Geisterzug-Unglück bei Thun

10. September 2019 04:54; Akt: 10.09.2019 04:54 Print

«Die Berge von verkeiltem Stahl vergisst man nie»

Das Geisterzug-Unglück von Thun ist nun über 13 Jahre her. SRF strahlte darüber ein Doku-Drama aus. Dieses liess unangenehme Erinnerungen aufkommen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die neue SRF-Doku «Es geschah am...» behandelt den schrecklichen Zugunfall, der sich am 17. Mai 2006 im Berner Oberland ereignete. Damals stiess ein 300 Tonnen schwerer, defekter BLS-Dienstzug in Dürrenast bei Thun mit drei Insassen ungebremst auf zwei Materialwagen und 200 Meter später in einen stehenden Bauzug. Drei Menschen kamen ums Leben.

Die Horrorfahrt begann bereits 22 Kilometer zuvor im höher gelegenen Frutigen BE. Kurze Zeit nachdem der Dienstzug den dortigen Bahnhof in Richtung Tal verlassen hatte, bemerkten die zwei BLS-Lokführer, dass der Zug keine Bremswirkung hatte.

Innerhalb von wenigen Minuten und unter enormen Druck mussten die externen Fahrdienstleiter den Zug irgendwie zum Anhalten bringen. Sie entschieden sich schliesslich dazu, ihn in Thun auf eine Wagengruppen bei Dürrenast zu leiten. Dort nahm die Geisterfahrt ein tragisches Ende: Bei der Kollision verloren zwei BLS-Angestellte sowie ein Mitarbeiter eines privaten Bauunternehmens ihr Leben.

Doku-Drama weckt Erinnerungen

Die Verfilmung des sogenannten Geisterzugs weckt jetzt auch bei Anwohnern dramatische Erinnerungen. So etwa beim Thuner M. G.*, der in Dürrenast nicht unweit vom damaligen Unfallort wohnt. «An dieses Drama kann sich wohl jeder sehr gut erinnern, der damals im Dürrenast gewohnt hat», sagt G. Der Unfall um halb vier morgens hatte ihn damals aus dem Schlaf gerissen. «Es war ein nicht endend wollendes Getöse, ich höre es noch immer», erzählt G. «Die Berge von verkeiltem Stahl vergisst man nie». Das Ausmass des Unfalls selbst habe er erst am Tag darauf gesehen. Er sei wie angewurzelt dagestanden und habe nicht verstanden, was überhaupt geschehen sei.

«Ich konnte meinen Blick fast nicht abwenden»

Auch der Thuner Yannick Vogel (35) kann sich noch gut an das Zugunglück vom 17. Mai 2006 erinnern. Vor allem die lauten Sirenen am frühen Morgen, die fast ununterbrochen geheult hätten, blieben ihm im Gedächtnis. Damals dachte er, dass wahrscheinlich nichts Schlimmes passiert sei. Am anderen Tag sah er dann auf dem Weg zur Arbeit, dass er sich völlig getäuscht hatte. «Ich konnte meinen Blick fast nicht abwenden», erzählt Vogel. «Die Waggons standen fast senkrecht und waren wie aufeinandergestapelt», beschreibt der Thuner seine Erinnerungen. Er habe zuerst nicht daran gedacht, dass es hier auch Tote gegeben haben könnte: «Jetzt wo die Doku ausgestrahlt wurde, ist alles wieder präsent.»

Link zur SRF-Doku: https://www.srf.ch/radio-srf-1/radio-srf-1/es-geschah-am-17-mai-2006-der-geisterzug-von-spiez

(km)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andi Scheiwiller am 10.09.2019 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Doku-Film

    Das ear ein super Doku-Film, er ist extrem ergreifend. Da kann man sagen das war ein super Schweizer Film. Kann nur sagen Bravo.

    einklappen einklappen
  • Der Fahrdienstleiter am 10.09.2019 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gänsehaut

    Die Gespräche in der Betriebszentrale der FDL gehen mir durch Mark und Bein. Diese Ausweglosigkeit und das Unheil welches nicht mehr verhindert werden konnte. Ich bin froh musste ich als ehemaliger Fahrdienstleiter nie eine solche Entscheidung treffen. Den Kollegen wünsche ich auf dem weiteren Weg alles Gute!

    einklappen einklappen
  • PeterKnopf am 10.09.2019 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bahn Revue Experte

    Super Doku, nur auf den Kommentar des Bahn Revue Möchtegern Experten hätte jeweils verzichtet werden können! Die restliche wirklichen Experten waren sehr gut!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Medien Beauftragter am 10.09.2019 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich erstaunlich ist...

    Das Thema den billigen Kommentatoren zum Frass vorzuwerfen. Ihr wisst doch, dass das Niveau Eures Agentur Meldungen Blattes unterirdisch empörtes Denken und Leser fördert.

  • Zahnrad Bähnler am 10.09.2019 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Aufmerksam beobachtet

    Verrückt an der Zug Unglück Doku empfand ich, dass das beteiligten Mannschaften praktisch keinen Notfallplan hatten. So etwas gab es noch nie, hiess es in einem Kommentar und deshalb auch keine "Regeln" wie nach Schema reagiert werden muss. Z.B. hätten Hemmschuhe an geraden Abschnitten angebracht werden können, wenn man nach nüchternem Schema agiert hätte. Die Kommunikation klappte offenbar relativ gut. Nur die Umsetzung der Massnahmen nach Meldung des quasi unmöglichen drohenden Ereignisses brauchte zu viel Zeit.

