Bundesgerichtsentscheid

18. Oktober 2019 18:52; Akt: 18.10.2019 18:52 Print

War Dogge Bandido Opfer einer «Hexenjagd»?

Nach einem angeblichen Angriff auf einen Kurier sollte Bandidos Besitzer die nationale Hundehalterprüfung absolvieren. Dagegen wehrte er sich bis vors Bundesgericht. Mit Erfolg.

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Die Argentinische Dogge Bandido und ihr Halter aus dem Kanton Bern müssen kein nationales Hundehalterbrevet erlangen. Dies entschied das Bundesgericht in einem Urteil vom vom 27. September. Die Dogge erlangte 2016 nationale Berühmtheit, nachdem sie angeblich einen Essenkurier angegriffen haben soll. «Der Kurier forderte von meinem Klienten 50'000 Franken für den seelischen Schaden, den er erlitten habe», sagt Manuel Rohrer, Rechtsanwalt des Hundehalters. Für Rohrer sind diese Forderungen völlig absurd.

«Der Kurier sagte, er sei vom Hund gebissen worden, was einfach nicht stimmt. Wir haben Berichte von Ärzten, die das bestätigen», so Rohrer weiter. Der Kurier erhob nach dem Zwischenfall schwere Vorwürfe gegen Bandido und seinen Halter. Er sagte, dass der Hund ihn «zerfleischen» wollte und ihn gebissen habe. Er forderte gar, dass die Dogge eingeschläfert wird.

Dass der Hund den Mann biss, ist gemäss Urteil nicht bewiesen. «Wenn das Tier ihn tatsächlich gebissen hätte, sähe sein Gesicht ganz anders aus», sagte der Hundehalter damals zu 20 Minuten. Mittlerweile wurde das Verfahren eingestellt.

Tierarzt diagnostizierte «defensive Aggression»

Für Bandido und seinen Halter ging der Prozess jedoch weiter. Nach der medialen Berichterstattung beschwerten sich mehrere Personen beim Veterinärdienst und bekundeten, dass sie schlechte Erfahrungen mit der Dogge gemacht hätten. «Manche dieser Personen wohnen nicht einmal in der Nähe von Bandido und beschwerten sich auf einmal beim Veterinärdienst», so Roher.

Das Veterinäramt liess den Hund darauf von einem Tierarzt untersuchen. Dieser diagnostizierte eine «defensive Aggression» und «fehlende Rudelstruktur» und forderte eine Verhaltenstherapie. Der Halter nahm daraufhin einige wenige Male an einem Training der Hundeschule teil. Der Trainer meinte, dass Bandido gut mit anderen Hunden und Menschen umgehen könne. Er zeige zwar Dominanz, aber kein aggressives Verhalten. Daraufhin ging der Halter nicht mehr zum Training.

Nachdem der Veterinärdienst vom Abbruch des Trainings erfahren hatte, wurde der Halter dazu verpflichtet, mit Bandido die nationale Hundehalterprüfung zu absolvieren. Dem Halter wurde eine Frist gesetzt, bis wann er diese Prüfung absolvieren müsse. Falls er diese nicht macht, drohte man, ihm seinen Hund wegzunehmen. Der Halter wehrte sich gegen diesen Entscheid, die kantonalen Instanzen wiesen die Beschwerden jedoch zurück. Dagegen wehrte er sich bis vors Bundesgericht.

Verwaltungsgericht urteilte willkürlich

Das Bundesgericht gibt dem Mann nun aber recht. Das Verwaltungsgericht habe nicht ausgeführt, was die Diagnose des Tierarztes konkret bedeute und ob eine Gefahr von der Dogge ausgehe. Ausserdem werde der Hund die meiste Zeit auf einem eingezäunten Grundstück gehalten. Bei Spaziergängen werde er an einer Leine geführt, wie dies eine Tierärztin und diplomierte Verhaltensspezialistin in diesem Fall empfahl.

Dem Urteil der Vorinstanz sei weder zu entnehmen, dass der neunjährige Rüde an einem Verhaltensdefizit leide noch dass er eine Gefahr für Menschen oder Tiere darstelle. «Das Urteil zeigt, dass der Veterinärdienst im Falle meines Klienten eine ‹Hexenjagd› veranstaltet hat», sagt Manuel Rohrer.

Bandidos Halter muss die die nationale Hundehalterprüfung somit nicht absolvieren. Das Bundesgericht hat den Entscheid des Berner Verwaltungsgerichts wegen Willkür aufgehoben.

(rc/sda)