, dabei könnte man mehr oder weniger den Weg zu Fuss gehen.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Ramseier am 15.02.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viva la Prostitution

    Was da alles bei den reichen Schnöseln zugelassen ist? Wenn wir bei uns im Berner Unterland ein Schrebergarten-Häuschen leicht unangepasst umbauen schreiten die Behörden (AGR) ein!

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  • Bully Blitz am 15.02.2019 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bully Blitz

    Fake News! Das Chalet steht nicht mehr dort. Bin gestern mit dem Pistenbully reingefahren, weil schlicht und einfach nicht gesehen!

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  • Roli v S am 15.02.2019 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gebäudetyp??

    Sieht für mich eher nach verspiegelter Militärbaracke aus. Unter Chalet verstehe ich etwas anderes. Aber man kann einem Pferd auch Esel agen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • arno am 15.02.2019 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Holliday for Heimatschutz

    Das Chalet wurde wohl gebaut während der Heimatschutz in den Ferien war. Bei uns haben sie alles bemängelt, vorgeschrieben und verlangt und am Schluss gab es noch den Streit um die Sprossen in den Fenstern. Ob Geld hier wohl eine Rolle spielt?

  • Drachen aus den Bergen am 15.02.2019 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierschutz

    Jetzt mal ehrlich ihr die nur über Tierschutz schreibt. Die verspiegelung ist nicht schädlicher als die ganzen Touristen die auf dem Sessellift den Abfall entsorgen! Nehmt euch selber mal an der Nase!!!

  • Saanerin am 15.02.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spiegel chalet

    Ich wohne selbst im Saanenland, und habe bis jetzt nichts gehört das dies gstaad spaltet. Wieder einmal ein Journalisten Theater. Kunst ist geschmack sache. Lasst uns Saanenländer/ Gstaader in ruhe. Danke

    • Peter M am 15.02.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      Sind keine News

      Hier wird zu oft Werbung als News verkauft

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  • bern am 15.02.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacklos

    Ich bin kein Freund von Sprayereien. Aber bei diesem würde ich am liebsten selber zur Spraydose greifen und dieses geschmacklose Ding verschönern

    • Paloma Bianca am 15.02.2019 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bern

      Komm mal in unser Dorf Rossa da kannst du gleich kübelweise Farbe mitbringen.

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  • Architekt am 15.02.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    SKANDAL Maiensäss

    Solche Schandfläcke dürfen erstellt werden aber Maiensässe ein WC und zwei Fenster einbauen und die Ställe nicht verlotern lassen wird vom Bundesgericht verboten,das soll noch einer verstehen.