    • Armee Amherd am 10.09.2019 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Mobile Prellböcke Batterie 24/7

      Es hätte geholfen werden können.

    • Alles wird gut am 10.09.2019 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zahnrad Bähnler

      Klar doch am morgen um 03.15 sind natürlich x Leute verfügbar und zwar am richtigen Ort mit dem entsprechenden Material. Sorry!

    • Hirnmasse am 10.09.2019 22:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Alles wird gut

      Nein, waren Sie nicht. Soll ja noch Leute geben die Lernen können, abgesehen von Dir und Mehrheit.

    • Swissgirl am 11.09.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Armee Amherd

      Ach ja, all diese Besserwisser. Masse (300 t Plus) x Geschwindigkeit (89 km/h). Rechne mal die Tonnage aus, mit der der Zug auf ein stehendes Hindernis prallt. Der Bauzug hatte keine Bremsen, hat den kleinen "Loktraktor" geschoben, dessen Bremsen nicht ausreichten. Wenn man selber nicht involviert ist, ist es einfach zu kritisieren und zu plagieren man wisse alles besser! Es wäre bei manchen Themen besser, die Kommentarfunktion wäre ausgeschaltet.

    • Alibaba am 11.09.2019 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zahnrad Bähnler

      Doch, das Reglement beschreibt den Notfallplan: Zug entgleisen lassen - mit allen Mitteln.

    einklappen einklappen
  • Walter H Beutler am 10.09.2019 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefällefahrten

    zuerst möchte ich Stellung nehmen zu den mehrmals falsch erwähnten Gefälleangaben. Das maximale Gefälle zwischen Frutigen und Thun beträgt 16 Promille ! Also nicht 26, wie das nach Frutigen, Richtung Kandersteg der Fall ist. Die Hauptursache des Unglücks war die, dass die Bremsen fahrlässig geprüft wurden, d H, nachdem der eine Lokführer die Bremssohlen angelegt vorgefunden hat,die Auslöseventile betätigte. Es steht in den Vorschriften, dass bei der Zugskontrolle nachzusehen ist, ob die Kupplungen vorschriftsgemäss verbunden sind und die Hahnen zur Hauptleitung geöffnet sind. Das war der fatale Fehler, der begangen wurde. Es mögen viele Spekulationen im Raum stehen aber dies ist nun Mal die Tatsache. Zudem wurden aufgrund dieses Unglücks die Ruhezeitvorschriften verschärft.

  • Walter am 10.09.2019 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Frage zu hätte, würde, wenn...

    Frage: Hätte die Möglichkeit bestanden, einen auf einem geraden Durchfahrtsgeleise in Thun stehenden Zug rückwärts aus dem Bahnhof fahren zu lassen. Idee: Es soll dort nicht nur einigermassen gerade weitergehen, sondern sogar eine leichte Gegensteigung haben.

    • Einhornjäger am 10.09.2019 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walter

      Dazu fehlte schlicht und ergreifend die Zeit.

    • Lokführer am 10.09.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      Theoretisch

      Ein Zug ist nicht wie Auto wo man kurz den Schlüssel dreht und losfährt. In der Praxis fehlte wohl Personal und Zeit.

    • Gabi am 10.09.2019 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walter

      Wenn die möglichkeit bestanden hätte, hätten sie's ja wohl auch gemacht....

    • Swissgirl am 10.09.2019 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walter

      Dazu musst Du mitten in der Nacht innert weniger Minuten einen Lokführer vor Ort haben.

    • Walter am 10.09.2019 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Danke allen

      OK, ich verstehe. Wenn ein Lokführer in der Nähe gewesen wäre? Aber es wäre dann die ultima ratio gewesen und es hätte 100 Prozent klappen müssen. Danke für euere Antworten.

    einklappen einklappen
  • Bea am 10.09.2019 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hemmschuh

    So wegen Hemmschuh: hätte keinerlei Wirkung gehabt. Mein Mann, pens. Lokführer ist vor vielen Jahren mit einem Schnellzug auf einen vergessenen Hemmschuh aufgefahren. Es hat gerumpelt unter dem Steuerwagen, dann ist der Hemmschuh weggespickt und in einiger Entfernung wurde er dann in einer Wiese gefunden. Also, keine Chance. Der Dokfilm war sehr emotional und eben ohne grossen Schnickschnack, Kompliment. Als ehemalige Eisenbahnerin aus der Gegend hat mich der Film sehr berührt.

    • Themsen Lisi am 10.09.2019 16:03 Report Diesen Beitrag melden

      Gehemmt ist Dein zukünftiger Ex.

      Hemmschuhe kann man auch befestigt montieren. Prellböcke hintereinander hätten auch gemildert.

    • Anonym am 10.09.2019 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Themsen Lisi

      Ja sicher, wir liefern und montieren innert 10 Minute ganz schnell 2 Prellböcke an den Wunschort. Wo darf es denn sein?

    • Pudding Bethli am 10.09.2019 16:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Anonym

      Schau zuerst die Doku bevor Du mit Lallen startest.

    einklappen einklappen